Die Interview-Serie der SZ zur Zukunft der Medien zeichnet sich durch profunde Interviewpartner, eine breite Perspektive, kluge Interviewer und intelligente Antworten aus. Wären da nicht kampagnenhafte Titelparolen wie “Google News ist unser Feind“, “Wir werden von Blogs und Gelaber überflutet”,
“Der Blogger-Schreck” oder “Blogger gehen nach dem Copy-and-Paste-Prinzip vor”, die von der Redaktion der süddeutschen Qualitätszeitung über die jeweiligen Beiträge gesetzt werden.
“Diese Blogger-Titel machen das Ganze kaputt”, meint Dr. Evelina Bühler-Ilieva, die als Redaktorin des Schweizer Nachrichtenaggregators Facts 2.0 täglich hunderte von Schlagzeilen sichtet. Sie empfindet die Interviewbetitelung als “schlecht, weil sie nicht die Essenz des Interviews herauszieht” und deshalb “irreführend” wirkt. Evelina Bühler-Ilieva freut sich daher, wenn Nutzer allein deswegen den gesamten Beitrag mit einem Minuspunkt bewerten. Angesichts des guten Inhalts zeigt sie sich gleichwohl versucht, den Titel wenigstens bei Facts 2.0 zu ändern – aber das wäre ja nicht korrekt.
Evelina Bühler-Ilieva: “Ich habe in meiner Zeitung in Sofia gelernt, wie wichtig ein Titel ist. Wenn man schon wegen dem Titel einen Minuspunkt gibt, belegt das noch mehr seine Wichtigkeit.” Zudem entscheide oft der Titel darüber, ob man weiter liest oder nicht. Das gilt besonders für Feed-Leser mit hohem Lesedurchsatz. Völlig indiskutabel findet sie es, wenn sich Autoren gegen solche Titel nicht wehren können. Dasselbe gelte für irreführende Leads. Autoren können sich gleichwohl noch per Kommentar äußern, wenn sich Leser angesichts der redaktionellen Eingriffe irritiert zeigen sollten.

