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Handelsblatt.com mit Schmalspur-Relaunch

Von Christiane Schulzki-Haddouti • 27.Juni 2008 • Kategorie: Medien

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Eigentlich ist es ja ganz schön, wenn man sieht, dass Verleger, sich um ihre Online-Angebote kümmern. Stefan von Holtzbrinck hat auch ein wenig Geld investiert in den Relaunch des Handelblatts. Doch rein optisch ist man schon überrascht: Soll das jetzt der neue Look sein?

Die Schrift sehr schmal, kleiner Zeilenabstand – dafür ist der Text in eine nicht minder schmale Spalte am linken Rand gepresst. Und die Kontrastunterschiede im Tickerkasten sind so niedrig, dass ich meine Augen spontan zusammenkneifen muss, um etwas zu lesen. Das sieht so schottisch, nein schwäbisch, nein … nach Holtzbrinck aus, dass es schon wieder peinlich ist. Wer sagt, dass nur wenig Platz ist? Eine Bildschirmseite hat sehr viel Platz – und die üblicherweise verwendeten Bildschirme verfügen mindestens über eine Auflösung von 1024 x 768 Pixel. Wie kommt das Handelsbatt dann darauf, die Textspalte über weniger als die Hälfte dieser Auflösung zu spannen? Nur um dann ein grauenhaftes Banner um oben und rechts um die Inhalte zu zurren.


Diesen Schmalspur-Ausschnitt zeigt mir mein Notebook.

Ich jedenfalls möchte solche Texte online nicht lesen wollen – das ist mir einfach zu mühsam. Allein für das kleinformatige Handy ist das wohl akzeptabel. Aber dafür muss sowieso ein anderes Design her. Aber über die fehlenden Videos, Mobile, Web 2.0 wollen wir jetzt nicht auch noch reden – nur erwähnen, dass Julius Endert jetzt mit Mario Sixtus mit Blinkenlichten die Medien revolutionieren will.

Ein Blick über den Teich zeigt, wie es auch anders geht: Es muss zwar nicht so breitbildig sein wie bei Boston.com (thx Heiko Hebig), aber etwas mehr Raum wie bei der New York Times oder der Wasington Post, die offenbar mit der Schriftgröße gar nicht mehr geizt, hat schon etwas erhebendes. Vor allem, wenn sich die Werbung ins Design einfügt und nicht wie ein wild gewordener Bär die Inhalte umtanzt, ganz wie bei Spiegel online.

Breitseite bei Boston.org – mit demselben Notebook gesehen.

Lesefreundlich, zentriert, großzügig – die NYT, ebenfalls mit Notebook-Ansicht.

Auf Boston.org weist witzigerweise auch Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer hin – allerdings ausschließlich mit Hinblick auf die berüchtigten Bild-Klick-Galerien. Wir wollen aber auch nicht ungerecht sein. Auch der Westen ist vor etwas Breite und Weite zurückgeschreckt – und hat sich bei seinem Relaunch am mittlerweilen recht kleinkariert wirkenden Design von Spiegel online orientiert. Schade!


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5 Kommentare »

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  2. [...] Schweizer streuen jetzt etwas Salz in die Wunden des so merkwürdig misslungenen Handelsblatt-Relaunchs. Der Tamedia-Verlag zeigte jetzt, wie ein zeitgemäßes Relaunch aussehen muss. Beauftragt [...]

  3. [...] vor. Seither erstrahlt die Website in einem neuen Design, welches nicht unbedingt auf viel Gegenliebe stößt. Von einem Unternehmen, das im Web 2.0 Bereich sowie in der Startup Szene aktiv ist, hätte [...]

  4. Hallo,
    für eine Expertin ist das aber eine dürftige Schmalspurkritik. Denn Fragen wie: “Wie kommt das Handelsbatt dann darauf, die Textspalte über weniger als die Hälfte dieser Auflösung zu spannen?” hätten wir sehr gerne beantwortet.

    Aber vielleicht an dieser Stelle ein Wort dazu: Große (und wachsende) Onlineredaktionen müssen nun mal auch finanziert werden. Und da leider im deutschen Werbemarkt gewisse, durch die Marktführer gesetzte Standards herrschen, ist es schwierig für einzelne Angebote, diese zu durchbrechen, wenn sie weiter Geld verdienen und die journalitische Qualität ausbauen wollen. Und genau daran arbeitet das Handelsblatt. Die Onlineredaktion wird nämlich in nächster Zeit recht deutlich ausgebaut. Natürlich ist gutes Webdesign wichtig, aber kommt es nicht in aller erster Linie auf die Inhalte bei einer Qualitätsbeurteilung an?

    Die Schrift wurde übrigens inzwischen angepasst und ist nun besser lesebar. Aber wenn ich mir die Seite http://www.schulzki-haddouti.de/ anschaue, wirkt diese auch nicht unbedingt kontrastreicher .
    viele Grüße
    Julius Endert

  5. @Julius Gut geschossen! Dass meine Website so grausam grau ist, liegt an der fehlenden Zeit. In der Tat ist eine Kontrastverstärkung auf der Prio-Liste die Nummer 1 für ein Redesign. Aber das wird noch ein wenig dauern, denn besucht wird sie im Moment – im Vergleich zu diesem Blog (dem ich auch eine Kontrastanpassung veordnet hatte) – wenig und ich mache das ja unbezahlterweise. Außerdem hege ich eine herzliche Abneigung gegen Joomla, was eine Überarbeitung noch weiter hinauszögern dürfte.

    Ging der Relaunch denn mit anderen Inhalten einher? Schreiben die Autoren jetzt anders, nach dem Relaunch, auf einmal viel besser? Vermutlich nicht, denn das hat doch mit einem Relaunch, in dem es primär um Präsentation geht, weniger zu tun. Deshalb fand ich auch die Ankündigung, es gäbe jetzt nun Qualitätsinhalte, etwas daneben. Dass nun mehr Redakteure kommen werden, ist schön. Aber was hat das direkt mit dem Relaunch zu tun?? Ich habe mich daher nur auf das Optische konzentriert – und das mit den in den USA (und inzwischen in der Schweiz) üblichen Layouts verglichen. Ich denke daher, dass man einem Blog auch seine Kritik so zugespitzt setzen darf.

    Außerdem ist es auch so: Weil ihr euch mit den Blogs im Handelsblatt doch immer sehr stark aus dem Fenster lehnt in punkto “Wie agiert man richtig im Web” hatte ich schlicht und einfach mehr von einem Handelsblatt-Redesign erwartet. Dass dabei das Übliche herauskam, fand ich enttäuschend. Lorenz fand meine Kritik auch etwas unfair – aber, wie gesagt, die Kritik steht ja in guter indiskreter HB-Tradition. :)

    Ich wäre jedoch sehr gerne bei euren Diskussionen mit den “Marktführern” in Sachen Online-Werbung in Deutschland dabei gewesen, da ich unterstelle, dass ihr gerne auch was anderes gehabt hättet. Sehe es daher vor allem als Kritik gegen diese phantasielosen Werber (denen ich auch im Moment ein eigenes Feature widme!). Da du dich ja nun der Blinkenlichten-Revolution verschrieben hast, fände ich es toll, wenn du vielleicht auch zum Thema Design/Werbung einen Gastbeitrag beitragen könntest?

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