Kleiner Exkurs über Rechenmaschinen im Matheunterricht

Ob und wie technische Hilfsmittel im Unterricht eingesetzt werden dürfen, ist im Mathematikunterricht seit jeher ein Thema.[i] In den 1950er Jahren wurde der Einsatz der „Curta“, einer kleinen Rechenmaschine im Unterricht getestet, doch trotz diverser Anstrengungen konnte er sich nicht durchsetzen.

Finanzierungsfragen spielten letztlich eine entscheidende Rolle: Eine Curta kostete in den 1950er und 1960er Jahren rund 450 Mark. Deshalb wurde auf einer Tagung 1961 festgestellt: „Es erscheint im Augenblick noch unmöglich, dass etwa jeder Schüler eine Rechenmaschine besitzen könnte. Immerhin wäre es in 20 Jahren denkbar, wenn die Preise für diese feinmechanischen Geräte infolge einer Massenproduktion auf den Preis guter Armbanduhren, wie sie heute jeder Schüler trägt, gesunken wären. Für die Schule müsste es sich jetzt darum handeln, sich einen Satz von 30 bis 40 Maschinen zuzulegen.“

Das dominante Rechenhilfsmittel blieb bis Anfang der 1970er Jahre der Rechenschieber. Doch binnen fünf Jahren setzte sich der Taschenrechner als Hilfsmittel im Unterricht durch.[ii] Heute hat sich der Taschenrechner in allen Curricula durchgesetzt – wenngleich es bis heute keinen einheitlichen Rahmen für die Nutzung von Rechnern aller Art im Mathematikunterricht gibt. So lassen manche Bundesländer noch immer keine programmierbaren Taschenrechner in Prüfungen zu. Während beispielsweise in Baden-Württemberg alle rechnergestützten Hilfsmittel, also einfacher und grafikfähiger Taschenrechner sowie Taschencomputer zugelassen sind, ist in Bayern der grafikfähige Taschenrechner nur an Realschulen in Prüfungen zugelassen. In Bremen, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen hingegen ist der Taschencomputer größtenteils sogar uneingeschränkt in Prüfungen zugelassen. Während der Einsatz des Taschenrechners in Bayern an keiner Schulform verpflichtend ist, ist in Baden-Württemberg etwa sogar der Einsatz eines grafikfähigen Taschenrechners ab Klasse 7 (G8) bereits verpflichtend geregelt.[iii]

Das Notebook wird seit Ende der 1990er Jahre bundesweit vereinzelt im Mathematikunterricht eingesetzt. Stellt sich im Mathematikunterricht die Alternative, mit einem Taschencomputer oder mit einem PC mit Computeralgebrasystemen (CAS) zu lernen, so gilt der PC mit CAS unter Mathematiklehrern in Berlin als „deutlich attraktivere Variante.“[iv] Auch in Rheinland-Pfalz werden grafikfähige Taschenrechner und Taschencomputer mit CAS eher selten eingesetzt, da die Vorteile der Darstellungsqualität am PC geschätzt werden.[v] Das Notebook gilt zudem als bessere Alternative, da es nicht nur im Mathematikunterricht eingesetzt werden kann,[vi] sondern auch erweiterte Kommunikationsmöglichkeiten erlaubt. So etwa den bereits erwähnten Austausch über E-Mail, die Internetrecherche oder die Verwendung zentraler Lernplattformen. Allerdings müssen sich auch hier, ähnlich wie bei der Curta, die Schulen mit anspruchsvollen Finanzierungsmodellen auseinandersetzen. Aber vielleicht könnte das für die Entwicklungsländer entworfene Notebook für 100 Dollar daran etwas ändern.

Disclaimer: Exzerpt aus einem unveröffentlichen Manuskript zu “Notebooks im Unterricht”, das ich gemeinsam mit Heike Härtel 2006 für Schulen ans Netz erarbeitet habe. Mit Genehmigung von Heike Härtel.

Titelbild: flickr/RobotSkirts


[ii] Ebd.: Mitte der 60er Jahre bewarb die Zeitschrift “Schule” ein Rechenmaschinen-Modell “Minimath” zum Preis von 19,80 DM. Die kleine Rechenmaschine arbeitete mit Staffelwalzen – und der Werbeslogan des Herstellers warb mit dem pädagogisch-didaktischen Mehrwert: “Lassen Sie Ihre Kinder mit einer Maschine rechnen! Und zwar mit einer Maschine, mit der man das Rechnen nicht verlernt, sondern erlernt.”

[iii]Michael Fothe (Hrsg.), Mathematikunterricht und Computer – Bestandsaufnahme und Ausblick, Bericht von der Tagung am 24./25. September 2004, Jenaer Schriften zur Mathematik und Informatik, Friedrich-Schiller-Universität Jena

[iv] Michael Fothe (Hrsg.), Mathematikunterricht und Computer – Bestandsaufnahme und Ausblick, Bericht von der Tagung am 24./25. September 2004, Jenaer Schriften zur Mathematik und Informatik, Friedrich-Schiller-Universität Jena, S. 19

[v] Michael Fothe (Hrsg.), Mathematikunterricht und Computer – Bestandsaufnahme und Ausblick, Bericht von der Tagung am 24./25. September 2004, Jenaer Schriften zur Mathematik und Informatik, Friedrich-Schiller-Universität Jena, S. 35

[vi] Michael Fothe (Hrsg.), Mathematikunterricht und Computer – Bestandsaufnahme und Ausblick, Bericht von der Tagung am 24./25. September 2004, Jenaer Schriften zur Mathematik und Informatik, Friedrich-Schiller-Universität Jena, S. 34

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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2 Responses to Kleiner Exkurs über Rechenmaschinen im Matheunterricht

  1. dombart says:

    Lustig!

    Während meiner Zeit in der Oberstufe des Gymnasiums wurden gerade die damalig erhältlichen Taschenrechner als Hilfsmittel zugelassen. Das waren die Teile, die vier Grundrechenarten und evtl. noch Quadratwurzeln berechnen konnten.

    Als ich dann den HP-67 meines Herrn Vater in die Klausur mitbrachte, wurde mein Mathelehrer mißtrauisch. Irgendwie hatte mein “Taschenrechner” eindeutig viel zu viele Tasten.

    Eigentlich hatte der Lehrer ja auch recht. Da ich sämtliche Aufgabenstellungen des Halbjahres im Voraus programmiert hatte, wäre ich in ca. 5 Minuten mit der Klausur durch gewesen. Schon eine leichte Beeinträchtigung der Chancengleichheit!

    Später – nach dem Abitur – hat er mir übrigens gestanden, daß ihm der Rechner deswegen sofort aufgefallen war, weil er den selbst gerne gehabt hätte ;-) . Das Lehrergehalt reichte damals aber nur für die “Billigversion”, den TI-51.

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