Notebooks im Sprachunterricht
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 26.Mai 2008 • Kategorie: Lernen1,680 views • Ein Kommentar
Im Sprachunterricht dient das Notebook als Schreib-, Arbeits- Archivierungs- Recherche- und Präsentationsinstrument. Die Schülerinnen und Schüler führen idealerweise kein Papierheft mehr, sondern verwalten alle digitalen Unterlagen in ihrem Fachordner.
Anderer Unterricht mit Notebooks
Das Notebook hat sich im Fach Deutsch „als besonders tauglich für offene Lernformen erwiesen“, berichtet Dieter Brückner vom Gymnasium Veitshöchheim. Deshalb steht vermehrt Gruppen-, Wochenplan- oder Projektarbeit auf dem Unterrichtsplan. Bei Lektüreempfehlungen, Klassenlektüren und kreativen Schreibprozesse wird das Notebook als Arbeits- und Präsentationsmittel eingesetzt. Damit wird auch das medienpädagogische Ziel verfolgt, dass Schüler lernen, Materialien bewusst auszuwählen und ihre Präsentationen kontext-, situations- und adressatenbezogen zu erstellen.
Das Notebook als Lernmittel
Der Vorteil des Einsatzes von Notebooks im Sprachunterricht liegt vor allem darin, dass es den einfachen Umgang mit unterschiedlichste Quellen und Materialien erlaubt. So ermöglicht es nicht nur einen zeitlich flexiblen Abruf von Hintergrundmaterialien im Schulnetz, sondern auch die Informationssuche im Internet. Für den Fremdsprachunterricht finden Schüler beispielsweise Liedtexte, Gedichte oder Kreuzworträtsel, für den Deutschunterricht Hintergrundinformationen und Materialien für Referate. Bei der Suche im Netz müssen Schüler gefundene Informationen immer wieder auf ihren Sinngehalt, ihre Brauchbarkeit und Validität prüfen. Dabei übernehmen sie eine Rolle, die sonst in der Regel der Lehrer übernimmt. Gleichwohl können sie erst durch eigenständige Recherchen den kritischen Umgang mit Informationsquellen erlernen. Die gefundenen Informationen können die Schüler mit ihrem Notebook bearbeiten und mit anderen austauschen. Veränderungs- und Verbesserungsvorschläge lassen sich leichter umsetzen, da die Texte nicht vollständig neu verfasst werden müssen. Mit dem Notebook ändert sich auch der Schreibprozess. Texte, Grafiken und Bilder sind keine endgültigen Arbeitsergebnisse, da sie ständig verbessert werden können. Gleichwohl können sie auch einfach kopiert werden. Die Qualität der selbständig recherchierten und verfassten Arbeiten lässt sich übrigens nur dann verlässlich bewerten, wenn die Schüler ihre Vorgehensweise und die verwendeten Quellen in einem Recherche- oder Arbeitsprotokoll aufzeichnen. Zudem können Lehrer im Gespräch mit den Schülern feststellen, inwieweit sie den Stoff selbst erklären können.
Das Notebook als Präsentationsmittel
Fotografien, literarische und sachliche Texte und Arbeitsblätter lassen sich einfach per Notebook und Beamer präsentieren. Die Schüler können die verschiedensten Präsentationstechniken erproben – von Mindmap- und Tabellen-Darstellungen bis hin zu Präsentationsprogrammen. Wie Markus Gläßel vom Gymnasium Veitshöchheim hervorhebt, können außerdem farbige Abbildungen ohne großen Kopier- oder Druckaufwand präsentiert werden. Die Größe und Farbintensität eines über einen Beamer projizierten Bildes sei einer Folie weitaus überlegen. [i]
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Einsatz von Whiteboards im Latein-Unterricht Im Latein-Unterricht in der 7. Klasse werden wichtige Lesestücke mündlich in der Schulstunde übersetzt und zur Wiederholung als Hausaufgabe schriftlich aufgegeben. Bei der Verbesserung projiziert der Lehrer zwei Übersetzungen von Schülern über den Austauschordner auf das Whiteboard. So können Mitschüler die Hausaufgaben selbst beurteilen. Lateinlehrer Helmut Riedl vom Gymnasium Veitshöchheim betont: „Dabei entstehen Diskussionen, welche der beiden Übersetzungen nun die bessere ist und welche Fehler gemacht wurden. Zudem kann man gleich die Hausaufgaben zu einer Musterlösung verbessern. Bei relativ fehlerfreien Arbeiten wird also eine Schülerlösung zur Musterlösung, was sicher ein Anreiz zur genauern Erledigung der Hausaufgaben ist.“[ii] |
Die Unterrichtsprodukte und –ergebnisse werden zudem nicht mit einem Lappen von der grünen Tafel gewischt, sondern bleiben dauerhaft verfügbar. Die Schüler können sie weiter bearbeiten und ergänzen und mit nach Hause nehmen. Auch können sie Materialien früherer Jahrgänge nutzen.
Digitale Übungsblätter können Schüler etwa für Grammatik auf ihren Rechner übernehmen. Im Lateinunterricht beispielsweise erleichtern jederzeit neu ausdruckbare Deklinations- bzw. Konjugationstabellen das Lernen, die für jeden Lernvorgang neu bearbeitet werden können. Allerdings räumt Lateinlehrer Helmut Riedl ein: „Früher abgeschriebene Tabellen blieben wohl leichter im Gedächtnis haften.“[iii] Dieser Abschreibe-Effekt tritt bei vom Lehrer ausgehändigten Übungsblättern nicht ein, gleichwohl steht es den Schülern frei, eigene Tabellen zu erstellen. Über einen Austauschordner kann Schülern ausgewähltes Material leicht zugänglich gemacht und zur häuslichen Wiederholung aufgegeben werden.
Sowohl für das Fach Deutsch als auch für Englisch und Französisch gibt es begleitend zu den Schulbüchern Trainingsprogramme auf CD-ROM, die den Schülern das gezielte Einüben von Vokabeln, Rechtschreibung und Grammatik ermöglichen. Nur wenn jeder Schüler über ein eigenes Notebook verfügt, können Übungen auf CD-ROM auch in den Unterricht integriert werden.
Werden Schüler besser mit Notebooks?
Der Notebook-Einsatz in Prüfungen ist im Fremdsprachenunterricht nur bedingt sinnvoll zu sehen. Bei Vokabeltests und Übersetzungen kommt es etwa im Fach Latein auf jeden Buchstaben an. Lehrer können jedoch zum Nachteil der Schüler nicht Tippfehler von Denkfehlern unterscheiden. Gleichwohl ziehen Schüler im Fach Deutsch das Notebook in Prüfungen vor, wenn es ihnen ein schnelleres Schreiben ermöglicht. Außerdem hilft die automatische Korrekturfunktion Rechtschreibfehler zu entdecken.
Heike Schaumburg und Ludwig Issing stellten 2002 in einer Evaluationsstudie am Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh fest, dass Schülerinnen und Schüler bei einem kontinuierlichen Einsatz von Laptops nicht nur ausführlichere Arbeiten schreiben, die in Aufbau, Ausdruck und Gedankenführer besser sind, sondern auch orthografisch korrekter sind. Dabei zeigen Laptop-Schüler nicht nur dann bessere Rechtschreibleistungen, wenn sie direkt von der Rechtschreibprüfung des Computers Fehler angezeigt bekommen, sondern auch wenn sie nicht am Computer arbeiten. Schaumburg und Issing vermuten, dass das kontinuierliche Feedback beim Schreiben am Computer den Erwerb von Rechtschreibkenntnissen unterstützt und für das Entdecken eigener Fehlen beim wiederholten Überarbeiten von Texten unterstützt.
Auch im Sprachunterricht wurde, wie schon beim Mathematikunterricht beobachtet, dass Notebook-Schüler ordentlicher arbeiten. Dieter Brückner vom Gymnasium Veitshöchheim berichtet, dass Schüler der 8. Klasse, die das Notebook schon im zweiten Schuljahr nutzen, „zu jedem Zeitpunkt ein gut gegliedertes und optisch sauberes Produkt vor sich haben, mit dem sie lieber arbeiten, als mit den üblichen Hefteinträgen.“ Außerdem seien sei „schreibwilliger“ geworden. [iv]
[i] Claudia Hagan, Siegfried Rose, Das Notebook-Projekt – zweites Projektjahr, Neue Projektaspekte, Gymnasium Veitshöchheim, März 2003
[ii] Claudia Hagan, Siegfried Rose, Das Notebook-Projekt – zweites Projektjahr, Neue Projektaspekte, Gymnasium Veitshöchheim, März 2003
[iii] Claudia Hagan, Siegfried Rose, Das Notebook-Projekt – zweites Projektjahr, Neue Projektaspekte, Gymnasium Veitshöchheim, März 2003
[iv] Claudia Hagan, Siegfried Rose, Das Notebook-Projekt – zweites Projektjahr, Neue Projektaspekte, Gymnasium Veitshöchheim, März 2003
Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
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