8 Argumente gegen den Einsatz von Wikis in Unternehmen

Heute habe ich von einem Verfechter des semantischen Netzes ein paar Gegenargumente für den Einsatz von Wikis in Unternehmen gehört:

  1. Die krude Wiki-Syntax ist oftmals ein Akzeptanzproblem.
  2. Kategorien und Hierarchien lassen sich zwar aufbauen, doch eine entsprechende Navigation kann nur über einen Eingriff im Backend eingerichtet werden.
  3. Die Kategorisierung spielt bei den Suchergebnissen keine Rolle bzw. sorgt nicht für eine Priorisierung von Suchergebnissen.
  4. Suchergebnisse zeigen nicht an, welche Unterthemen es zu einem Oberthema gibt oder ob es in einer anderen Sprache einen Artikel zum gesuchten Thema gibt. Die Semantik drückt sich nicht in Wiki-Strukturen aus. Ab einer gewissen Textmenge ist das nicht mehr praktikabel.
  5. Die Suche erstreckt sich nur auf Wiki-Inhalte, andere Quellen können damit nicht erschlossen werden.
  6. Das Rechtemanagement für ein Wiki muss mühsam eingerichtet werden, insbesondere wenn ein nach Personen und Gruppen differenzierter Zugang für verschiedene Bereiche eingerichtet werden soll.
  7. Nach etwa ein, zwei Jahren kann es für Unternehmen problematisch werden, wenn die entsprechende Pflege fehlt.
  8. Wikis eignen sich für Projekte. Über die Jahre werden jedoch immer mehr Wikis eingerichtet, der Überblick geht verloren – man weiß nicht mehr, in welchem Wiki man suchen muss.

Kennen Sie noch weitere Argumente?

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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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25 Responses to 8 Argumente gegen den Einsatz von Wikis in Unternehmen

  1. Schön, dass sich mal wer die Mühe macht eine Liste mit Gegenargumenten zu veröffentlichen. So etwas ist wichtig wenn in einem Unternehmen ein Entscheidung getroffen werden soll – da braucht man pros und cons.

    Wobei ich persönlich sehr gute Erfahrungen mit internen Wikis gemacht habe. Z.B. in einem Unternehmen in dem sämtliche andere Ansätze (Intranet, andere Softwarelösungen usw) schlicht und einfach nicht wirklich funktioniert haben. Da kam dann “von unten” der Vorschlag einfach mal ein Wiki anzubieten und siehe da: rege Nutzung, grosser Mehrwert.

    Die Argumente zum Thema “Suche” und Struktur sind nur primär richtig. Ab einer gewissen Grösse sollte man nämlich generell über Crawler Software nachdenken, die dann integriert werden kann ohne grossen Aufwand.

    Punkt 6 ist m.E. der problematischste. Wer hier besondere Ansprüche hat wird mit einem Wiki nicht sehr glücklich.

    Weiterhin ist es richtig, dass Struktur, Hierarchie und Navigation ohne regelmässige Pflege vor die Hunde gehen (Punkt 7). Aber welches System kommt schon ohne jegliche Pflege aus? Will man ein Wiki effizient einsetzen kommt man nicht drumrum einem oder mehreren Mitarbeitern den “Pflegetask” zu übertragen.

    Punkt 8 erschliesst sich mir nicht. Schliesslich kann ein Wiki von vorne herein mehrere Projekte abdecken, oder habe ich da einen Denkfehler grade? So war’s zumindest bisher in den Unternehmen mit Wikinutzung die ich kenne…

  2. Christiane says:

    Nun ja, wegen dem etwas diffizilen Rechtemanagement richten Abteilungen dann lieber gleich ihr eigenes Wiki ein. Bei IBM sind so binnen weniger Jahre rund 10.000 eigenständige Wikis entstanden.

    Ich muss noch etwas hinzufügen, was mir zu IBM einfällt. Der oberste Wissensmanager Peter Schütt erzählte mir etwas davon, dass es sehr unglücklich sei, ein Wiki fürs Dokumentenmanagement zu gebrauchen. Also hier noch ein weiteres Gegenargument:

    9. Wikis eignen sich absolut nicht fürs Dokumentenmanagement, werden aber nichtsdestotrotz mancherorts dafür verwendet. Das führt zu Auffindbarkeitsproblemen, wenn herkömmliche Systeme, die dafür eigentlich eingerichtet wurden und sich besser für das Verwalten von Dokumentversionen eignen, ignoriert werden.

    Morgen kommt eine Liste mit Pro-Argumenten. Hierbei darf ich verraten, dass die Kritikpunkte, die aus dem semantischen Lager kommen, nahezu alle widerlegt werden können, wenn man das Wiki im Kontext weiterer Anwendungen betrachtet. So gibt es bspw. die Möglichkeit, mehrere Wikis über ein semantisches Netz zu verknpüpfen und durchsuchbar zu machen. Ein Crawler hier ist nur bedingt eine Alternative, da die Ergebnisse möglichst reduziert werden müssen und wie gesagt ja auch relevante weitere Themen gefunden werden müssen.

  3. Da bin ich schon gespannt auf den morgigen Artikel, Christiane!

  4. Thomas Pleil says:

    Du nennst eigentlich nur technisch/organisatorische Aspekte, von denen ich einige – je nach Wiki-Engine – nicht mehr als Problem sehe. Dagegen fehlen mir die sozialen/unternehmenskulturellen Argumente.

  5. ami says:

    das sind schon die gängigen argumente, denke ich. es gibt noch ein paar mehr unwissenheiten, z.b. haben manche, leute mit denen ich mich unterhalten habe generell ein problem damit, dass jeder alles lesen bzw. editieren kann. aber das steckt ja schon in punkt 6 mit dem rechtemanagement.
    der wesentliche nachteil wie wir ihn kennen gelernt haben (unser intranet = wiki) ist punkt 7 mit der aktualität und dem umgang mit veralteten informationen.

    übrigens gibt es mittlerweile auch “erwachsene” wiki-systeme , die die o.g. punkte entkräften. unseres, was wir seit dem umstieg von media wiki nutzen, hat einen brauchbaren wysiwyg editor, kann sowohl mit rechten als auch mit tags, kategorien, mehreren wikis unter einem dach umgehen und beinhaltet eine fähige suche.

  6. Christiane says:

    Thomas, die wurden im Gespräch interessanterweise nicht thematisiert. Aber mir fällt dazu folgendes ein:

    10. In streng hierarchisch organisierten Unternehmen, Behörden usw. könnten die Untergebenen zögern, einen Text ihres Chefs zu korrigeren und zu erweitern. Hier spielt die Einführungsphase ein wichtige Rolle: Wird das Wiki nicht ausdrücklich vom Management unterstützt und gewünscht, wird es schwierig. Ich kenne nun den Fall einer traditionell hierarchisch strukturierten Organisation, die jetzt eben damit anfängt, damit zu experimentieren. Erfahrungswerte liegen noch keine vor. Kennt jemand Beispiele für hierarchisch organisierte Unternehmen, die es mit Wikis geschafft haben? Ich kenne nur funktionierende Beispiele aus Unternehmen, in denen auch die Unternehmenskultur einen bewusst offenen Umgang mit Informationen gefördert hat.

    11. Das Management ist im Fall unternehmensweiter Wikis nicht bereit, eine geschlossene, möglicherweise mehrmonatige Anfangsphase zu unterstützen, in denen Inhalte aufgebaut werden. Dies kann dazu führen, dass das Wiki von den Mitarbeitern nicht wirklich akzeptiert wird. Positivbeispiel: Fraport AG. Hier wurden in zwei bis drei Monaten Vorlaufzeit 530 Artikel erarbeitet – die Akzeptanz war nach der Freischaltung sofort gegeben.

    12. Fehlende Vorbildfunktion des Chefs. Wenn der Chef nicht wirklich selbst aktiv macht, könnte es zu Motivationsproblemen führen.

    Fallen Dir weitere Punkte ein?

  7. Christiane says:

    @ami: Genau, WYSIWYG ist ja bereits optionaler Bestandteil einiger Systeme, einige enthalten auch Tabellenfunktionen. Zur Suche: Priorisiert sie Kategorien?
    Wie löst ihr bei Euch Punkt 7?

  8. Thomas Pleil says:

    Für mich ist eine der entscheidenden Frage die der Motivation, Wissen zu teilen. Ein anderes Problem: Wenn es niemanden gibt, der ein Wiki als sein Baby sieht und bereit ist, vorzustrukturieren, eine inhaltliche Grundlage zu schaffen und andere zu motivieren, wird’s auch schwer. Zumindest in der Startphase.

    Grundlage für die beiden Punkte sind Erfahrungen mit Wikis in der Lehre und Gespräche, die ich mit Unternehmensvertretern hatte. Zum Thema Lehre vielleicht interessant: http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/F2_2007_Bueffel_Pleil_Schmalz.pdf

  9. ami says:

    zum thema veraltete inhalte: es gibt die möglichkeit, die seiteninhalte zu klassifizieren oder auf “veraltet” zu setzen (dafür hat einer unserer ITler ein entsprechendes plugin geschrieben).

    und die suche priorisiert kategorien, “eigene” wikis (also wenn man in einem wiki sucht, werden suchergebnisse in diesem wiki priorisiert) und sie zeigt z.b. auch anhänge.

    was ich damit sagen wollte: viele der argumente sind bezogen auf die technische entwicklung und damit kurzfristig. (aber ich warte auch auf die “pro-liste” ;) )

    zur ergänzung 10-12: ich finde, bei argument 11 und 12 wird es ein wenig “generisch”. klar, der chef muss mitmachen, man muss leute motivieren und möglichst viele involvieren – aber das gilt doch auch fürs gesamte intranet oder die interne hauszeitung. punkt 10 finde ich sehr interessant, ich denke in der offenheit liegen die meisten hürden. es gab beispielsweise auch bei uns das vorurteil, dass leute die viel im wiki tun oder im (internen/externen) blog kommentieren “sonst nichts besseres zu tun haben”. (oops, ich muss weg ;) )

  10. Pingback: 8 Argumente fr den Einsatz von Wikis in Unternehmen | Johannes Moskaliuk

  11. … Trotzdem kann ich es mir nicht nehmen lassen, auf die 8 Gegenargumente mit 8 Proargumenten zu antworten, nur um so zeigen, dass es keine Ideal gibt, aber meistens Lösungmöglichkeiten. Ich gehe dabei jeweils auf funktionale Lösungsmöglichkeiten ein (die also bei der Technik ansetzen), und psychosozialen Lösungsmöglichkeiten (die die Organisationskultur und die Arbeits- und Verhaltensweisen der Nutzer addressieren). …

  12. Christiane says:

    Großartig! Ich arbeite auch gerade an den Gegenargumenten … Beitrag folgt hoffentlich in Bälde.

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  16. Aus meinen Erfahrungen:

    Wikis funktionieren nur in Organisationen, in denen es auch eine entsprechende Kommunikationskultur gibt, die Verbesserungen und Korrekturen zulässt. Ich glaube, da hat man bei der IBM gerade bei den deutschen Kollegen eine große Zurückhaltung erlebt.

    Wikis funktionieren nur dann, wenn klar ist, welche Informationen und welche Informationsverarbeitungsprozesse ins Wiki gehören. Wikis funktionieren nicht, wenn die gleichen Informationen in verschiedenen Systemen eingegeben werden müssen.

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  19. dolce says:

    Vllt. sollte man sich mal die Mühe machen und sich eine Wiki Matrix aus gängigen Open Source und Kommerz. Produkten zusammenstellen. Dann würde man merken, dass die Gegenargumente evtl. bei MediaWiki eine gewisse Berechtigung haben aber bei guter Software wie zum Beispiel confluence von atlassian die o.g. Punkte sehr gut weitergedacht wurden. Dem Wiki Konzept hat das nicht geschadet!

  20. Christiane says:

    Sicherlich, die Business-Varianten der Wikis lösen bereits viele Probleme.

  21. Pingback: Wikis in Unternehmen und bei Spreadshirt at Der deutsche Spreadshirt-Blog

  22. Jens says:

    Sicherlich, die Business-Varianten der Wikis lösen bereits viele Probleme.

    Welche Business-Varianten gibt es denn da so? Ich kenne persönlich nur MediaWiki, MoinWiki und inzwischen DominoWiki (für Notes). Ob das jedoch Business-Varianten sind?

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