Was passiert mit den Tauschplattformen?


Vorgestern notierte ich kurz meine Überraschung beim Abruf der Zahlen für Tausch- bzw. User-Generated-Content-Plattformen. Abgefragt hatte ich Alexa-Zahlen für eher kleine Plattformen. Thomas Pleil hat dazu spontan ein paar Überlegungen angestellt. Jetzt versuche ich, die Entwicklungen etwas genauer zu beschreiben, des Aufwands und der Verfügbarkeit halber wegen wieder mit Alexa mit seiner tollen Nutzerschnittstelle (Note: Die mangelnde Zuverlässigkeit im Detail sei mangels Alternativen hingenommen). Demnach sieht die Entwicklung so aus:

Focus Live: Die Pageviews gehen seit einem Jahr leicht zurück, die Reichweite bleibt in etwa stabil. Vergleichbar ist die Entwicklung mit Fotolia. Beide Dienste entwickelten sich Anfang 2007 nahezu synchron, bis Fotolia zur Jahresmitte plötzlich abhob, um seither ebenfalls wieder leichte Rückgänge zu erleben.

Last.fm, iLike und MyVideo.de: Tolles Wachstum in den letzten drei Jahren, Stagnation mit minimaler Abwärtsbewegung in den letzten sechs Monaten.

Sevenload.de und Sevenload.com: Ebenfalls beeindruckendes Wachstum bis zum letzten Quartal 2007, seither geht es leicht abwärts.

Clipfish.de: Rasanter Markteinstieg bis ins erste Quartal 2007, seither ein deutlicher Abwärtstrend mit Stabilisierungstendenzen in den letzten drei Monaten.

Flickr.com: Nach der Übernahme durch Yahoo sprunghaftes Wachstum und bis Anfang 2007 stabil, dann ein leichter Einknick sowie eine klare Erholung. Seit dem letzten Quartal geht es wieder leicht abwärts.

Videoplattform Youtube.com: Stetes, ungebrochenes Wachstum seit Anfang 2006.

Quercheck zu GoogleVideo: Eine sehr unruhige erste Jahreshälfte 2006 gefolgt von stetiger Erholung, seit Anfang 2007 im leichten Abwärtstrend.

Danach habe ich noch einige neuere bzw. eher kleine und unbekannte Plattformen abgefragt: Justaloud.com, Morphex.eu, Viif.de, 2Video.de, Snapmania.com, Piqs.de, Imagekind, Dopcast, Ourmedia, Youme, Allpeers und Bloomstreet, die alle ein niedriges bzw. schwankendes Wachstum auf niedrigem Niveau zeigen.

Klar steigende Nutzerzahlen zeigt allein die hybride Plattform Ning.com, die das Erstellen eigener sozialer Netzwerke samt Tauschmöglichkeiten ermöglicht: Ein schleppender Einstieg im Jahr 2006, seit 2007 geht es aufwärts, seit Ende 2007 sogar ganz steil nach oben. Sharing-Protokolle wie Torrent, Kazaa oder Gnutella lassen keine Auswertung in der Form zu, bleiben also erst einmal außen vor. Hat jemand eine Idee, wie man da einen einigermaßen vernünftigen Einblick erhalten könnte?

Fazit: Allein Youtube und Ning zeigen die Tendenz nach oben. Der Rest zeigt eher gegenteilige Tendenzen. Man könnte also die These aufstellen: Der Sharing-Markt ist bereits in die Konsolidierungsphase eingetreten – mit Gewinner Youtube. Ning deutet die Tendenz an, dass Menschen nun ihre eigene Tauschplattfom samt Netzwerk bauen wollen. Das Tauschen ist also durchaus noch Bestandteil, aber die Art der sozialen Organisation, um das Tauschen zu ermöglichen, spielt eine wesentliche Rolle bzw. ist ein wichtiger Akzeptanzfaktor.

Disclaimer: Prof. Dr. Thomas Pleil ist der (Schreibtisch-)Kollege von Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer, der das KoopTech-Projekt federführend betreut.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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One Response to Was passiert mit den Tauschplattformen?

  1. Gretus says:

    Hallo,

    bei der Quellensuche für einen Bericht über Youtube bin ich über Deinen Beitrag gestoßen. Youtube wird sich früher oder später durchsetzen, bereits jetzt werden alle 5 Minuten 12 Stunden Videomaterial hochgeladen, der Bannerplatz auf der Startseite kostet 200.000 Dollar/Tag. Trotzdem schreibt Youtube noch rote Zahlen, die Aufrechterhaltung ist einfach zu teuer…

    Grüße

    Gretus