Lage des Online-Journalismus muss öffentlich diskutiert werden
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 19.Juni 2008 • Kategorie: Medien, Scoop1,791 views • 9 Kommentare
Ich habe eine Bitte an:
- Dr. Andreas Bittner, Mitglied des Bundesvorstandes des Deutschen Journalistenverbandes, Berlin
- Mercedes Bunz, Chefredakteurin Tagesspiegel Online, Berlin
- Dr. Alexander Görke, Vertretungsprofessur für Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus an der FU Berlin, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften
- Dr. Thomas Leif oder Albrecht Ude, Netzwerk Recherche, Wiesbaden
- Alexander von Reibnitz, Geschäftsführer digitale Medien und Neue Geschäftsfelder, Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger, Berlin
Bitte stellen Sie doch auch Ihre Antworten auf die Fragen des Unterausschusses Neue Medien des Deutschen Bundestages zum heute stattfindenden Expertengespräch “Online-Journalismus†online, wie es gestern am Montag Matthias Spielkamp in seinem Immateriblog lobenswerterweise getan hat. Die Sitzung ist zwar nicht-öffentlich, aber ja nicht geheim.
Der Journalismus befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Je offener der Diskurs über die Veränderungen geführt wird, desto besser. Persönlich fand ich Spielkamps Ausführungen zur Lage der freien Journalisten am besten. Hier wurde deutlich, dass der Gesetzgeber den Freien mit der gut gemeinten Änderung des Urheberrechts erheblich geschadet hat – bzw. dass die Verleger dies zu Ungunsten der Journalisten ausgestaltet haben.
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich mit meinen Kollegen vom IT-Verwertungszirkel “cartel virtuel” bis zur Urheberrechtsänderung immerhin hin und wieder Texte zweitverwerten konnte. Danach war dies schon aufgrund der Autorenverträge, die man mehr oder weniger gezwungenermaßen unterschreiben musste, unmöglich. Dabei hat sich die Honorarlage nicht verbessert – eher verschlechtert. Das heißt: Für die Texte, deren Honorar ursprünglich eine Zweitverwertung implizit berücksichtigte, erhalte ich heute etwas weniger als vor 10 Jahren – kann sie aber nirgendwo mehr unterbringen, ohne nicht gegen den einen oder anderen Vertrag zu verstoßen.
Von einer “angemessenen” Honorierung kann keine Rede sein. Der Wegfall der Zweitverwertung bedeutet übrigens ein Halbierung oder Drittelung des Honorars, was viele über weitere Tätigkeiten, etwa im PR-Bereich, auffangen müssen.
Seitdem auch Podcasts von den Sendern online gestellt werden, sind davon auch die Hörfunkjournalisten betroffen. Und erst kürzlich machte ich die Erfahrung: Auch wenn keine Vertragsvereinbarung besteht, ist nicht nur eine Zweitverwertung kaum noch möglich, – da in Zeiten des Internet sich alle als direkte Mitbewerber sehen – , sondern sogar das Schreiben über “ähnliche Themen”. Die Lage ist ernst. Angesichts des Medienwandels haben aber auch die Verlage nicht viel Bewegungsspielraum. Umso wichtiger ist es, eine öffentliche Debatte darüber zu führen.
P.S. Sachdienliche Hinweise zur personellen Besetzung des Unterausschusses Neue Medien gibt “Mein Parteibuch”
Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
Eine E-Mail an den Autor bzw. die Autorin schreiben | Alle Beiträge von Christiane Schulzki-Haddouti




Gute Idee. Wenn denn außer mir jemand etwas geschrieben hat. Ich habe meine Antworten übrigens schon am Montag veröffentlicht, aber obwohl ich eMails verschickt habe (zugegeben, nicht an Kooptech), war die Szene doch etwas träge. Bin halt kein A-Blogger
In der Regel sollten die Antworten ja schon schriftlich gegeben werden, damit sie an alle Mitglieder im Ausschuss verteilt werden. So kenne ich das von anderen Anhörungen. Jede Antwort erhält auch eine BT-Drucksachennummer. Da die Sitzung leider nicht-öffentlich ist, weiß ich nicht, was mit diesen Antworten passiert. Es wäre auch interessant zu erfahren, warum diese Sitzung überhaupt nicht-öffentlich ist. Wäre jedenfalls großartig, wenn jeder der Experten von sich aus seine Antworten dokumentieren würde. Das bleibt jedem ja unbenommen.
?Matthias, weißt du, warum die Sitzung nicht-öffentlich ist? Ist das Standard bei weniger wichtig erscheinenden Sitzungen oder gibt es einen Grund dafür?
Nein, ich weiß nicht, warum das so ist. Wie ich schon bei netzpolitik.org vermutet habe: Damit Abgeordnete, die die Fragestunde ernst nehmen und etwas dazulernen wollen, auch Fragen stellen können, von denen sie befürchten müssen, dass sie sie von den allwissenden Bloggern um die Ohren gehauen bekämen, wenn die Fragestunde öffentlich wäre.
Wir harren also gespannt der Aufklärung dieser Frage!
?[...] bald erfahren. Aber nicht von mir. Denn die Ausschussmitglieder haben die Frage, die Markus und Fiete schon gestellt haben, warum nämlich die Fragestunde nichtöffentlich ist, so beantwortet: Haben [...]
Nun wird doch alles öffentlich. S. http://immateriblog.de/?p=55
Sehr schön. Ich habe ja auch lernen dürfen, dass diese Sitzungen grundsätzlich nicht-öffentlich – und deshalb nur auf Antrag öffentlich sind. Schön, dass der Ausschuss so extrem kurzfristig noch flexibel war!
?[...] “Online-Journalismus†online gestellt. Damit wird ein Teil der Diskussion, wie gehofft und gefordert, transparent. Am schönsten fand ich Mercedes Bunz’ eher knappe Stellungnahme, in der sie [...]