Verlage setzen auf Investitionszirkel

Gestern hatte ich mich über Zitationszirkel beschwert, heute stoßen mir die Investitionszirkel auf: Nur dann in etwas investieren, wenn es bereits Erfolg hat. Anlass ist eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) zum Online-Journalismus. Befragt hat das Institut die Online-Redaktionen in 46 Zeitungshäusern. Auch die finanzielle Lage kommt zur Sprache, denn das Dilemma der Verlage ist offensichtlich: Sie müssen heute mehr ins Netz investieren, als aus dem Netz an sie wieder zurückfließt. Die Werbeeinnahmen reichen in der Regel (Ausnahmen gibt es!) einfach noch nicht aus, um die Inhaltebereitstellung wirklich zu refinanzieren. Und ob die sich jetzt so allmählich umschichtenden Werbebudgets am Ende auch wirklich ausreichen, ist noch nicht ausgemacht, da im Netz nicht nur die traditionellen Medien unterwegs sind.

In der Studie heißt es dazu: “Viele Verlage reagieren und versuchen werberelevante Zielgruppen mit nicht journalistischen Angeboten wie Communities anzusprechen, bei denen die Nutzer selbst und nicht teure Redaktionen für Inhalte sorgen. Für den hochwertigen Journalismus im Netz sind das nicht die besten Bedingungen.” Dann folgt der Investitionszirkelsatz: “Denn Verlage werden nur in ihre Redaktionen investieren, wenn sie mit ihnen dauerhaft Geld verdienen.

Ich habe den Eindruck, dass das aber nicht nur die Redaktionen, sondern auch die Communities betrifft. So muss es ja nicht nur das Qualitätsziel “hochwertiger Journalismus”, sondern auch das Projektziel “funktionierendes und attraktives Community-Angebot” geben. Wird ein solches Angebot nicht ordentlich betreut (was eine Investition voraussetzt), ist und wird es nicht attraktiv. Die in derselben Studie genannten Zahlen scheinen darauf hinzuweisen. So hat fast jede zweite Webpage eine Community. Davon hat aber immerhin jede zweite weniger als 500 Mitglieder. Nur etwa jede zehnte zieht mehr als 10.000 Teilnehmer an.

Dazu habe ich gleich mehrere Beispiele im Kopf, nenne aber hier nur mal eines: Den “Tausendreporter” aus dem Hause Gruner & Jahr, der offensichtlich schnell aufgesetzt, dann aber nicht weiter betreut wurde und im Moment massiv unter Newsspam leidet. Die Idee, zu warten, bis ein Angebot irgendwie Erfolg hat, um dann zu investieren, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Denn Selbstläufer gibt es nicht.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
This entry was posted in Medien and tagged , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.