Die Barack-Obama-Kampagne im Web 2.0

Kooperative Technologien können alle Hauptaktivitäten von Kampagnen unterstützen. Dazu zählt die Entwicklung und Verbreitung von Ideen, das Herstellen von Öffentlichkeit, die Aktivierung und Mobilisierung von Unterstützern sowie die Finanzierung. Die internetaffine Barack-Obama-Kampagne, so prophezeit mein Kollege Lorenz Lorenz-Meyer, wird noch viel Stoff für kommende Forschergenerationen bieten. Denn sie hat es geschafft, ihre Kampagne in allen wesentlichen Punkten durch webbasierte kooperative Technologien zu unterstützen.

Darüber, dass Obama Barack andere Präsidentschaftsanwärter auf diversen Sozialen Netzwerken (“Herstellen von Öffentlichkeit”, “Verbreiten von Ideen”, “Aktivierung und Mobilisierung von Unterstützern”) um Längen ausgestochen hat, wurde schon länglich berichtet. Nochmal die beeindruckenden Zahlen zur Erinnerung: Bei Facebook fand Obama im Juni 2008 fast eine Million Freunde, McCain nur 150.000. Bei MySpace gewann er 400.000 Kontakte gegen 60.000 McCain-Kontakten. Und Freiwillige aka Unterstützer aka Fans stellten in YouTube mehr als 1000 Obama-Clips online, während McCain nurmal 200 für sich einbuchen kann (Anti-McCain-Videos wie das von Paris Hilton nicht eingerechnet).

Noch beeindruckender ist, dass er auch erhebliche Mikro-Spendengelder über die Netzwerke organisieren konnte: Über 250 Millionen Dollar sollen es insgesamt sein, der Großteil sind über das Internet organisierte Kleinspenden. Auch darüber wurde  schon des öfteren berichtet.

Quelle: Xplane

Etwas seltener wurde darüber berichtet, dass wohl auf Initative seiner Unterstützer auch diverse Online-Kollaborationswerkzeuge verwendet wurden. So etwa das Projektkollaborationstool Central Desktop, das während der Vorwahlen als zentrales Werkzeug für die Organisation der freiwilligen Helfer eingesetzt wurde. Ziel war es, deren Selbstorganisation in einzelnen Bezirken sowie die Koordination untereinander zu unterstützen. Speziell kam es vor allem für die Wählermobilisierung in den über 8000 Wahlbezirken des Bundesstaats Texas zum Einsatz (“Aktivierung und Mobilisierung von Unterstützern”).

Die Workspace-Software Basecamp wurde von der Kampagne genutzt, um kollaborativ Inhalte für die Barack-Obama-Website zu erstellen (“Entwicklung von Ideen”) sowie für das Event-Management in New York (“Aktivierung und Mobilisierung von Unterstützern”).

Übrigens: Das Obama-Team füttert auch einen Twitter-Account. Grundsatz hier: Jedem followen, der Obama followt. Aus Prinzip: “Herstellen von Öffentlichkeit”, “Aktivierung und Mobilisierung von Unterstützern”.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
This entry was posted in Zivilgesellschaft and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Die Barack-Obama-Kampagne im Web 2.0

  1. Die schlaue Beobachtung, dass Obamas Kampagne wegen ihres brillianten Internet- und Web 2.0-Einsatzes noch Generationen von PR-Experten und Kommunikationswissenschaftlern beschäftigen wird, stammt nicht von mir, sondern war nur das zustimmende Zitat einer gerade irgendwo gelesenen Überschrift … bei … Spiegel Online…?? (Wenn ja, dann haben die wie üblich von der New York Times abgeschrieben. Aber vermutlich tue ich ihnen gerade unrecht – und es stand ganz woanders… ;-) )

  2. Christiane says:

    Na, jedenfalls hatte ich das zuerst von Dir gehört :) Und ich fand es extrem einleuchtend, weswegen es auch hängengeblieben ist …

Comments are closed.