“Ich dachte, ihr seid Spam.” – über den Versuch, eine Online-Umfrage durchzuführen

Heute habe ich mich wider Willen amüsiert – über den unfreiwillig komischen Rücklauf auf eine Anfrage, ob man an unserer Online-Umfrage teilnehmen wolle. Zusammen mit meinem Kollegen hatte ich in den letzten Wochen einen Online-Fragebogen für eine personalisierte Umfrage entworfen. Auf Englisch. Ausfüllen sollten ihn eine eher überschaubare Anzahl von Leuten, deren Web-Projekte in den letzten Jahren von den “Digital Pioneers” gefördert wurden. Eigentlich, so dachten wir, müsste es sich um Nerds handeln, die ständig irgendwie ihre Mail checken und wohl auch recht schnell reagieren. Und die natürlich ein Opt-In-Verfahren von uns erwarten.

Irgendwie hatten wir aber wohl nicht so den rechten Ton getroffen bzw. irgendwelche uns unbekannten Lesegewohnheiten nicht berücksichtigt. In einem sehr höflichen, eher etwas förmlich gehaltenen Anschreiben stellten wir uns und unsere Anliegen vor und baten um die Einwilligung, dass wir sie mit dem Online-Fragebogen und eventuell einem anschließenden Interview behelligen dürfen. Die Antworten flossen sehr zögerlich ein, aber doch meist aufgeschlossen nach dem Motto: “Hi, schickt uns mal den Link!” Der Rücklauf war jedoch so mickrig, dass wir beschlossen, einfach alle Projektleiter anzuschreiben. Aber der Rücklauf blieb weiterhin spärlich.

Gestern schrieben wir erneut alle an, von denen wir gar nichts gehört hatten (und nachdem wir weitere aktuelle Mail-Adressen über LinkedIn und Facebook recherchiert hatten, da es in den Niederlanden keine Impressumspflicht gibt). Immerhin handelte es sich um zwei Drittel der ursprünglich Angeschriebenen. Diesmal in einem etwas persönlicheren Stil, und vor allem kurz, mit einem Dreizeiler.

Heute trudelten etliche Antworten ein. Eine Antwort lautete: “Ja, habe eure Mail bekommen, aber als ich auf den Link klickte (der Link von politik-digital.de im Footer), war da kein Survey. Da dachte ich mir, das wäre ein Fehler.” Hmm, dachten wir, kann ja mal vorkommen. Gut dass wir nochmal eine Erinnerungsmail los geschickt hatten.

Wenig später trudelte die nächste Mail ein: “Ich hatte eure Mail für Spam gehalten – aufgrund der “blank spaces” in eurer Mail. Außerdem war kein Umfragelink drin. Aber, hey, ihr seid ja gar kein Spam. Klar mache ich mit bei eurer Umfrage.” “Blank Spaces” rätselten wir. Was meint er? Meint er etwa die leeren Zeilen zwischen den Absätzen? Haben wir irgendwie in der Optik unserer Mail etwas Spam-artiges eingebaut? Vielleicht einen Textabsatz zu viel, so dass sie aussah wie eine dieser Mails aus Nigeria? Eigentlich war sie doch nur eine Bildschirmseite (Auflösung 1024×600) groß.

Bei der dritten Mail dieser Art (“Spam?”) werden wir wohl einfach eine Mail an die restlichen Leute losschicken mit dem Link. Einfach klicken. Das dürfte es dann gewesen sein. Oder wäre das dann doch Spam, Umfrage-Spam? Da müssten wir nochmal nachdenken. :)

Bild: dok1/Flickr/CC

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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3 Responses to “Ich dachte, ihr seid Spam.” – über den Versuch, eine Online-Umfrage durchzuführen

  1. blaumann says:

    Zitat: “Eigentlich war sie doch nur eine Bildschirmseite (Auflösung 1024600) groß.”

    Ich schreibe jetzt seit zwanzig Jahren Mails, aber ich lese jetzt zum ersten Mal, daß eine Mail eine “Auflösung” haben soll. Woher wollt ihr denn wissen, wie der Text auf meinem Bildschirm aussieht? Natürlich wandelt mein Mailprogramm alle in HTML verfaßten Mails in Text um, weil mich bei Mails auch nichts anderes interessiert.

    Und woher könnte ein Absender wissen, daß seine Formatierung auf meinem (zB. Telefon-)Bildschirm ohne Scrollen lesbar ist, so daß er eine sinnvolle “Auflösung” vorgeben könnte? Das ist krank. Mails müssen aus absatzmarkiertem, reinem Text bestehen.

  2. Christiane says:

    Natürlich müssen sie das. Aber wenn sie zu lang sind, und jemand die Mail nicht wirklich liest, sondern offensichtlich nur als Bild wahrnimmt, gibt es vielleicht bestimmte Bildmuster, die an Spam erinnern. Uns ist das jedenfalls anders nicht erklärbar.

  3. blaumann says:

    Sorry, offensichtlich ein Mißverständnis. Gemeint war also “bei einer Auflösung von 1024600 nahm die Mail gerade eine Bildschirmseite ein” Nehme alles zurück ;)