Für die UN haben Kartographen der Universität Bonn einen Online-Routenplaner für Haiti entwickelt, der auf offenen Geodaten aufsetzt. Die Karibikinsel wurde vor einem guten Monat durch Hurrikan “Ike” verwüstet, der auch zahlreiche Brücken und Straßen zerstört hat. Jetzt können Hilfstruppen dezentral via Internet gesperrte Gebiete erfassen.
Der Routenplaner berücksichtigt diese dann bei der Berechnung der schnellsten Wegstrecke für Hilfstransporte. Hierfür greift er auf frei verfügbare Geodaten zurück, die von zahlreichen Freiwilligen erfasst wurden. Google Maps und Yahoo bieten derzeit für Haiti keine Routenberechnung an.
Screenshot des Routenplaners www.OpenRouteService.org. Der rot eingezeichnete Bereich ist gesperrt und muss umfahren werden. (c) Universität Bonn
Die Bonner Geographen beschäftigen sich bereits seit Jahren mit offenen Geodaten. Speziell für das aktuelle Projekt hatte Pascal Neis bereits im Jahr 2006 während seiner Diplomarbeit die entsprechenden Vorarbeiten geleistet. Er nutzt für die Streckenberechnung frei verfügbare Geodaten des Projektes “OpenStreetMap“, das von zehntausenden Freiwilligen mit GPS-Daten gefüttert wird. Sie erfassen Koordinaten von Straßen, Telefonzellen, Restaurants oder Kinderspielplätzen und spielen diese Daten auf den OpenStreetMap-Server.
In Deutschland macht der OpenRouteService dem bekannten Konkurrenten GoogleMaps, der seinerseits vor allem auf kommerzielle Daten setzt, bereits Konkurrenz. Doch für Länder wie Haiti sieht die Datenlage spärlicher aus. Die Bonner haben daher eine eigene Datenbank aufgebaut. Pascal Neis: “Sie enthält zusätzlich noch Kartendaten aus anderen Quellen, die uns die UN zur Verfügung gestellt hat.” Auf Wunsch der Vereinten Nationen haben die Forscher zudem weitere nützliche Funktionen integriert: Beispielsweise können die Hilfstruppen in ihrem Internetbrowser mit der Maus Gebiete einzeichnen, die derzeit nicht befahrbar sind, oder als Datei in die Geodatenbank laden. Diese werden dann bei der Routenplanung berücksichtigt. Noch ist die Haiti-Version nur für die UN zugänglich.
Die Bonner hatten bereits 2001 das Open-Source-Projekt Degree für Geoinformationsdaten gegründet, das die bislang umfangreichste Implementierung von Standards des Open Geospatial Consortium (OGC) und der Internationalen Standardisierungsorganisation ISO vorweisen kann. 2005 stellten sie bereits ein Projekt für “offenes Katastrophenmanagement” vor.

