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Schnell, schnell – die Nachricht muss raus!

Von Christiane Schulzki-Haddouti • 29.Oktober 2008 • Kategorie: Medien

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Heute mal wieder auf einer Pressekonferenz gewesen. Diesmal war es die der Deutschen Telekom. Ihr neuer Datenschutz-Vorstand Manfred Balz, bis vor 8 Tagen noch Chefjustiziar der Telekom, hatte nicht nur mit wohlfeilen Worten über ein geläutertes Verständnis von Datenschutz als Qualitätsservicemerkmal aufzuwarten, sondern auch mit einem weiteren Skandal:

Auf der Suche nach dem Dieb der 17 Millionen Kundendaten der T-Mobile hatten sich die Mitarbeiter der internen Sicherheitsabteilung ein weiteres Mal in der Wahl der Mittel vergriffen – und die Verbindungsdaten potenzieller Täter ausgewertet. Dabei kamen ihnen wohl auch die Kollegen bei den Wettbewerbern zur Hilfe. Die fünf übereifrigen Mitarbeiter wurden bis aufs weitere in den “Erholungsurlaub” geschickt.

Der Pressesaal war bis zum letzten Stuhl besetzt. Manche Kollegen hatten nur einen Notizblock mit Audiorekorder dabei, andere wie ich ein kleines Netbook. Ich schrieb alles fleißig mit und hatte mir zuvor schon relevante Textpassagen zurecht gelegt. Gegen 12 Uhr war die Konferenz zu Ende, ich fuhr nach Hause und setzte mich nach einer Tasse Kaffee an die Zusammenfassung für heise. Um 13.30 war ich schließlich fertig und schickte mein Opus ab. Danach guckte ich mal, was die Kollegen so verfasst hatten – bzw. wie ich so im Rennen lag. Ich war ehrlich gesagt etwas beeindruckt, dass etwa 98 Kollegen schneller gewesen waren. Die Tasse Kaffee hätte ich mir wohl sparen müssen.

Hatten sie aber denn in der Eile auch die richtigen Details notiert und in den Text gepackt? Tatsächlich titelte “Welt online” 48 Minuten schneller als ich: “Telekom entlässt Mitarbeiter nach Datenskandal”. Das war aber offensichtlich zu schnell getitelt. Es war ja keine Entlassung, sondern nur eine Beurlaubung. “Welt online” war aber nicht das einzige Blatt – eine Reihe weiterer Blätter sprach ebenfalls von Entlassung. Nur bei Google News sind sie jetzt, fünf Stunden später nicht mehr zu finden – sie haben den Fehler korrigiert und sprechen nur noch von “Beurlaubung”.

Ein weiteres Detail der Geschichte ist in der Hektik, der erste zu sein, bei den meisten der Schnellmelder ebenfalls untergegangen: Ein Hauptverdächtiger wurde bereits ermittelt. Jetzt, etwa fünf Stunden später gibt es laut Google News immerhin 58 Blätter, die ihn erwähnen.

Dennoch ist das meiner Ansicht nach nicht der Kern der Geschichte. Es geht nicht darum, welche personellen Konsequenzen gezogen werden (was Herrn Balz eher schmeichelt), sondern darum, dass selbst die Aufklärung des Falls mit den falschen Methoden erfolgt ist und dass offenbar die Verbindungsdaten für die Sicherheitsabteilung nicht nur bei der Bespitzelung der eigenen Leute die Methode der Wahl sind. Der richtige Titel wäre also meiner Meinung nach Rechtsbrüche bei Fahndung nach Telekom-Datendieben.

Schön finde ich es, dass meine Meldung trotz etlicher Verspätung bei Google News mit meiner Meldung nun an erster Position steht (mit dem titelneutralen Suchwort “Balz”). Ein wenig Zeit kann man sich also doch lassen, trotz aller schnellen Agenturmeldungen.

Bild: Telekom

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4 Kommentare »

  1. [...] Christiane Schulzki-Haddouti schreibt an einem aktuellen Beispiel über die Risiken und Nebenwirkungen des “hyperschnellen”, dafür aber um so oberflächlicheren Online-Journalismus. Oktober 30, 2008 | abgelegt unter Links I Like, Media  [...]

  2. “Wahrheit braucht Zeit”, heißt es ja in einem immer wieder gern zitierten Spruch (m.W. erstmals von Harry Pross 1982).

    Zwar sagen die Konstruktivisten, dass es keine Wahrheit gibt, dass diese nur ein Konstrukt der (Medien-)Wahrnehmung ist. Bei eindeutigen Fehlern aufgrund von hermeneutischen Fehlleistungen wird aber immer wieder deutlich, dass es diese Messlatte Realität doch gibt.

    Vielleicht muss ja die alte Agenturregel “Get it first, but first get it right” für den Netzjournalismus abgeändert werden in: “Get it as 99th, and cheer that you are right.”

  3. Das ist klasse. Genau das hätte hier die Überschrift sein müssen. :)

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  4. [...] kooptech.de: Schnell, schnell – die Nachricht muss raus! [...]