Mögliche Konsequenzen für Blogger und Aggregationsdienste durch erwartetes Perlentaucher-Urteil

Das OLG Frankfurt hat die für heute mit Spannung erwartete Verkündung des Urteils im Streit zwischen Süddeutschem Verlag / Frankfurter Allgemeiner Zeitung und dem Internet-Angebot Perlentaucher um knapp einen Monat auf den 11. Dezember verschoben. In der Auseinandersetzung geht es darum, dass sich Süddeutsche und FAZ an der Art und Weise stören, wie der Perlentaucher die in ihren Zeitungen erschienenen Literaturrezensionen besprochen beziehungsweise verarbeitet hat. Ihrer Ansicht nach hat der Perlentaucher in einigen ausgesuchten Stücken nicht nur zu viel zitiert, sondern so zusammengefasst, dass sich das Lesen des Originalartikels erübrigt.

Das Urteil wird sich nicht nur auf die von den Klägern vorgelegten Artikel beziehen, sondern wird erläutern, in welcher Form zulässigerweise zitiert werden darf und inwieweit Zusammenfassungen und Abstracts als eigenständige Werkschöpfung begriffen werden können. Das Urteil könnte deshalb erhebliche Folgen für die Blogosphäre sowie für die Ausgestaltung von Aggregationsdiensten aller Art nach sich ziehen. So könnte etwa die weit verbreitete Blogger-Methode, umfangreiche Zitate lediglich mit einem kleinen einleitenden Zweizeiler zu versehen, bald nicht mehr erlaubt sein. Damit entstünde die Gefahr neuer Abmahnwellen.

Auch der sehr nützliche Ansatz von Diensten wie Brijit, die Abstracts von Zeitungsartikeln verfassen, um den Lesern einen raschen Überblick zu verschaffen, könnte hierzulande rasch versanden. Dienste wie Facts 2.0, die Feeds von News-Sites verwerten und mit einem maschinell entnommenen Zweizeiler anteasern, dürften eventuell nur noch Publikationen verwenden, die einer solchen Weiterverwertung ausdrücklich zugestimmt haben. Unter Umständen könnte sich dies auf alle neuen Dienste im Bereich der “Social Media” erstrecken, die neben Links auch Zitate der verlinkten Fundstellen verwenden.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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