Handelsblatt.com mit Schmalspur-Relaunch


Eigentlich ist es ja ganz schn, wenn man sieht, dass Verleger, sich um ihre Online-Angebote kmmern. Stefan von Holtzbrinck hat auch ein wenig Geld investiert in den Relaunch des Handelblatts. Doch rein optisch ist man schon berrascht: Soll das jetzt der neue Look sein?

Die Schrift sehr schmal, kleiner Zeilenabstand – dafr ist der Text in eine nicht minder schmale Spalte am linken Rand gepresst. Und die Kontrastunterschiede im Tickerkasten sind so niedrig, dass ich meine Augen spontan zusammenkneifen muss, um etwas zu lesen. Das sieht so schottisch, nein schwbisch, nein … nach Holtzbrinck aus, dass es schon wieder peinlich ist. Wer sagt, dass nur wenig Platz ist? Eine Bildschirmseite hat sehr viel Platz – und die blicherweise verwendeten Bildschirme verfgen mindestens ber eine Auflsung von 1024 x 768 Pixel. Wie kommt das Handelsbatt dann darauf, die Textspalte ber weniger als die Hlfte dieser Auflsung zu spannen? Nur um dann ein grauenhaftes Banner um oben und rechts um die Inhalte zu zurren.


Diesen Schmalspur-Ausschnitt zeigt mir mein Notebook.

Ich jedenfalls mchte solche Texte online nicht lesen wollen – das ist mir einfach zu mhsam. Allein fr das kleinformatige Handy ist das wohl akzeptabel. Aber dafr muss sowieso ein anderes Design her. Aber ber die fehlenden Videos, Mobile, Web 2.0 wollen wir jetzt nicht auch noch reden – nur erwhnen, dass Julius Endert jetzt mit Mario Sixtus mit Blinkenlichten die Medien revolutionieren will.

Ein Blick ber den Teich zeigt, wie es auch anders geht: Es muss zwar nicht so breitbildig sein wie bei Boston.com (thx Heiko Hebig), aber etwas mehr Raum wie bei der New York Times oder der Wasington Post, die offenbar mit der Schriftgre gar nicht mehr geizt, hat schon etwas erhebendes. Vor allem, wenn sich die Werbung ins Design einfgt und nicht wie ein wild gewordener Br die Inhalte umtanzt, ganz wie bei Spiegel online.

Breitseite bei Boston.org – mit demselben Notebook gesehen.

Lesefreundlich, zentriert, grozgig – die NYT, ebenfalls mit Notebook-Ansicht.

Auf Boston.org weist witzigerweise auch Handelsblatt-Blogger Thomas Knwer hin – allerdings ausschlielich mit Hinblick auf die berchtigten Bild-Klick-Galerien. Wir wollen aber auch nicht ungerecht sein. Auch der Westen ist vor etwas Breite und Weite zurckgeschreckt – und hat sich bei seinem Relaunch am mittlerweilen recht kleinkariert wirkenden Design von Spiegel online orientiert. Schade!

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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5 Responses to Handelsblatt.com mit Schmalspur-Relaunch

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  4. Julius says:

    Hallo,
    fr eine Expertin ist das aber eine drftige Schmalspurkritik. Denn Fragen wie: “Wie kommt das Handelsbatt dann darauf, die Textspalte ber weniger als die Hlfte dieser Auflsung zu spannen?” htten wir sehr gerne beantwortet.

    Aber vielleicht an dieser Stelle ein Wort dazu: Groe (und wachsende) Onlineredaktionen mssen nun mal auch finanziert werden. Und da leider im deutschen Werbemarkt gewisse, durch die Marktfhrer gesetzte Standards herrschen, ist es schwierig fr einzelne Angebote, diese zu durchbrechen, wenn sie weiter Geld verdienen und die journalitische Qualitt ausbauen wollen. Und genau daran arbeitet das Handelsblatt. Die Onlineredaktion wird nmlich in nchster Zeit recht deutlich ausgebaut. Natrlich ist gutes Webdesign wichtig, aber kommt es nicht in aller erster Linie auf die Inhalte bei einer Qualittsbeurteilung an?

    Die Schrift wurde brigens inzwischen angepasst und ist nun besser lesebar. Aber wenn ich mir die Seite http://www.schulzki-haddouti.de/ anschaue, wirkt diese auch nicht unbedingt kontrastreicher .
    viele Gre
    Julius Endert

  5. Christiane says:

    @Julius Gut geschossen! Dass meine Website so grausam grau ist, liegt an der fehlenden Zeit. In der Tat ist eine Kontrastverstrkung auf der Prio-Liste die Nummer 1 fr ein Redesign. Aber das wird noch ein wenig dauern, denn besucht wird sie im Moment – im Vergleich zu diesem Blog (dem ich auch eine Kontrastanpassung veordnet hatte) – wenig und ich mache das ja unbezahlterweise. Auerdem hege ich eine herzliche Abneigung gegen Joomla, was eine berarbeitung noch weiter hinauszgern drfte.

    Ging der Relaunch denn mit anderen Inhalten einher? Schreiben die Autoren jetzt anders, nach dem Relaunch, auf einmal viel besser? Vermutlich nicht, denn das hat doch mit einem Relaunch, in dem es primr um Prsentation geht, weniger zu tun. Deshalb fand ich auch die Ankndigung, es gbe jetzt nun Qualittsinhalte, etwas daneben. Dass nun mehr Redakteure kommen werden, ist schn. Aber was hat das direkt mit dem Relaunch zu tun?? Ich habe mich daher nur auf das Optische konzentriert – und das mit den in den USA (und inzwischen in der Schweiz) blichen Layouts verglichen. Ich denke daher, dass man einem Blog auch seine Kritik so zugespitzt setzen darf.

    Auerdem ist es auch so: Weil ihr euch mit den Blogs im Handelsblatt doch immer sehr stark aus dem Fenster lehnt in punkto “Wie agiert man richtig im Web” hatte ich schlicht und einfach mehr von einem Handelsblatt-Redesign erwartet. Dass dabei das bliche herauskam, fand ich enttuschend. Lorenz fand meine Kritik auch etwas unfair – aber, wie gesagt, die Kritik steht ja in guter indiskreter HB-Tradition. :)

    Ich wre jedoch sehr gerne bei euren Diskussionen mit den “Marktfhrern” in Sachen Online-Werbung in Deutschland dabei gewesen, da ich unterstelle, dass ihr gerne auch was anderes gehabt httet. Sehe es daher vor allem als Kritik gegen diese phantasielosen Werber (denen ich auch im Moment ein eigenes Feature widme!). Da du dich ja nun der Blinkenlichten-Revolution verschrieben hast, fnde ich es toll, wenn du vielleicht auch zum Thema Design/Werbung einen Gastbeitrag beitragen knntest?

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