Links für Journalisten


Die Debatte zur Zukunft der Medien nimmt an Fahrt auf – befeuert von diversen Seiten. Nach “der blutigsten Woche des Jahres” wertete die Netzeitung (die sich ihrerseits mutmaßlich gerade in einem prekären Schwebezustand befindet) einen Teil der nun online verfügbaren Protokolle des Unterausschusses Neue Medien des Deutschen Bundestages zum Thema Online-Journalismus für ihren sechsteiligen Beitrag “Klicks, Klicks und viele Fragen offen” aus – ohne jedoch ihre zahlreichen zentralen Quellen in extenso zu verlinken.

Genauso verfuhr heute auch Spiegel Online in einem Beitrag über Tageszeitungen im Netz, der im Lead den KoopTech-Gastbeitrag von Thomas Wanhoff zitierte – ohne ihn, seinen Beitrag oder dieses kleine Blog zu verlinken.

Wie glaubwürdig können Online-Medien aber eine Debatte über die Zukunft des Journalismus führen, wenn sie selbst die Grundlagen des Netzwerkjournalismus, nämlich das Verlinken, nicht beherrschen?

Burkhard Schröder hat kürzlich eine kleine Gebrauchsanweisung fürs korrekte Verlinken in Telepolis verfasst – und knüpfte damit sehr pragmatisch an einen in der amerikanischen Medienblogger-Szene geführten Diskurs über Links im Nachrichtengeschäft, die im Aufmerksamkeitsgeschäft die zentrale Währung darstellen. Scott Karp war in seinem Blog “Publishing 2.0″ einer der Ersten, der den Wert der Links für den Journalismus betonte:

“Just as the reported quote is an essential element of journalism, on the web the “reported link” must become an essential element of journalism.”

Der New Yorker Journalistprofessor und Blogger Jeff Jarvis sieht – befeuert von der Debatte um die von der Nachrichtenagentur AP aufgestellten Zitationsregeln für Blogger – die Links sogar als zentrales Dienstleistungsmerkmal künftiger Nachrichtenagenturen:

“A syndicate could become a network of links to original content, a curator of the best, most reliable original reporting from any source.”

Wie die linkbasierte Medienökonomie künftig aussehen könnte, überlegten sich kürzlich Journalisten auf der Tagung News Tools 08. Nämlich so:

Das aber ist nur ein Entwurf von viele weiteren, möglichen Entwürfen. Ich glaube, was nötig, weil inspirierend wäre, wäre auch hier im deutschsprachigen Raum eine solche Ideenwerkstatt durchzuführen – in einer Kooperation von Medieninstituten an Hochschulen und Verleger-Thinktanks.

Titelbild: flickr/veganstraightedge, Quelle für News Tools 08: Journalism that matters

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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20 Responses to Links für Journalisten

  1. Erik says:

    “Ich glaube, was nötig, weil inspirierend wäre, wäre auch hier im deutschsprachigen Raum eine solche Ideenwerkstatt durchzuführen” … das ist eine gute Idee. Melde Dich gerne, wenn was ansteht.

  2. Trendschau says:

    … das Thema wollt ich doch am Montag aufgreifen, jetzt sind die besten Links schon gesetzt ;-)

    Die fehlende Verlinkung deute ich einfach mal als Mischung aus Angst und Establishment-Attitüde. Mich hatte ein befreundeter Journalist übrigens auf diese Diskussion zur Bundestagsausschuss aufmerksam gemacht…

    Zu Journalismus und Web kurz drei Gedanken:
    1. Vielleicht ist nicht umsonst “die Zeit” eine der wenigen Printausgaben mit steigender Auflage, denn Analysen und Hintergrundberichte sind m.E. EIN möglicher Zufluchtsort für den Journalismus, aber auch da sind sie nicht mehr konkurrenzlos…

    2. Dass die Verwebbung der Printprodukte auf dauer eher kein Zufluchtsort ist, zeigt vielleicht die Tatsache, dass ich den Spiegel-Beitrag nach zwei Minuten abgebrochen habe. Es liegt wohl an der gängigen Praxis des Zeilenhonorars, dass Journalisten jedes Glas Milch zu Quark treten müssen und Fakten immer ganz hinten verstecken. So hat man im Web auf Dauer m.E. keine Chance.

    3. Zur Investitionsstrategie der Verlage im Web hatte ich meinen Senf ja schon einmal beigesteuert ;-)

  3. Christiane says:

    @Erik Mach ich. Wobei ich das jetzt nicht als ein eigenes Projektvorhaben formuliert verstehen möchte, sondern als etwas, was ich einfach sehr, sehr gut fände. Man müsste natürlich im Vorfeld sehr genau überlegen, wie man so etwas organisiert, damit eine Diskussion tatsächlich stattfindet und dass die Teilnehmer auch tatsächlich produktiv werden. Ein Vorbild für mich ist hier das “Media Giraffe Project“, das das wohl regelmäßig schafft. Bieten könnte ich diverse Hochschulkontakte, auch bescheidene Räumlichkeiten … und als möglichen Zeitraum das Frühjahr 2009.

  4. Christiane says:

    @ Trendschau – richtig, danke nochmal für den Link. Mathias Spielkamp sei Ehr und Dank. Hatte ihm zuvor auch schon deshalb einen eigenen Beitrag gewidmet. Die ZEIT sehe ich auch in einer wichtigen Rolle – die neue Video-Debatten-Serie (u.a. Beitrag mit Mercedes Bunz zur Privatsphäre) geht ganz in die Richtung Diskurse anschieben und führen. Das war aber schon immer das Selbstverständnis der ZEIT. Im Internet könnte sie diese Stärke auf ganz verschiedene Weise ausspielen. Aber dafür braucht es auch experimentelle Spielwiesen und etwas mehr Lockerheit (#Holtzbrinck).

    N.B. Auf der Suche nach dem Mercedes-Video auf der ZEIT-Website merke ich aber auch, dass es dort mit dem Linken hapert. Der Themenschwerpunkt Überwachung zeigt das Video nicht! Gefunden habe ich es aber über Technorati!

  5. Pingback: Ξ Online-Journalismus und die Sache mit den Links Ξ UPLOAD - Magazin fr digitales Publizieren Ξ

  6. Pingback: Verlinkung

  7. zonebattler says:

    In den Fließtext eingebaute Links (embedded linking sozusagen) scheint vielen VerfasserInnen immer noch eher suspekt zu sein: Zum einen befürchten sie wohl, daß mühsam gewonnene LeserInnen tatsächlich sofort auf so einen Verweis klicken und dann (womöglich auf Nimmerwiederlesen) weg sind, zum anderen ist dieses wirklich neuartige Element von Hypertexten nichts, was sich beim Ausdrucken eines Artikels, Essays or whatever in adäquater Form auf das Papier bringen ließe. Und ein Ausdruck auf Papier erscheint vielen immer noch als die (nicht nur im Wortsinne) greifbarere Form ausformulierter Gedanken. Das braucht wohl noch eine Weile, bis sich da was in den Köpfen ändert. Vielleicht trägt ja die Technik das ihre dazu bei: Wenn man per billigem Netbook jederzeit, überall und zuverlässig billigen Netzzugang findet, dann (und erst dann) wird die statische Hardcopy in vielen Fällen überflüssig werden…

  8. Christiane says:

    Mich wundert nur, dass auch nach einer Dekade des Online-Publishings noch immer so viele Angebote Links im Text verabscheuen (Links in Kästen gibt es inzwischen genügend). Die rechtliche Frage kann es ja nicht sein, da Links wirklich nur äußerst selten wirklich Ärger machen. Heise setzte von Anfang an auf Verlinkung – und wäre eine gute Referenz gewesen. Doch irgendwie erschien vielen das doch zu nerdig. Es hat daher eher was mit dem “Silo”-Denken zu tun: Alles muss immer wieder auf das Eigene verweisen. Was im Netz natürlich etwas lächerlich ist.
    Jeff Jarvis hat das irgendwann auch mal so ausgedrückt: Das Geschäftsmodell des heute erfolgreichsten Internet-Unternehmens besteht darin, seine Kunden immer wieder wegzuschicken. Und weil sie genau diesen Service schätzen, kommen sie auch immer wieder zurück. Die Rede ist von … Google.
    Kleiner Nachtrag heute von Rafat Ali/Paidcontent, nicht zum Sub-Thema Links im Journalismus, sondern zum Meta-Thema “Tod der Zeitung”:
    “As the story says, the void in smart thinking on the publishing sector could exacerbate an already bleak view of the business…”the less information that’s distributed, the less appearance there is in the minds of institutional investors,” said the ever-present newspaper analyst John Morton.”

  9. Pingback: Basic Thinking Blog | Wochenende

  10. Pingback: FreieNetze.de » Links fr den 6.07.2008

  11. Die fehlenden Links (der Journalisten) sind ein Ärgernis für die Leser. Denn der Wert eines Artikels steckt heute ja oft gerade darin, dass man eine sehr interessante Informationsquelle aufgetan hat, auf der sich der speziell interessierte Leser dann noch genauer informieren könnte.

    Dahinter steht das Prinzip der hierarchischen Informationsdarbietung. Dem verweigern sich aber noch die allermeisten traditionellen Anbieter und Google dürfte der lachende Dritte dabei sein. Denn wo ein Link fehlt, muss man ihn eben über eine Suchmaschine selber finden…

  12. Pingback: Links fr Journalisten : Burks’ Blog

  13. Pingback: Amys Welt » Blog Archive » Das Web & der Journalismus

  14. Amy says:

    Mit der re:publica ist bereits eine “Ideenwerkstatt” – von relativ hohem Bekanntheitsgrad in der Szene – entstanden, die m.E. ganz hervorragende Arbeit geleistet hat und hoffentlich weiterhin leisten wird. Hier könnten sich u.U. leichter Amknüpfungspunkte finden, als in neuen, sehr fokussierten ‘Treffen’ (wie auch immer die dann aussehen mögen).

    In diesem Jahr haben u.a. Mercedes Bunz & Thomas Knüwer, dass die Mauern, die es zwischen den Welten zu geben scheint, weder besonders hoch sein müssen, noch unüberwindbar sind.

    Danke für den spannenden Beitrag!

  15. Pingback: Linkextremisten « Journalistenschredder…

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  17. Pingback: Die Sache mit den Links › Uwe tippt.

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