Yahoo Pipes – toll, aber (teilweise) knifflig
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 14.Februar 2008 • Kategorie: Anwendungen1,083 views • Kein Kommentar
Gestern testete ich Yahoo Pipes. Die Idee dahinter ist, verschiedene Datenquellen, vornehmlich RSS-Feeds, miteinander zu kombinieren und mit verschiedenen Methoden so zu bearbeiten, dass am Ende ein nützliches Ergebnis wiederum als aggregierter Feed herauskommt. Es ist ganz klar der Gedanke der Suchmaschine: Aus beliebig vielen Quellen über Suchanfragen das finden, was man sucht. Das Schöne ist: Das Ergebnis wiederum ist ein RSS-Feed, den man sich abonnieren kann. Statt also ständig komplizierte Abfragen zu einem Thema vorzunehmen, kann man sich ständig über ein Gebiet informieren.
Weil das Konzept ideal für News-Monitoring ist, habe ich mir für mein Szenario “Redaktion” überlegt, ob es in die tägliche redaktionelle Arbeit integrierbar ist.
Fazit: Sieht auf den ersten Eindruck einfach aus, ist in der Sache aber knifflig und daher für den täglichen Einsatz (!) nur für Leute geeignet, die mit dem Thema “Information Retrieval” vertraut sind. Oder anders ausgedrückt: Journalisten können das im Prinzip schon, aber es eignet sich eigentlich nur für diejenigen, zu deren Job es gehört, täglich die Nachrichtenströme zu sortieren. So gibt es etwa
- eine Pipe, die weltweit geovertaggte Reuters-News nach Orten anzeigt,
- eine, die Yahoo News und Google News miteinander kombiniert,
- eine, die Youtube-Tags in RSS umwandelt,
- eine, die eine Vielzahl von Newsquellen miteinander kombiniert und mit Suchbegriffen durchsuchen lässt,
- eine, die News-Alerts aus einer Vielzahl von Quellen wie Google News, Technorati, del.icio.us, oder Flickr erstellt,
- eine, die passende Youtube-Videos zur eigenen Nachrichten-Agenda sucht, in diesem Fall für die New York Times,
- eine, die zum Thema “IT-Sicherheit” News, Blogs und Mailinglisten aggregiert,
- eine, die zu News die passenden Flickr-Bilder sucht.
All diese öffentlich verfügbaren Pipes kann man “klonen” und für seine eigenen Zwecke anpassen.
Yahoo bewirbt sein Tool mit relativ trivialen Anwendungen, etwa dem Anzeigen von Fotos in der Nähe bestimmter Weingüter oder Preisabfragen bei eBay. Yahoo Pipes bietet jedoch mächtige Tools, sodass es auch für den professionellen Einsatz geeignet ist, etwa für
- Kommunikationsberater, die Medienresonanzanalysen für Unternehmen und Organisationen erstellen,
- Organisationen, auf deren Agenda “Open Source Intelligence” steht. Dazu gehören nicht nur Nicht-Regierungs-Organisationen, Unternehmen, sondern auch Nachrichtendienste aller Art.
Und nun noch ein paar weitere, nützliche Beispiele:
- Mit Pipes lassen sich RSS-Feeds für Websites herstellen, die bislang selbst keinen RSS-Feed anbieten (ähnliche Pipe).
- Wer immer noch etliche Statistiken und Dienste abfrägt, um die Resonanz auf sein Blog zu prüfen, ist mit der Pipe “Medienresonanzanzeige für Techcrunch” bestens bedient. Sie ist auch leicht zu modifizieren. Ähnlich ist auch die Pipe “Online Brand Protection”. Blog-Monitoring bietet auch diese aufwändigst zusammengestellte Pipe, die sogar Duplikate ausmerzt.
- Ein Hack des Flickr-RSS-User-Photostreams – statt der üblichen 20 zeigt er jetzt 500 Bilder an.
- Ein Überblick, wo weltweit im Rahmen einer NGO-Kampagne etwas stattfindet. In diesem Fall ist es eine Weltkarte, die anzeigt, wo Menschen auf die Gewährung eines Mikrokredits warten.
- Ein Newsticker für aktuelle Benzinpreise an Tankstellen.
- Einen Podcast-Dienst aus MP3-Links erstellen.
Aus meiner Sicht hat Yahoo Pipes im Moment nur einen Nachteil: Die über die Pipes erstellten Feeds funktionieren nicht ordentlich, wenn man sie in den RSS-Reader einbinden will. Man kann sie einfach über die eigene Website verlinken, aber das abonnieren klappt nicht. Der Feed zeigt dann nämlich merkwürdigerweise einfach die gelisteten Quellen, aber nicht das eigentliche, gefilterte Ergebnis. Deswegen kann man ihn auch nicht einfach ins Intranet reinlaufen lassen und weiterbearbeiten. Vielleicht ist das aber nur ein Bug, der bald behoben wird.
Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
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