Online arbeiten mit Chrome

Googles Chrome-Browser ist ja nun schon seit einiger Zeit verfügbar. Entwickelt wurde er dem Vernehmen nach vor allem für kollaborativen Anwendungen im Netz. Ideal also für mich, da ich im Moment fast ausschließlich mit Wikis, Webmails und anderen Online-Anwendungen arbeite und Desktop-Anwendungen nur noch ausnahmsweise nutze.  Hier nun mein Erfahrungsbericht aus den letzten Wochen:

Hilfreich war, dass Chrome alle Lesezeichen aber auch Nutzerkennungen und Passwörter aus dem Firefox einwandfrei importiert hat. So konnte der Umstieg fast nahtlos erfolgen.

Das Arbeiten im MediaWiki funktioniert mit Chrome weitgehend problemlos. Das einzige, was etwas stört, ist, dass sich das Bearbeitungsfenster nicht nahtlos in mein Fenster einpassen lässt, so dass ich zum Speichern immer etwas nach unten Scrollen muss. Außerdem ist es etwas irritierend, dass die Bearbeitungsleiste, mit der sich der Text formatieren lässt, überhaupt nicht angezeigt wird.

DokuWiki hat dieses Problem nicht. Hier lässt sich das Bearbeitungsfenster mit einem Klick genau in das Bildschirmfenster einpassen. Dafür gibt es ein anderes, schwerwiegenderes Problem: Die Bearbeitung von Zeichen wird nicht in Echtzeit angezeigt. Das heißt, wenn man einen neuen Text in einen bestehenden Text einfügt, kann man nur mit einer erheblichen Zeitverzögerung sehen, wie sich der Text dahinter weiter nach hinten bewegt. Umgehen lässt sich das ganz einfach, indem man einen Zeilenumbruch einfügt. Aber lästig ist das trotzdem.

Ich habe in der letzten Woche einen Online-Fragebogen bei Globalpark erstellt. Eine sehr schicke ASP-Software, die ich an dieser Stelle allen empfehlen kann, die etwas umfangreichere Online-Umfragen erstellen wollen. Vergleichbar ist sie mit dem Anbieter 2Ask. Beide gehen problemlos mit mehrstufigen Filterfragen und Matrix-Fragen um, was günstigere oder kostenlose Anbieter meines Wissens nach nicht können. Mit Chrome tauchte allerdings das Problem auf, dass sich bestimmte Unterfenster innerhalb der Bildschirmseite nicht öffnen ließen. Ob das an einem Javascript liegt? Mit Firefox ging es jedenfalls problemlos.

Ein Kollege stellte noch fest, dass die Standardschrift, die Chrome verwendet, schwerer lesbar ist, als die Standardschrift von Firefox.

Positiv finde ich bis jetzt, dass das Anzeigefenster so groß ist. Besonders nützlich ist das, wenn man ein kleines Netbook mit einer Bildschirmauflösung von 1024×600 Px verwendet. Hier muss man mit dem Firefox immer die Vollbildanzeige verwenden, um vernünftig arbeiten zu können. Bei Chrome ist das kein Problem.

Was mich irritierte, ist dass die Browser-History ohne weiteres standardmäßig gespeichert wird und sich in einem ersten Schritt nur tagesweise löschen lässt.

Für den Arbeitsfluss störend stellte sich bei mir heraus, dass Chrome keine Tools implementieren kann. So brauche ich regelmäßig das del.icio.us-Tool, um Fundstellen abzuspeichern. Zur Zeit verwende ich außerdem sehr oft das Übersetzungstool von Google, um mir niederländische Seiten ins Deutsche übersetzen zu lassen. Auch das geht mit Chrome nicht so ohne weiteres. Dies führte dazu, dass ich auf meinem Netbook sowohl mit Chrome, als auch mit Firefox parallel gearbeitet habe. Nicht unbedingt sinnvoll.

Mein Fazit: Für Anwender, die mit Geräten mit einer höheren Bildschirmauflösung arbeiten, lohnt sich meiner Meinung nach der Umstieg nicht. Es gibt noch zu viele Brüche, die ein reibungsloses Arbeiten behindern. Da spielt es auch keine Rolle, dass Chrome wesentlich schneller als Firefox startet. Denn während des Arbeitens ist das nicht mehr wesentlich spürbar.

Wie geht es Euch mit Chrome? Gehört Chrome schon zum alltäglichen Handwerk?

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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