Studien bewerten Vernetzung für Innovationsfähigkeit von Unternehmen

In einem Cebit-Statement betont Fraunhofer-Chef Hans-Jörg Bullinger den Wert der Vernetzung für erfolgreiche Kooperationen und verweist in einer Pressemitteilung auf zwei aktuelle Studien. Obwohl sich die Studien nicht mit Web-2.0-Technologien beschäftigen, sind sie allein aufgrund ihrer Thematik auch relevant für uns: Sie belegen nämlich, dass je besser ein Unternehmen vernetzt ist, desto schneller und erfolgreicher kann es Innovationen umsetzen und sich auf dem Markt behaupten.

Fraunhofer-Studie zur “Steigerung der Innovationsfähigkeit”

Die Fraunhofer-Studie InnoKMU über die Innovationsfähigkeit produzierender deutscher Unternehmen wurde im Jahr 2007 von den Fraunhofer-Instituten für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und für System- und Innovationsforschung ISI durchgeführt und vom BMBF gefördert. Sie identifizierte 9 Gestaltungsfelder (PDF) für Innovation:

  1. Innovationskultur
  2. Strategie
  3. Kompetenz und Wissen
  4. Technologie
  5. Produkt und Dienstleistung
  6. Prozess
  7. Projektmanagement
  8. Struktur und Netzwerk
  9. Markt

151 innovative Unternehmen des produzierenden Gewerbes in Deutschland wurden zum Thema »Steigerung der Innovationsfähigkeit« befragt. Das Ziel der Studie bestand darin, die wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine hohe Innovationsfähigkeit zu identifizieren und zu erheben, wie stark sie im produzierenden Gewerbe ausgeprägt ist. Zu den wichtigsten 28 Erfolgsfaktoren zur Steigerung der Innovationsfähigkeit hat die Studie zu Synergien, Vernetzung und Zusammenarbeit folgendes ergeben:

  • 80 Prozent der innovativen produzierenden Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMUs) mit weniger als 500 Mitarbeitern erzielen ihre hohe Innovationskraft unter anderem, indem sie Kunden in den Innovationsprozess einbinden.
  • 80 Prozent der innovativen deutschen produzierenden Unternehmen – kleine, mittlere und große – verfügen über »gute Geschäftspartner«, die den besonderen Anforderungen von Innovationsprojekten genügen – etwa einem hohen Neuigkeitsgrad, hoher Variabilität oder hoher Änderungsrate.
  • Die innovativen produzierenden Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Deutschland pflegen zu 95 Prozent zahlreiche »Kontakte zu Netzwerken« wie Verbänden, Hochschulen und Gremien.
  • Bei den produzierenden Klein- und Mittelständischen Unternehmen sind dies nur 85 Prozent. Meist verfügen sie nicht über ausreichend viele Ressourcen, um eine größere Anzahl von Kontakten aufrecht zu erhalten.
  • Alle befragten Unternehmen, kleine, mittlere und große, bestätigen eine sehr hohe Relevanz dieses Faktors für die Innovationsfähigkeit.

EU-Studie “IMP³rove Benchmarking”

Die Europäische Benchmarkstudie “IMP³rove Benchmarking” wurde auf Initiative der Europäischen Kommission von einem europäischen Konsortium unter Leitung der Fraunhofer-Gesellschaft und der Managementberatung A.T. Kearney durchgeführt. IMP³rove verfügt über die größte Benchmarking-Datenbank im Bereich Innovationsmanagement in KMUs mit mehr als 1600 Unternehmen. Vorläufige Ergebnisse:

  1. Enge Vernetzung führt zu höheren Wachstumsraten:
    Die Wachstumschampions unter den KMUs in Europa setzen auf eine enge Einbindung von Netzwerkpartnern im Innovationsmanagement. Mehr als 70 Prozent der Wachstumschampions – die am schnellsten und profitabelsten wachsenden Unternehmen – binden Partner über den gesamten Innovationsprozess hinweg eng ein. Stark vernetzte Unternehmen erzielen Umsatzwachstumsraten von 7,1 Prozent, wenig vernetze dagegen nur 3,2 Prozent. Stark vernetzte Unternehmen generieren mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes aus Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die jünger als drei Jahre sind. Zum Vergleich: Bei den wenig vernetzten Unternehmen sind es nur zirka 10 Prozent.
  2. Das richtige Maß an Offenheit sichert den Erfolg
    Offenheit ist wesentlich für nachhaltiges Wachstum durch Innovationsmanagement. Wachstumschampions unter den europäischen KMUs binden externe Quellen wie indirekte und direkte Kunden, Universitäten und besonders »strategische Partner« stärker in den Innovationsprozess ein als der Durchschnitt. Zirka 55 Prozent dieser Unternehmen setzten auf eine relativ breite »Ideenbasis« und ziehen mehr als vier externe Quellen heran. Üblicherweise liegt dieser Schnitt bei zirka 30 Prozent. Eine breitere Einbindung von externen Quellen erhöht den »Wert« des Ideenpools. Offene Unternehmen initiieren im Durchschnitt mehr Innovationsprojekte – mehr als 0,32 Projekte pro Mitarbeiter – als weniger offene Unternehmen, mit weniger als 0,2 Projekten pro Mitarbeiter. Dieses Erfolgsrezept stößt an einem bestimmten Punkt jedoch an seine Grenzen: Beziehen Unternehmen zu viele externe Quellen ein, erhöht sich die Komplexität, ohne den Unternehmenserfolg weiter zu steigern. Auf die Qualität und die Intensität der Zusammenarbeit kommt es an.
  3. Vernetzung erfordert ein systematisches Innovationsmanagement
    »Stark« vernetzte Unternehmen müssen den gesamten Innovationsprozess gezielt und systematisch managen, um neue Ideen erfolgreich zu entwickeln und nachhaltig einzuführen. Diese Unternehmen leiten daher klare Kriterien aus der Innovationsstrategie ab, um basierend darauf neue Ideen und Konzepte systematisch zu bewerten. Sie setzen auch auf ein systematisches Projektmanagement und definieren in zirka 90 Prozent der Projekte klare Qualitäts-, Budget und Zeitzielwerte. Wenig vernetzte Unternehmen hingegen definieren Projektziele in nur etwa 30 Prozent aller Fälle.
  4. Vernetzung und Offenheit ist die Voraussetzung für »radikale« Innovationen
    Für »radikale« Innovationen sind Partnerschaften wesentlich, um risikoreichere Durchbruchs-Innovationen zu initiieren und umzusetzen. 70 Prozent der Unternehmen, die »radikale« Innovationen zum Ziel haben, binden Partner über den gesamten Innovationsprozess hinweg intensiv ein. 60 Prozent der »radikalen« Innovatoren haben einen offenen Innovationsansatz gewählt und nutzen eine breite Basis von externen Ideenquellen, um den »Ideenpool« zu füllen – im Vergleich zu 25 Prozent bei den »inkrementellen« Innovatoren.


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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2 Responses to Studien bewerten Vernetzung für Innovationsfähigkeit von Unternehmen

  1. Danke!! Coole Zusammenfassung.

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