Die Warenwelt befindet sich im Umbruch. Die Zeiten, in denen Gegenstände vor allem liebevoll und individuell gefertigt wurden, sind längst vorbei. Als diese “Artifakte” seriell bzw. maschinell hergestellt wurden, verloren sie ihren individuellen, einzigartigen Charakter. Mit zunehmender Differenzierung und Spezialisierung wurden sie zu Produkten. Heute werden Produkte zunehmend in Service-Umgebungen eingebunden und damit zu so genannten Gizmos – erklärt Bruce Sterling in seinem schönen Design-Reader “Shaping Things” (den man in der Hand haben muss, so schön ist er!). Jetzt sind bereits erste Gizmos im Umlauf – und versprechen einen Ausweg aus der Krise.
So las ich gestern in einem Beitrag in der New York Times (“electronic barbie has more than just chic outfits”) über die neueste Strategie der Spielehersteller, der zunehmenden Unlust der jungen Kundschaft zu begegnen, gegenständliche Produkte zu kaufen und stattdessen lieber die ursprünglich als Werbeumgebung gedachten Online-Welte zu nutzen. So verzeichnete die Spielzeugindustrie im letzten Jahr ein Wachstum von nur 0,8 Prozent, während Elektronikprodukte für Kinder ein Wachstum von 16,6 Prozent in den letzten zwei Jahren aufwiesen.
Die Lösung scheint in der Koppelung von Online- und Offline-Märkten zu liegen: Nur Kinder, die beispielsweise ein neues BarbieGirl mit eingebautem USB-Stick samt Dockingstation haben, erhalten vollen und ungehinderten Zugang zur BarbieGirls-Website (dt. Version) – vgl. auch Online Beitrag bei Business-Wire).
Vorgemacht hat das die erfolgreiche Website Webkinz: Je mehr Merchandise die Kinder physisch besitzen, desto mehr Vorteile genießen sie in der Online-Welt (vgl. etwa “Webkinz toys come to life online” im Sioux City Journal).
Im Zeitungsmarkt kenne ich das etwa von Spektrum der Wissenschaft. Nur Abonnenten erhalten Zugang zu weiteren Artikeln, die nicht in die Printausgabe passen bzw. im Auswahlprozess den Kürzeren zogen. Das ist ein ganz konkreter Mehrwert für den Käufer.
Was kommt nach den Gizmos? Laut Bruce Sterling wird die Phase der “Spimes” folgen (Talk). Gizmos erfordern nämlich unangemessen viel Aufmerksamkeit und Wissen. Spimes hingegen haben hier bereits eine angemessene Balance gefunden – über das Aushandeln individueller Gegebenheiten und Bedürfnisse. Klingt schon fast wie “Welt retten”.

