E-Learning und “Wissensmanagement”: Einige Beobachtungen
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 16.April 2008 • Kategorie: Lernen, Wissensmanagement1,053 views • Kein Kommentar
Wissensmanagement hatte in der Vergangenheit etwas mit dem Versuch zu tun, unstrukturiertes Wissen zu archivieren und strukturiert bereit zu stellen. Entsprechende Dokumentenverwaltungssysteme oder Expertensysteme wurden mühsam aufgebaut, immer wieder wurde betont, man müsse Mitarbeiter zur Mitwirkung motivieren. Nahezu nebenbei begannen diese Mitarbeiter aber allgemein verfügbare, leichtere Tools zu verwenden, die ihre Arbeit quasi “nebenher” unterstützen und die inzwischen gleichermaßen für das so genannte “Wissensmanagement” und E-Learning eingesetzt werden.
Social-Bookmarking-Tools etwa verwendet man “nebenher”. Man muss sich dafür keine besonderen Arbeitsroutinen überlegen. Es ist Bestandteil der Arbeitsroutine. Insofern sind jetzt neuere Ansätze, v.a. in Projektskizzen, zu beobachten, die versuchen, das Lernen und die Dokumentation von Wissen direkt in die Arbeitsprozesse zu integrieren.
Mitarbeiter wenden sich gerne Wissensträgern zu – am besten per
Flurfunk. Heute passiert das über Instant Messaging, teilweise auch
über Twitter. Entsprechend nötig sind Anwendungen, die das Suchen und Finden wissender Mitarbeiter etwa über Tagging/Schlagwörter erleichtern, die Awareness unterstützen (Wie und über wen ist die/derjenige ansprechbar? Ist die/derjenige online?).
Ein Unternehmen sollte deshalb Infrastrukturen bereit stellen, die eine modulare Handhabe unterstützen. Es sollte nicht die Entscheidung der IT-Abteilung sein, ob ein Mitarbeiter ein Wiki einrichten, ein Blog führen oder Social Bookmarking-Tool verwenden darf, welche E-Mail-Volumen er empfangen oder Instant Messaging oder Twitter nutzen darf. Aufgabe der IT-Abteilung sollte es sein, eine sichere, nachhaltige Umgebung zu schaffen, innerhalb derer ein Mitarbeiter sich für das eine und gegen das andere selbst entscheiden darf. Sie sollte Bescheid wissen und den Austausch, die Vernetzung der Anwender untereinander unterstützen, nicht jedoch dirigieren und einschränken.
Auch für das E-Learning bereit gestellte Materialien sollten dem Modulprinzip folgen, sie sollten veränderbar, erweiterbar und verbreitbar sein. Autoren solcher Materialien sollten selbst über die Verbreitungsmodi verfügen können.
Das in Unternehmen produzierte Wissen sollte eine differenzierte Verbreitung finden können. Möglich ist dies über eine Veröffentlichtungsplattform, die Mitarbeitern es erlaubt, nur intern, nur für Kunden/Partner bzw. auch für extern zu veröffentlichen. Voraussetzung hierfür ist eine Unternehmenskultur, die den Mitarbeitern weitgehend Vertrauen und Freiheit gewährt.
Medienkompetenz ist die Voraussetzung, um solche Dienste “on the fly” anwenden zu können. Hierbei ist innerhalb des Unternehmens die unterschiedliche Medienhandhabung der verschiedenen Generationen zu berücksichtigen. Junge Mitarbeiter erwarten leichtgängie Tools wie Instant Messaging und Social Networking, ältere Mitarbeiter den kollaborativen Zugriff auf Dokumente.
Weiteres Material:
- Re:publica-Vortrag von Peter Schütt, IBM
- McAfee, Andrew P. (2006): Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent
Collaboration. Reprint 47306; Spring 2006, Vol. 47, No. 3, S. 21-28 - McKinsey: Competitive Advantage from Better Interactions (2006)
- Reinhard Zürcher: Informelles Lernen und der Erwerb von Kompetenzen. Theoretische, didaktische und politische Aspekte (PDF)
- Dirk Röhrborn: Vortrag “Persönliches Wissensmanagement”
- Helge Fischer: 10 Thesen zur Zukunft des E-Learning
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Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
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