Das reine Durchzählen von Features haut mich nicht wirklich vom Hocker, weil es nicht wirklich die Frage nach der tatsächlichen “Nutzung” beantwortet, sondern nur abbildet, was die Macher an Nutzung erwarten. Jüngst haben Steffen Büffel, Falk Lüke, Igor Schwarzmann und Alexander Svensson abgecheckt, wie viele Web-2.0-Features in den Online-Auftritten von Zeitungen inzwischen verwendet werden. Immerhin 55 Prozent der Zeitungen bieten RSS-Feeds an, das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Ähnlich ist die Wachstumsrate bei differenzierten RSS-Feeds für einzelne Ressorts. Video scheint sich fast durchgesetzt zu haben – bei 71 Prozent der Zeitungen. 28 Prozent wagen es, ihre Leser die Artikel kommentieren zu lassen (Vorjahr 11 Prozent). Fast jede Dritte probiert es auch inzwischen mit dem Bloggen.
Die deutschen Verlage zeigen sich damit immer noch etwas zurückhaltender als die US-Verlage. Die kürzlich vorgestellte Bivings-Studie „American Newspapers and the Internet; Threat or Opportunity?“ untersuchte die Websites der hundert am meisten verkauften amerikanischen Zeitungen. Demnach bieten 96 Zeitungen RSS-Feeds an, nur drei jedoch einen Volltext-Feed. Die Feeds nutzen im Vorjahresvergleich 21 Prozent mehr Leser. 92 Prozent der Zeitungen zeigen Videobeiträge auf ihren Websites – im Vorjahr waren es nur 61 Prozent gewesen. Immerhin 39 Zeitungen bieten eigene Inhalte an, 26 nutzten AP-Videostreams, 13 griffen auf Inhalte lokaler Nachrichtenredaktionen zurück. Dabei verwenden mehrere Redaktionen verschiedene Quellen für ihre Videoinhalte. 95 Zeitungen integrieren 2007 mindestens ein Reporter-Blog auf ihrer Website.
Beide Studie sagen nichts darüber aus, wie sich Leser- und Nutzungsverhalten tatsächlich verändert – diese Daten müssten die Verlage selbst beisteuern. Interessant wäre zu wissen, wie die Angebote angenommen werden, wie die Relation zwischen “neuem Feature” und “höhere Akzeptanz” bzw. “höhere Leserzahlen” aussieht. Ob es eine stärkere Leser-Blattbindung gibt. Ob es soziale Unterschiede hinsichtlich der Akzeptanz bestimmter Features gibt. So könnte etwa man die These prüfen, ob bildungsferne Schichten eher das Video nutzen, bildungsnahe eher den RSS-Feed – und wie das wiederum auf das Angebot und die Gestaltung von Inhalten zurückwirkt. Interessant wären auch Untersuchungen zur Navigation – wie ist diese gestaltet, wie wirkt sie sich auf das Nutzerverhalten aus?
Beiträge zu verwandten Themen:


Pingback: KoopTech » Medien » Studie: Zeitungen werden bloggiger