Bewertungs- und Filtermechanismen werden immer wichtiger, um aus den Informationsfluten Wertvolles zu fischen. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bremer Methoden- und Beratungsunternehmen nextpractice durchgeführten Interview-Studie zu den Veränderungen in der Medienlandschaft. Die 150 in mehrstündigen Tiefeninterviews befragten Nutzer kritisierten ”die für das Web 2.0 typischen Angebote mit weitgehend ungefilterten, nutzergenerierten Inhalten als oberflächlich und nicht förderlich für die eigene Entwicklung”.
Studienleiter Peter Kruse ist der Überzeugung, dass ohne angemessene Bewertungsmechanismen das Internet an der Masse der eingepflegten Informationen ersticke. “Rundherum positiv schneiden tatsächlich nur noch Internet-Angebote ab, bei denen die Inhalte entweder sorgfältig von einer Redaktion überarbeitet werden oder wie etwa bei Wikipedia einem anderen Verfahren unterliegen, das die Qualität sichert.” Angebote wie Youtube, Second Life und Blogs liegen in der intuitiven Bewertung nah bei Boulevardpresse und Trash-TV. Die Nutzer hofften aber auf innovative Formen der medialen Aufbereitung von Informationen und auf die Erleichterung sozialer Austauschprozesse:
“Für die Befragten verbindet das ideale Medium die Aspekte Komplexitätsreduktion, Nachhaltigkeit und Sinnstiftung mit Formen aktiver Beteiligung und spontaner Eigendynamik. Es trennt Wichtiges von Unwichtigem, erhöht das Verständnis für die Welt und liefert authentische Informationen, die eine hohe Alltagsrelevanz besitzen.”
Peter Kruse glaubt jedoch nicht daran, dass ”Bemühungen, die Informationsflut im Internet durch persönliche Empfehlungen, aktive Kategorisierung oder Social Bookmarking zu lösen” auf Dauer geeignet seien, ”das Mengenproblem zu lösen und das System zu entlasten”. Die Vielfalt individueller Strukturierungsvorschläge werde erweitert und die Unübersichtlichkeit noch weiter vergrößert. Mit der Demokratisierung des Zugangs zu Informationen werde die Bewertung von Information immer mehr zum kritischen Erfolgsfaktor.

