Die Macht der Feedbackschleife über den Schreiber – und wie man ihr entkommt

Mark Glaser, seines Zeichens Journalist und Blogger für PBS, hat einen wunderbaren Artikel darüber geschrieben, warum manche Blogger einfach nicht vom Schreiben lassen können und so oftmals über ihre Kräfte wirtschaften: Es ist, in meinen Worten, die große Feedbackschleife, oder in Worten meines Kollegen Lorenz Lorenz-Meyer, der eben diese gerade vermisst, der Resonanzraum. Oder in Marks Worten: “If you’re a blogger who writes with any regularity, there’s the sense that if you’re not publishing you are letting down your readers.”

Und es sind nicht nur, wie des öfteren diskutiert, die Leser mit den gemeinen Kommentaren, sondern die Leser mit den wunderbaren Kommentaren, die den höchsten Druck ausüben:

Every post that is well received by readers creates a self-imposed quality level that is often hard to live up to. Many of us think we have to be the first to write about something, the first to dig deeper into a topic or the first to respond to something huge that’s happened in the world. And many of us do on a daily basis.

Dieses Problem kenne ich aus eigener journalistischer Erfahrung. Jede Menge unterstützender Kommentare – man fühlt sich verpflichtet, immer härter zu recherchieren und schärfer zu formulieren und die immer besseren Geschichten an Land zu ziehen. Das geht aber nicht kontinuierlich – zum einen, weil nicht ständig Scoops auf der Straße liegen. Zum anderen, weil man selbst angesichts steigender Erwartungen Rückzugsräume, Erholungsräume braucht. Aber auch aus ökonomischen Gründen: Warum immer auf hohem Niveau schreiben, wenn Kollegen, die Durchschnittsware abliefern, mehr oder weniger dasselbe Honorar erhalten?

Ich bin für mich zu ähnlichen Schlüssen gekommen wie Mark Glaser:

  1. Regelmäßig das Haus verlassen – während der Arbeitszeit.
  2. Mit Leuten Kontakt halten, die mit der Online-Welt gar nichts zu tun haben und die bestenfalls gar nicht verstehen (wollen), was man da so macht.
  3. Immer wieder bewusst offline sein. Dazu gehört, auch Offline-Quellen wie Bücher wahrzunehmen. Nicht twittern.

Und in diesem Sinne gibt es heute auch ein neues Logo-Foto für KoopTech: Sakura am Rhein!

P.S. Anlass für Mark Glasers Artikel war übrigens ein Artikel in der New York Times:
In Web World of 24/7 Stress, Writers Blog Till They Drop

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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