Der Branchen-Newsletter als “eine Art Suchtstoff” – Interview mit Peter Turi
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 03.Februar 2008 • Kategorie: Interview1,273 views • 3 Kommentare
Turi2 ist ein kleines redaktionelles Angebot von Peter Turi für Medienschaffende, das unglaublichen Erfolg hat. Einige Verlage wie Holtzbrinck beobachten die Entwicklung sehr aufmerksam, zeigt sie doch, dass sich ein attraktives, rentables Angebot mit kleinster Besetzung in kürzester Zeit auf die Beine stellen lässt. Derzeit sucht Turi erneut redaktionelle Verstärkung. Zeit für ein paar Fragen an ihn:
Christiane Schulzki-Haddouti: Sie hatten ja früher bereits mit dem Kress großen Erfolg, Turi2 scheint nun eine Art Neuauflage zu sein. Was hat sie dazu gebracht, ihr altes Konzept wieder neu aufleben zu lassen?
Peter Turi: Mein Freund Dirk Manthey sagt dazu ja gerne: Der Täter kehrt immer an den Ort seines Verbrechens zurück. Und so war’s dann wohl auch im Fall Turi. Es macht einfach Spaß, das alte Wissen und Können noch mal auf die Folie des Web 2.0 zu legen und zu schauen, was passiert.
Christiane Schulzki-Haddouti: Wie ist die Resonanz?
Peter Turi: Ganz gut. Ich habe das Gefühl, dass die Zielgruppe der an Brancheninfos interessierten Medienmacher in Deutschland ziemlich regelmäßig vorbeischaut und auch einigermaßen zufrieden ist. Wir haben zwischen 4.000 und 5.000 Lesern pro Tag auf der Website, den E-Mail-Newsletter lesen knapp 6.000 Nutzer.
Christiane Schulzki-Haddouti: Was wird mehr rezipiert – die News oder die Videos?
Peter Turi: Eindeutig die News. Medienmacher sind unglaublich newsgeil. Der Newsletter am Morgen, der gegen 8.30 Uhr bereits einen kompakten Branchen-Überblick gibt, wird von vielen Medienmachern als eine Art Suchtstoff inhaliert. Videos interessiert nur einen kleinen Teil der Leser.
Christiane Schulzki-Haddouti: In der ersten Zeit haben Sie ja alles alleine gestemmt – ab wann holten Sie sich Verstärkung?
Peter Turi: Anfang 2007 waren wir zu dritt, seit Anfang 2008 zu fünft.
Christiane Schulzki-Haddouti: Wie wollen sie Ihr Angebot konzeptionell weiterentwickeln?
Peter Turi: So dass es die Lust auf Innovation und Insubordination atmet.
Christiane Schulzki-Haddouti: Wie können Sie Ihr Angebot finanzieren? Auf welchen Mix setzen Sie?
Peter Turi: Wir verkaufen mit gutem Erfolg Anzeigen für die Zielgruppe Medienmacher. Das sind Textanzeigen, die den Vorteil haben, schnell und präzise via Newsletter zu arbeiten, aber auch Sponsoren-Banner und neue Formen wie Text-, Video- und Content-Anzeigen. Außerdem verkaufen wir auch Content, z.B. an das Marketingfachblatt “w&v”, für das wir eine spezielle Variante des Morgendienstes erstellen.
Christiane Schulzki-Haddouti: Sie experimentieren ja mit Werbebeiträgen – wie ist die Resonanz? Haben Sie Angst, ähnlich wie Robert Basic von Google abgestraft zu werden?
Peter Turi: Nein, Google ist für mein Geschäftsmodell irrelevant. Ich mache einen Dienst, der von den 5.000 relevanten Medienmacher in Deutschland gelesen und geschätzt wird, und den sie mit Anzeigen bestücken, weil sie wissen, dass sie genau diese Zielgruppe damit zuverlässig erreichen. Man könnte auch sagen: turi2 lebt nicht von der Quantität, sondern von der Qualität der erreichten Leser. Das war übrigens ganz explizit die Strategie von einem Lehrmeister Günther Kress, dessen Auflage immer unter 2.000 Exemplaren lag, und der dennoch in der Branchen einen legendären Ruf als DienstMann genießen durfte.
Christiane Schulzki-Haddouti: Vielen Dank!
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Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
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Ich bekomme den Newsletter ungefragt und wrde ihn trotz mehrmaliger Kündigung nicht los. Das nennt man Spam. Auch eine Art, um “8000 Mediemacher zu informieren”. Und wie viele ungefragt? Wie oft gelöscht, ohne gelesen zu werden?
Gute Frage, würde ich Turis Kommentare posten. Da ist sie besser aufgehoben als hier
Und nächstes Mal RSS nehmen, ist sicherer …
rs hat sich ja wahrscheinlich nicht freiwillig bei dem Newsletter eingetragen: Im Rahmen einer Promotion-Aktion vor einigen Wochen hat Turi ihm bekannte Adressen von Medienmachern probeweise in seinen Newsletter-Verteiler eingetragen (natürlich mit der Möglichkeit zur Abstellung, ich habe das allerdings noch nicht probiert).