In jüngster Zeit ballten sich erneut die Nachrichten, die die Umwälzungen im traditionellen Mediengeschäft illustrieren: Die dpa schreibt Verluste, amerikanische Tageszeitungen läuten eine weitere Entlassungswelle ein und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe plädiert, Qualitätsstandards auch im Online-Bereich zu halten.

Die Nachrichtenagentur Deutsche Presse-Agentur dpa, die eigentlich aufgrund ihres zentralen Verteilerstatus auch künftig eine der Kernfaktoren im deutschsprachigen Mediengeschäft darstellen wird, meldet Verluste in ihrem Kerngeschäft und spielt daher mit dem Gedanken, wenn schon der hiesige Markt rückläufig ist, ins Ausland zu expandieren. Grund sind die rückläufigen Auflagezahlen bei den Tageszeitungen – und die Verlagerung des Medienkonsums zu Onlnie-Anbietern, die von den Mediaplanern ungleich der Printpresse jedoch noch mit Hungerlöhnen abgespeist werden. In harten Zahlen: Der Betriebsverlust im Kerngeschäft betrug für das vergangene Jahr100.000 Euro, 2006 war es noch ein Gewinn von gut einer Million Euro. Der Jahresüberschuss der Muttergesellschaft dpa GmbH ist im letzten Jahr um rund ein Drittel auf 4,4 Mio. Euro gesunken – 2006 waren es noch 6,5 Mio. Dabei ging der Umsatz um 1,9 Prozent auf 93,8 Mio. Euro zurück.
Der rückläufige Trend im Tageszeitungsgeschäft ist am stärksten in den USA. Heute meldete das amerikanische Verleger-Blog “Editors Weblog” weitere Belegschaftsreduzierungen. Der Präsident des Verlagshauses Tribune Co., Sam Zell, begründet dies mit der Kürzung des Seitenumfangs all seiner Tageszeitungen, da diese “an Auflage und Anzeigenumsatz verlieren, weil Leser ins Internet abwandern.”
Derweil mahnt heute Josef Joffe, Altvorderer der ZEIT, angesichts der weltweit stattfindenden Publikumsmigration die Standards nicht aufzugeben und warnt – aus einem traditionellem Gatekeeper-Verständnis heraus – davor, zu sehr auf “user generated content” zu setzen. Dabei hat er wohl auch den Online-Auftritt seiner eigenen Zeitung im Visier, der zur Zeit einem “Streamlining” entsprechend den heute herrschenden Online-Gepflogenheiten unterworfen wird.
Joffes Vorbild ist die Washington Post, da diese ihre Nutzer nicht “mit ihren Kommentaren und Filmchen einspanne, sondern weil sie ihren hohen Standard aufs Web überträgt, also mit Klasse, nicht mit Klicks arbeite.” Sie sei erfolgreich, weil sie “ihre Autorität auf Online übertragen” habe. Und dies funktioniere nur, weil eben “Sachkenner über Obama und Ölkrise schreiben” – und “nicht aus dem Impuls heraus, sondern überlegt und informiert”.
Bild: H.-D.N.: Zeitungskiosk DDR
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