Auf den Esel gekommen …

Was macht ein Blogger, der mobil unter freiem Himmel bloggen möchte? Und dabei möglichst unabhängig von zivilisatorischen Errungenschaften wie etwa Strom oder Auto sein möchte?  Richtig: Er besorgt sich einen Esel als Lasttier und stattet ihn mit tragaren Solarzellen und einem Laptop aus. GPS darf natürlich auch nicht fehlen, da man ja ab und zu, oder auch ständig Geo-Tags generieren möchte. Und natürlich eine Kamera, um alles zu dokumentieren.

Cristian Bettini tourt derzeit mit einem Esel durch die Niederlande. Ab und zu geht es nicht so schnell voran, wie gewünscht, wie einige Bilder auf Flickr eindrucksvoll zeigen. (Ich vermute mal, dass die Bildüberschrift “Beetje koopig” frei mit “sture Bestie” übersetzt werden kann. :) )

Um die Tour nicht ganz sinnfrei zu gestalten, besucht Bettini mit seinem Esel Grundschulen. Zunächst in den Niederlanden, später kommt er auch nach Deutschland und in weitere europäische Länder. Die Kinder sollen Zeichnungen, Objekte, Fotografien und Video-Aufnahmen ihrer Umwelt anfertigen, die der Esel dann auf seine Reise mitnimmt. Dabei sollen sich die Kinder nicht nur mit den Beiträgen anderer Kinder, sondern auch mit komplexen europäischen Themen wie etwa der Unionsbürgerschaft auseinandersetzen.  Die Ergebnisse, die in einem so genannten Donkeypedia dokumentiert und natürlich auf GoogleMaps geo-vertaggt werden, will Bettin sollen politischen Entscheidungsträgern in Brüssel vorstellen.

Bild:Donkeypedia-450.png

Mehr zu Donkeypedia gibt es bei Rhiz.eu, Flickr, und dem O’Reilly Radar, der über eine Präsentation des Projekts als “only Donkey-enabled mashup” auf der inzwischen berühmten Tagung PICNIC berichtete.

Interessieren würde mich sehr, ob ähnliche Projekte bereits bekannt sind.

Gefördert wird das Projekt übrigens nicht nur von der  Interregeling, einer Kooperation zwischen der Mondriaan Foundation, dem Stimuleringsfonds und dem Filmfund, sondern auch von den “Digital Pioniers“, einem Projektträger, der vom niederländischen Bildungsministerium unterstützt wird. Er fördert seit 2002 Projekte, die soziale Innovationen im und über das Internet voranbringen wollen, mit Mikroförderbeiträgen.

Disclaimer: Für das deutsche Bundesforschungsministerium untersuche ich seit Anfang September zusammen mit Clemens Maier-Wolthausen und Volker Angüeras Gäng bei politik-digital e.V. wie dieses niederländische Fördermodell genau funktioniert und wie es sich sinnvoll auf Deutschland übertragen lassen könnte.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
This entry was posted in Lernen and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.