Wo ist der Flow in Meedia?
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 15.Juli 2008 • Kategorie: Beobachtungen, Medien1,377 views • 2 Kommentare
Über das neue Medienportal Meedia wurde bereits viel geschrieben. Wenig habe ich jedoch darüber gelesen, dass der Branchendienst seine Besucher nur wenig mit den neuen Errungenschaften des Web 2.0 verwöhnt. Eher unentschlossen schwebt es zwischen Web 1.0 und Web 2.0. Der Flow stimmt einfach nicht.
Unübersehbar verfügt Meedia über dicke Pluspunkte: Großes Kino ist die bereits öfter gelobte opulente Statistik mit den IVW-Zahlen. Sehr hübsch, sehr entlarvend. Leider gibt es von der AGOF vergleichsweise nicht so viel zu sehen. Da Medienleute ja sehr gerne an Statistiken kleben, dürfte das die Hauptattraktion sein.
Die Video-Aggregation ist interessant, da es ähnliche Angebote bislang noch nicht gibt und die Redaktion jedes Video kurz vorstellt. Aber hier fehlt der Community-Aspekt: Die Videos lassen sich nicht in Meedia kommentieren, sondern dort, wo sie ursprünglich eingestellt wurden. Außerdem fehlen wichtige Ähnlichkeitsfunktionen à la: Finden Sie dieses Video interessant, könnte auch jenes von Interesse sein.
Die Aggregationsdienste für Artikel hingegen überzeugen gar nicht. Ein RSS-Reader bietet vergleichsweise mehr Komfort als der Meedia Browser. Außerdem fehlt auch hier wieder der Community-Aspekt: Warum können Besucher die Artikel im Browser nicht bewerten und weiterempfehlen? Von Aggregationsdiensten wie facts.ch oder Rivva.de ist man inzwischen wesentlich mehr gewohnt.
Merkwürdig auch: Sämtliche Artikel lassen sich nicht kommentieren! Sämtliche Artikel verzichten auf Links im Text – und verweisen nur unten auf weitere “interesante Links im Web”. Auch gibt es keine Hinweise auf “ähnliche” Beiträge. Es gibt ein separates Blog, das das Kommentieren erlaubt. Der Menübezeichnung “Meedia-Blogs” nach sollen noch weitere Blogs folgen. Warum aber nicht gleich das ganze Angebot zum Blog machen – und sich das Blog-Ghetto sparen?
Zum Schluss: Die Artikel selbst. Meldungen, Umfragen, wenig Analyse und Kommentar. Themenbereiche wie “US Medien-Trends” versprechen spannendes Material – doch es finden sich nur alte, unkritische Meldungen. Kein Wort zu der jüngsten Entlassungswelle in den US-Tageszeitungen! Selbst wenn es eine Kommentarfunktion irgendwann gäbe, lädt deshalb nur wenig wirklich zum Kommentieren ein.
Ich glaube daher nicht, dass Meedia als vornehmlicher Zahlenservice so schnell ein Anziehungspunkt für die Branche werden wird. Gleichwohl wird Meedia auch Entwicklungsspielräume haben: Auf fast jeder Seite ist bereits eine Anzeige zu bewundern. Respekt! Vielleicht es daher auch nur eine Frage der Zeit, bis der Flow stimmt.
Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
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