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Zur Revolution des Bewegt- Bildjournalismus – Interview mit Mario Sixtus

Von Christiane Schulzki-Haddouti • 10.Juli 2008 • Kategorie: Interview

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Still, ganz still ist es auf Sixtus.net geworden. Kann nicht sein. Darf nicht sein. Der Sixtus macht doch sicherlich irgendwas? Ja, richtig! Gründet sich aus, wird zum Mehrmann-Unternehmen namens “Blinkenlichten”. Gleich mal fragen, wie das geht und was das soll … und “wie man die deutsche Medienbranche durcheinanderwirbelt, den Weltfrieden erfindet und die Klimaerwärmung auf den Mars verbannt”!

Schulzki-Haddouti: Und, schon in den Startlöchern mit Blinkenlichten?

Sixtus: Wir haben bereits einige Projekte, die noch nicht in den trockenen Tücher sind und über die ich daher auch nichts erzählen kann, aber eine Unterschrift haben wir schon.

Schulzki-Haddouti: Du hast einen Online-Redaktionsleiter aus etabliertem Hause für dein winziges Ein-, nun Zwei-Mann-Start-Up abgeworben. Was waren deine schlagenden Argumente, mit denen Du Julius Endert überzeugen konntest?

Sixtus: Du liebe Lotte. Ich weiß gar nicht, ob ich schlagende Argumente gebraucht habe. Ich vermute, dass Julius einfach Lust hatte in einer kleinen flexiblen Firma etwas Zukunftsweisendes zu machen, statt in einem etablierten Unternehmen zu arbeiten, dass sich ständig Sorgen um die Gegenwart macht.

Schulzki-Haddouti: Was war dein persönlicher Auslöser, nun ein Medien-Startup zu gründen?

Sixtus: Ich wollte nicht mehr alleine arbeiten. Der Elektrische Reporter war in mehrerer Hinsicht ein Experiment. Ein Experiment war die Frage: Kann man das alleine machen? Man kann, aber nach eineinhalb Jahren hat es mir keinen Spaß mehr gemacht, permanent den Einzelkämpfer zu machen.

Schulzki-Haddouti: Was hast du bis jetzt in die Firma investiert?

Sixtus: Ich habe noch mehr Equipment gekauft, lustige Kameras und Schnittcomputer, alles auf Pump und mit Kleinstinvestoren. Hier sind ein paar Leute aus dem Mediensektor mit ein paar kleinen Prozenten beteiligt. Dabei ist Julius Endert, Torsten Dewi , Drehbuchautor in München, Carsten Schwecke, Director Online der GWP, die Vermarktungsgesellschaft des Handelsblatt, und Stephan Weichert vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik.

Schulzki-Haddouti: Wie soll die Blinkenlichten-Revolution aussehen? Welche Strategie werdet ihr verfolgen?

Sixtus: Wir wollen journalistische Videoformate jenseits der Tageshektik produzieren. Wir wollen keinen Nachrichtenagenturen Konkurrenz machen, sondern magazinähnlichere Formate machen, die eher Hintergründe beliefern. Also Magazinjournalismus als Bewegtbildjournalismus. Daher Interviews, Reportageformate und Features – alles, was nicht unter nachrichtlich fällt. Wir planen keine Comedy- und Soapformate.

Schulzki-Haddouti: Wird Blinkenlichten den Elektrischen Reporter weiterführen? Wird der Elektrische Reporter weiterhin exklusiv für das Handelsblatt unterwegs sein?

Sixtus: Zum einen wird es den Elektrischen Reporter in anderer Form geben – gemeinsam mit einem zweiten Medienpartner neben dem Handelsblatt. Damit entwickelt sich der ER inhaltlich und formal weiter. Er wird von einer losen Redaktion betreut werden, das heißt, von mir und ein paar Freien.

Schulzki-Haddouti: Der Elektrische Reporter hatte ja ein recht fixes Präsentationsformat. Welche neuen Formate werdet ihr entwickeln?

Sixtus: Der Fokus bleibt auf dem Netz und den gesellschaftlichen Veränderungen durch das Netz. Es wird aber vom Interviewformat weggehen.

Schulzki-Haddouti: Du hattest doch mit dem Barcamp-Video schon die Reportage gemacht?

Sixtus: Das Barcamp-Video war ein Ausreißer. Ich wollte das einfach einmal ausprobieren, aber es war extrem aufwändig.

Schulzki-Haddouti: Wie lange bist du denn am Schnitt gesessen?

Sixtus: Ich führe darüber bewusst kein Buch. Noch schlimmer als das Barcamp-Video war das Startup-Weekend. Das waren zwei Tage vor Ort plus mindestens drei Tage Schnitt. Ich hatte unglaublich viel Material, weil ich mit den Zeitrafferkameras gearbeitet habe. Hinterher sieht das superlustig aus, wenn man eine Stunde Saalbeobachtung auf 3 Sekunden rafft – aber allein das Überspielen dauert eine Stunde. Das kann sich nie rechnen, wenn man das so macht. Aber ich hake das unter „Lernen“ ab.

Schulzki-Haddouti: Also ist so eine liebevoll geschnittene Reportage einfach zu aufwändig, auch für Blinkenlichten?

Sixtus: Doch künftig werden wir so etwas schon machen. Mit dem Relaunch des Elektrischen Reporters wird auch ein Relaunch des Budgets verbunden sein. Damit werden auch Reportagen oder themenbezogene Folgen möglich sein. Wir holen dann nicht mehr einen klugen, sondern vier kluge Menschen vor die Kamera.

Schulzki-Haddouti: Ein Vorzug des Elektrischen Reporters waren doch die sehr dichten Portraits, die durch die Ein-Mann-Interviews entstanden.

Sixtus: Schon, aber das ist doch sehr begrenzt, sehr eingeengt.

Schulzki-Haddouti: Du wirst also versuchen in einer Folge so etwas wie eine Debatte aufzubauen?

Sixtus: Ja, aber es wird sich noch mehr ändern. Generell kann ich jetzt schon sagen, dass die Einstiegshürde für die Zuschauer niedriger wird. 20 Minuten für Clay Shirky ist zwar erhellend für einen kleinen Teil der Netzgemeinde, für das Gros ist das aber höchst abstrakt. Das kriegt hier auch keinen Einstieg mehr. Das will ich ändern, damit es für eine breite Nutzerschaft geöffnet werden kann, ohne dabei hoffentlich an Tiefe einzubüßen.

Schulzki-Haddouti: Aber es wird weiterhin um Netzfragen gehen?

Sixtus: Ja, die Masterfrage des Elektrischen Reporters „Wie das Netz unsere Welt verändert“ bleibt. Die Beantwortungsansätze werden sich aber ändern. Aber es gibt nicht nur den Relaunch des Elektrischen Reporters aus diesem Hause, sondern es wird auch eine kleine wöchentliche Videoreihe für „Der Westen“ geben. Wir wollen neue Formate entwickeln und kleine Teams formen, die die Produktion übernehmen. Anders geht das in einer kleinen Klitsche gar nicht. Ich werde darauf drängen, dass alles unter Creative Commons steht und in andere Seiten einbaubar ist. Das ist zwar in den einzelnen Verlagen und Medienhäusern eine höchst politische Frage, aber ich werde mich sehr dafür einsetzen, dass die Videos so frei verfügbar sein werden wie möglich. So sollen unsere Produktionen bei „Der Westen“ innerhalb eines eigenen Videoblogs gezeigt werden. Dort sollen sie auch herunterladbar, verlinkbar, einbettbar und kommentierbar sein.

Schulzki-Haddouti: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Bildquellen: Mario Sixtus, Titelbild: Christof Wolff (mit freundl. Genehmigung M. Sixtus)

Rivva

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3 Kommentare »

  1. Mario Sixtus sagt:

    Wir holen dann nicht mehr einen klugen, sondern vier kluge Menschen vor die Kamera.

    Warum erinnert mich das an das Podcast Vier Nasen tanken Super? Nur diesmal mit Bild eben.

    Dass Kopfsalat gegen alle Mediengesetze (“Show, don’t tell”) im Fernsehen auch funktionieren kann, hat im vorherigen Jahrhundert Werner Höfer im INternationalen Frühschoppen gezeigt.

    Mario & Julius, ich bin gespannt, was ihr beiden alles ausbrüten werdet!

  2. [...] nein, aus der Verteidigung heraus folgt der Konter der Internmedien und die Stimmung im der Arena dreht sich, der die Anfeuerungsrufe werde deutlich mehr. Wer im Kampf [...]

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