Über sich verändernde Diskussionsräume

Ich bin seit etwa 13 Jahren aktiv im Internet. Seit etwa ein, zwei Jahren fällt es mir richtig auf: All die Mailinglisten, die früher so aktiv waren, wie etwa die FITUG-Mailingliste, die NMN-Liste von Markus Beckedahl, die Politech-Liste von Declan McCullagh, schlafen nach und nach ein. Die aktivste Liste, die ich noch beziehe, ist interessanterweise die Journalisten-Liste des Jonet. Betroffen vom Wandel sind auch Kampagnen-Mailinglisten. So waren und sind die Mailinglisten etwa für den AK Vorrat immer noch ein wichtiges Koordinierungsinstrument, doch NGOs wie Greenpeace verlagern jetzt die Diskussionen in webbasierte interne Netzwerke.

Diskussionen finden heute zunehmend im World Wide Web statt, das als Plattform nun nicht nur das Usenet, sondern auch die E-Mail zu schlucken droht. Noch sind es die Blogs und die dazu gehörenden RSS-Reader, die Diskussionräume schaffen. Doch die Diskussionen verlagern sich von den Blogs weg zunehmend in Twitterstreams oder Aggregationsdiensten wie CoComment und Friendfeed, wie jetzt auch Matthias Schwenk nach Robert Scoble feststellte.

Vielleicht steht diese Entwicklung hinter den Technorati-Linkverlusten, die vor allem Alpha-Blogger beklagen? Und vielleicht läutet sie das Entstehen ganz neuer Diskussionsräume bzw. Teilöffentlichkeiten ein. Und vielleicht verdeutlicht dies nochmal, dass es etwa für Print-Medien nicht mehr genügt, einfach nur Online-Inhalte zu präsentieren. Sie müssen auch darüber nachdenken, wie sie überhaupt die dialogisch-diskursiven Elemente des Netzes adäquat und geschickt aufgreifen können. An Aggregationsdiensten scheint kein Weg mehr vorbei zu gehen.

Feature-Bild: Flickr/Jeff Milner

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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