In den Vereinigten Staaten ist die Krise im Printjournalismus noch weiter vorangeschritten als bei uns. So weit, dass jüngst Justin Davidson, Musikkritiker des “New York Magazine”, in einem herrlich polemischen Beitrag die Einrichtung eines von den großen Orchestern, Museen und anderen kulturellen Einrichtungen finanzierten unabhängigen Online-Kunst-Bulletins vorschlug, um den Fortbestand einer nennenswerten unabhängigen und kritischen Berichterstattung über Themen der Hochkultur zu sichern. So weit, dass einige Wochen zuvor Herbert Sandler, Finanzmogul aus Kalifornien, dem Medienprojekt “Pro Publica” 10 Millionen Dollar jährlich versprochen hatte, um den investigativen Journalismus vor dem endgültigen Niedergang zu bewahren. (Man darf allerdings mit Recht fragen, ob diese Aufgabe dort wirklich in guten Händen liegt.)
Überhaupt halten die US-Amerikaner die Erhaltung journalistischer Qualität angesichts des Marktversagens in den Medien für eine Aufgabe des nicht-profitorientierten, aber eben auch nicht-staatlichen dritten Sektors. Trotz der teilweise exzellenten öffentlichen Rundfunknetzwerke NPR und PBS bleibt der Gedanke eines öffentlich-rechtlichen Mediensystems den Amerikanern fremd.


Hallo Herr Lorenz-Meyer,
eigentlich wollte ich ja Ihren Beitrag: “It’s not only the economy” kommentieren, da es dort jedoch nicht möglich ist, mache ich es hier.
Erst einmal: hohes Niveau, hätte mich fast von einem Kommentar abgehalten
Schön fand ich – nebenbei – den Satz: “Das Internet löst die Grenzen zwischen Textformaten und Audio- oder Bewegtbildformaten auf”. Dazu passt doch wunderbar die von Ethority vorgestellte neue Suchtechnologie von Youtube, die Gesprochenes aus Videos in Text transkribiert und für die Suchmaschine zugänglich macht.
Aber ganz allgemein zur Frage Öffentlich-Rechtliche und Internet:
Zentral ist für mich, dass grundsätzlich steuer- oder gebührenfinanzierte Angebote nicht den freien Markt abwürgen dürfen. Kann man aber bei den derart in Bewegung befindlichen Spannungsfeldern “Internet – Information – Journalismus” auch nur annähernd abschätzen, wozu der Markt fähig ist und wozu nicht??? Kann man es überhaupt verantworten, mit Steuern und Gebühren jetzt schon Felder zu besetzen, die vom Markt überhaupt noch nicht erschlossen werden konnten??? Hätte – nur als Beispiel – ein privater Kultursender bei dem Überangebot durch die Öffentlichen überhaupt noch eine Chance??? Sollte man nicht auch den in Not geratenen Journalisten die Zeit geben, sich ev. umzuorientieren und eigene, hochwertige Angebote zu entwickeln? Auch wenn die Blogszene derzeit wieder geprügelt wird, finde ich immer mehr sehr hochwertige und tolle Projekte, aus denen sich ev. in Zukunft ja mehr entwickeln kann – wenn dann überhaupt noch ein Markt existiert!
Ich bin also aus ganz persönlichen Gründen extrem kritisch: Als Texter und Verlagsmensch sehe ich einfach, wie das Informationsangebot von “öffentlichen Stellen” enorm wächst und es für private Anbieter (wie z.B. Verlage) in einigen Bereichen tatsächlich schwer ist, überhaupt noch Informationslücken zu finden (schauen sie sich z.B. mal das Themenfeld Außenwirtschaft an). Das Problem ist klar: diese privaten Anbieter sind meine Auftraggeber, die öffentlichen oder staatlichen Anbieter würden dagegen niemals auf so ein “Kraut-und-Rüben-Gewächs” wie mich zurückgreifen, sondern die großen Agenturen einladen, in deren Freiberufler-Pool man auch erst einmal kommen muss. Man muss also eine Balance finden, und öffentliche Stellen sollten m.E. sehr behutsam vorgehen, bevor sie sich irgendwo einnisten …
Mein Beitrag zur Selbsthilfe ist auch vor wenigen Stunden online gegangen – genauer gesagt war es ein längst fälliger Relaunch : http://www.der-online-journalist.de
Gruß aus Mittelhessen
Wilfried J. Klein
freier Journalist Neue Medien