Kooperatives Lernen: Ordnungsprobleme und -lösungen

Kooperatives Lernen geht mit einer mannigfachen Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden einher. Dabei wird Material hin- und hergeschickt, annotiert, verändert, erweitert, verworfen und schließlich abgelegt. Wie lässt sich dabei Ordnung halten? Einige Erfahrungen …

Über Austauschordner im Schulnetz können Lehrer Schülern ausgewähltes Unterrichtsmaterial leicht zugänglich machen und zur häuslichen Wiederholung aufgeben. Auch Referate der Schüler können dort abgelegt werden. Allerdings müssen Lehrer von Anfang an klare Vorgaben für das Abspeichern der Dateien machen. Denn „ohne Vorgabe und Mithilfe des Lehrers sind Jugendliche in dieser Altersstufe bei der Strukturierung der Arbeitsordner zu Schuljahresbeginn überfordert, da sie damit keinerlei Vorerfahrung haben,“ weiß Siegfried Rose.

„Ein durchdachtes, sinnvolles Ordnungsprinzip ist jedoch die fundamentale Basis dafür, den Überblick über das gesamte Stoffgebiet eines Schuljahres nicht zu verlieren; Arbeitsblätter, Arbeitsaufträge, Rechercheergebnisse usw. entsprechenden Themengebieten zuzuordnen, um sich damit optimale Voraussetzungen für sein individuelles Lernen zu schaffen.“[i]

Bewährt haben sich persönliche Ordner für Lehrer und Schüler, Projektordner für Lehrer, Arbeitsgruppen und Klassen, sowie Austauschordner für alle. Zu fest definierten Zeitpunkten sollten die Ordner gesichert und gelöscht werden können. Auch sollten die Dateinamen einer vorher festgelegten sinnvollen Nomenklatur folgen, damit spätere Reorganisationen und Archivierungen problemlos erfolgen können. Sinnvoll ist es, dass ein Dateiname das Fach, die Klasse, die Dokumentenart, das Thema, das Datum und den Autor reflektiert. Ein Dateiname „Bio-8a-Ref-Pilz-010406-Mueller“ etwa lässt sich eindeutig zuordnen.

Lehrer sollten auf eine übersichtliche und sinnvolle Strukturierung des Fachordners sowohl auf dem Notebook als auch im Schulnetz achten.

Den Schülern und Schülerinnen sollte mitgeteilt werden, dass Lehrer ihre persönlichen Ordner ansehen und gegebenenfalls ändern können. In Klassen- und Projektordnern können alle Mitglieder einer Projektgruppe Inhalte ändern. Sie können projektbezogen als Austauschordner benutzt werden. Deshalb sollten einzelne Mitglieder aber auch ihre Materialien und Arbeitsergebnisse in ihrem persönlichen Ordner sichern. Klassenordner sollten nach Schuljahren und intern nach Fächern und Projekten unterteilt werden. Innerhalb der Klassenordner sollten Unterordner wie Projektordner mit eingeschränkten Zugriffsrechten angelegt werden, damit nur Mitglieder einer Projektgruppe Daten ändern können – denn Veränderungen oder gar Löschungen aus Versehen oder sogar aus Absicht verursachen beträchtlichen Ärger und ungeliebte Mehrarbeit.

Eine gut organisierte digitale Archivierung erlaubt den Lehrern Tafelbilder und andere Unterrichtsmaterialien vergangener Stunden jederzeit im Unterricht abzurufen. Auf diese Weise können Lehrer innerhalb von Sekunden Themen nochmals präsentieren, wiederholen, auffrischen und wenn nötig auch besprechen und vertiefen.

Tafelbilder können schrittweise und methodisch auf interaktiven Whiteboards entwickelt werden. Lehrer sollten allerdings berücksichtigen, dass Schüler während der Stunde dies digital nur schwer auf ihrem Notebook nachstellen können. Sie sollten deshalb am Ende der Stunde auf das digitale Abbild des Tafelbild-Endergebnisses zugreifen können. Damit lässt sich auch das mitunter langwierige Nachbauen komplexer Tafelbilder vermeiden.

Problem „komplexes Tafelbild“

Geschichtslehrerin Britta Schmidt vom Gymnasium Veitshöchheim musste den Versuch, das Notebook als Heftersatz zu verwenden, wieder abbrechen: „Es stellte sich heraus, dass einige Schüler mit der Übertragung des Tafelbildes am Notebook überfordert werden.“

Die teilweise sehr komplexen Tafelbilder enthielten Pfeildiagramme, Pyramiden und andere Darstellungsarten, die am Notebook nur langwierig nachbildbar gewesen wären. Die Übertragung der Hefteinträge in digitaler Form blieb daher eine freiwillige Tätigkeit.[ii]

Unterrichtsbegleitend können Schüler auch themenbezogene Linksammlungen erstellen.

Beispiel Linksammlung Biologie

Siegfried Rose berichtet: „Mehrere Schüler begleiten die verschiedenen Unterrichtsgebiete. Gefundene Internetadressen zu biologischen Sachverhalten werden jeweils von den Schülerinnen bewertet, mit einem Kommentar versehen und an den Lehrer per E-Mail gesandt. Nach Prüfung der Links durch den Fachlehrer werden diese in eine Tabelle aufgenommen, an die Mitglieder der Internetgruppe weitergeleitet und somit der gesamten Gruppe zur Verfügung gestellt.“ [iii]

Die Linksammlung wird fortlaufend gepflegt. Da mitunter manche Homepages ihren Betrieb einstellen, lädt sich Rose wichtige Inhalte aus dem Internet und brennt sie auf CD. Gute Erfahrungen sammelte er auch mit dem US-amerikanischen Internetprojekt „Internet Archive“ (http://www.archive.org), das alte Websites speichert. Damit lässt sich jede Seite rekonstruieren.


[i] Claudia Hagan, Siegfried Rose, Das Notebook-Projekt – zweites Projektjahr, Neue Projektaspekte, Gymnasium Veitshöchheim, März 2003

[ii] Claudia Hagan, Siegfried Rose, Das Notebook-Projekt – zweites Projektjahr, Neue Projektaspekte, Gymnasium Veitshöchheim, März 2003

[iii] Claudia Hagan, Siegfried Rose, Das Notebook-Projekt – zweites Projektjahr, Neue Projektaspekte, Gymnasium Veitshöchheim, März 2003

Disclaimer: Exzerpt aus einem unveröffentlichen Manuskript zu “Notebooks im Unterricht”, das ich gemeinsam mit Heike Härtel 2006 für Schulen ans Netz erarbeitet habe. Mit Genehmigung von Heike Härtel.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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One Response to Kooperatives Lernen: Ordnungsprobleme und -lösungen

  1. Ran says:

    Danke für den Beitrag. Festlegen von Ordnungskriterien ist sehr anspruchsvoll und es scheint das diese Fähigkeit immer mehr gefragter wird – auch seitens der Unterrichtenden.