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Robin Meyer-Lucht startet Politik-Blog

Von Christiane Schulzki-Haddouti • 27.Oktober 2008 • Kategorie: Medien

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Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht, der sich in den letzten Monaten mit scharf analytischen Beiträgen zum Medienwandel einen Namen gemacht hat, ein Blog zulegt. Carta (Beta) heißt es und ist, dezent mit Werbebannern bestückt, seit einigen Tagen online. Zielgruppe sind die zwei Millionen Akademiker zwischen 25 und 55 Jahren. (Nur zwei Millionen?)

Ein paar Editierleichen gibt es noch zu finden, ansonsten jedoch hat es schon die Anmutung eines anspruchsvollen Online-Magazins, dessen Rubriken bereits ahnen lassen, wie Meyer-Lucht das Blog in den nächsten Monaten primär als Politik-Blog weiterentwickeln will. “Bundestagswahl 2009″ etwa lässt erahnen, dass er die Wahlen mit einigen Gastautoren kritisch begleiten will. Den Gießener Politologen Christoph Bieber etwa hat er schon für einen längeren Gastbeitrag gewinnen können.  Aber auch die Finanz- und Gesundheitspolitik könnten hier neben der Medienpolitik eine prominente Rolle spielen. 

Inhaltlicher Schwerpunkt des Blogs ist im Moment jedoch, das zeigen die Tags, der Medienwandel und die ihn (kaum) begleitende Medienpolitik. Dabei spielt auch die Frage des nur noch unter erschwerten Bedingungen möglichen Qualitätsjournalismus eine Rolle. Wohl deshalb gibt es auch eine Rubrik “InvestiJourn“, in der Autoren selbst  auf ihre anderen Orts erschienenen investigativ recherchierten Beiträge hinweisen können. Carta-Autoren sollen im übrigen an den Werbeeinnahmen beteiligt werden.

Ein kleiner Paukenschlag gelang Meyer-Lucht schon in den ersten Tagen: Er zitierte Matthias Harbort, als Ministerialrat für die “Initiative Nationale Printmedien” im Bundeskanzleramt verantwortlich, mit den Worten: 

“Wenn ich morgens ins Büro komme und mich über die Nachrichtenlage informieren will, schaue ich ins Internet. Zeitungen spielen da quasi keine Rolle mehr.”

Matthias Harbort, so legt Meyer-Lucht in einem Nachsatz nach, lege jedoch Wert auf die Feststellung, dass Zeitungen noch immer einen sehr wichtigen Teil in seinem Medienmix darstellen würden.

Für Meyer-Lucht hat die Initiative die falsche Gewichtung. Es ginge darum, den Qualitätsjournalismus zu bewahren und sich den “medienpädagogischen und strukturpolitischen Herausforderungen einer On-Demand-Gesellschaft” zu stellen. Könne die Initiative dies nicht leisten, bleibe sie eine reine Geldverschwendung.

Das alles liest sich schon sehr verheißungsvoll – ich bin wirklich sehr, sehr gespannt, wie sich Carta angesichts des avisierten Themenspektrums entwickeln wird! 

 

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5 Kommentare »

  1. In der Schweiz mache ich die Beobachtung, dass bestimmt die “Nachrichtenlage” im Internet besser zu überblicken ist. Um mich aber über den “Stand der Diskussion” zu informieren, da sind nach wie vor die Printmedien wichtig. Weil viele Verlagshäuser Gratiscontent im Internet und Gratisprint unters Volk werfen, aber hochstehende journalistische Leistungen nur im bezahlten Print anbieten. Zum Beispiel hat sich Adolf Muschg vor dem 1. August “Zur Lage der Nation” geäussert im “Tages-Anzeiger”. Der Artikel war – vorerst – im Internet nicht erhältlich (was auch mit den Wirrnissen um das “newsnetz” zusammenhängen könnte) es gab zwei Repliken im Print (wieder ohne Internet-Spiegelung). Am 6. August dann erscheint der Artikel von Muschg auch im Newsnetz unter allen drei Titeln (Tagesanzeiger, Bernerzeitung und Baslerzeitung). Die entsprechenden Repliken aber wurden meines Wissens nie online gestellt. Der “Tages-Anzeiger” war mit seinem fürheren Online-Auftritt grosszügiger, es wurden solche Diskussionen zu “Dossiers” zusammengefasst. Nun scheint man bei Tamedia erkannt zu haben, dass man zwei Bedürfnisse befriedigen muss: Den Internetpöbel, der sofort die Nachricht haben will und eine niederschwellige Kommentarfunktion (höchstens 400 Zeichen) und das “geistig rege Publikum”, das eine Debatte verfolgen und über Print-Leserbriefe kleinräumig, Adressatengerecht beeinflussen will.
    Interessant ist, wie die deutsche Presse aus der impressionistischen Zusammenfassung von über 400 “Pöbel-Kommentaren” dann ein “Stimmungsbild aus der Schweiz” konstruiert, das weit weniger qualifiziert ist, als wenn man eigene Recherchen anstellen würde oder Print-Leserbriefe abwarten würde. Es findet ein ständiges downgrading der Aesserungsschwelle statt. Die Kommentarfunktion im “newsnetz” ist das scheindemokratische Aequivalent zu den “Brüllshows” des deutschen “Unterschichtsfernsehen” am Nachmittag. Newsnetz löst so die Marken “Tagesanzeiger”, “Baslerzeitung” und “Bernerzeitung” auf, denn im Internet gibt es nur einen einheitlichen Nachrichten- und Kommentar-Brei der in die drei verschiedene Layout-Wursthäute gestopft wird. Wer aber Debatten führen will, wird weiterhin auf Print setzen, wo es immer noch möglich ist zu sagen “Muschg am 24. Juli im Tagesanzeiger”, “Lötscher am 16. Oktober in der NZZ”. Der Print gibt durch seine Bedächtigkeit erst Substanz in die Aesserungen, während man im Netz schon verchiedentlich beobachten konnte, wie “Nichtnachrichten” und “Missverständnisse” in Windeseile durch die Blogosphäre geschleift und zu riesigen Elefanten aufgeblasen wurden.

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