Der Medienwandel hat uns erfassst … und wir wissen alle nicht so recht, wie das so werden wird, mit den Honoraren, den Gehältern, unserer Arbeit. Das versetzt einen in einen Zustand ständiger und leichter Beunruhigung. Eines ist aber auch klar: Weil viele jetzt ganz einfach viel veröffentlichen können, wird die Orientierungsfunktion des Journalismus immer wichtiger. Wie das praktisch aussieht? Genau so, wie Thomas Wanhoff gerade anmerkte: “Der Onlinejournalist darf, soll und muss recherchieren und eben nicht die Pressemitteilung online stellen und dann dem Leser überlassen, ob er darüber reden mag oder nicht.”

Was aber bedeutet das konkret, wenn man Blogs als Quelle für Geschichten verwendet? Gestern beispielsweise veröffentlichte netzpolitik.org seine erste Pressemitteilung – über die drohende Überwachung im Netz, die nun auch all diejenigen treffen soll, die sich unbedarft Raubkopien aus dem Netz holen. Wichtiges Thema, einigermaßen gründlich aufbereitet von europäischen Netzaktivisten. Was aber fehlte, war nicht nur eine Angabe darüber, wer nun eigentlich hinter diesen Plänen steht, sondern auch eine Schilderung der nun statt findenden politischen Entscheidungsprozesse. Entscheidend dafür war unter anderem eine zeitliche Einordnung der wesentlichen Änderungsvorschläge, über die angeblich am 7. Juli abgestimmt werden soll! Außerdem war überhaupt nicht klar, aus welcher politischen Ecke all diese Vorschläge überhaupt stammten!
Genau die inkriminierten Vorschläge hatten kein Datum, keine Dokumentennummer und waren deshalb auch nicht im offiziellen Paket der rund 800 Änderungsvorschläge zu finden! Eine Abgeordnete, der ich das zeigte, konnte deshalb damit nichts anfangen. Unklar war nämlich, wie aktuell die Vorschläge sind und ob sie nicht längst schon überholt sind, weil in der Zwischenzeit wieder weitere Kompromissvorschläge auf dem Tisch liegen. Eine Luftblase?
Auf Nachfrage erfuhr ich, dass die Änderungsvorschläge wohl erst am Freitag eine eigene Dokumentennummer erhalten sollen. Da im offiziellen Änderungspaket ähnlich lautende Vorschäge enthalten waren, beschloss ich, mit einer entsprechenden Anmerkung, den Artikel bei Heise zu veröffentlichen.
Fazit: Einerseits habe ich mich darüber geärgert, dass die Pressemitteilung so lückenhaft war, andererseits hat genau das wieder gezeigt, dass eine solche Pressemitteilung auch immer nur ein Anreiz für eine journalistische Überprüfung und eine weitere Recherche sein kann. Ich hoffe schwer, dass die Möglichkeit, den entsprechenden zeitlichen Aufwand zu betreiben, im schnellen Medienwandel nicht noch mehr unter die Räder gerät.
Bildquelle: “Media Survey 2008″
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Ich hatte den Artikel auf netzpolitik.org auch “angelesen”, bin aber mitten in der Lektüre wieder ausgestiegen, weil mir zwar die Thematik brisant schien, die Aufbereitung im Artikel selbst aber zu diffus war. Ohne gleich wieder (zu viel) Kritik an der deutschen Blogosphäre üben zu wollen, wäre es in solchen Fällen oft schon gut, der Autor hätte einen Blog-Kollegen, der den Artikel vor dessen Freischaltung gegenlesen würde.
Damit zeigt sich dann auch, dass Bloggen (mit Anspruch auf Relevanz) auf Dauer keine Parallelwelt zum klassischen Journalismus darstellt, sondern im Grunde exakt auf den gleichen Prinzipien beruht (Recherche, Fachkenntnis, Integrität, Qualität…). Nur das genutzte Medium ist eben anders.
So sehe ich das auch. Der Text muss beim Leser bzw. der jeweiligen Zielgruppe ankommen, sonst ist er wertlos. Fatal in diesem Fall fand ich, dass hier Leser aufgerufen werden, an einer Kampagne mitzumachen, die zum Ziel hat Abgeordnete zu überzeugen. Wenn jedoch Abgeordnete damit nichts anfangen können, weil die Quellenlage diffus und unklar ist, ist eine solche Kampagne erst einmal verfehlt.