Alarm im Amt

In der aktuellen Ausgabe der ehrwürdigen Zeitschrift “Das Parlament” durfte ich mir überraschenderweise ein wenig den Frust von der Seele schreiben, der sich bei mir in den letzten Jahren beim Thema “Sicherheit” aufgestaut hat.

Kern der Geschichte “Alarm im Amt” ist eigentlich mein jahrelanges vergebliches Bemühen herauszufinden, ob Angriffe mutmaßlicher chinesischer Hacker auch in deutschen Amtsstuben bekannt seien. Die Behörden mauerten zwei Jahre lang, bis der Spiegel sie in eine Titelgeschichte über die “gelbe Gefahr” schließlich als gefällige Anekdote einstreute – aber leider leider auch nur anriss, aber nicht wirklich weiter recherchierte. Im Artikel stand:

Der Feind, schilderte Remberg, kam fast jeden Tag aus Lanzhou in Nordwest-China, aus Kanton im Süden und aus Peking. Er tarnte sich als Word-Datei oder als Powerpoint-Vortrag; wenn man ihn anklickte, infizierte er den Rechner. Und: Der Feind war hier, er war ins Berliner Regierungsviertel eingedrungen. 
Die digitale Armee bestand aus Trojanern, unsichtbaren Computerspähprogrammen. Dahinter steckte offenbar der chinesische Staat, eine Gruppe von Hackern, die Remberg der chinesischen Volksbefreiungsarmee zurechnete; eine Umleitung über Computer in Südkorea sollte die Herkunft verwischen.

Das Schema entsprach fast haargenau dem, was der “Guardian” fast zwei Jahre vorher wesentlich detaillierter berichtet hatte – und was IT-Sicherheitsexperten in Folge schwer beunruhigte. Nur richteten sich die Angriffe auf das britische Unterhaus. Weitere Hinweise zu einer möglichen Gefahr hierzulande hatte ich nur unter der Hand erhalten. Nicht zitierfähige Anekdoten über schwitzende und fluchende Beamte, die einen neugierige chinesische Delegation wochenlang durch die Räumlichkeiten der Sicherheitsbehörden begleiten mussten, oder über Trojaner-Mails aus französischen und israelischen Staatsquellen in deutschen Ministerien. Aber keine handfeste Geschichte.

Als ich im Frühjahr 2007 sicher war, bei Reden von Schäuble & Co zum Thema “Wirtschaftsspionage” immer nur “China” zu hören, bekam ich auf eine direkte Nachfrage meinerseits von einem hochrangigen Vertreter des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu hören: “Fragen Sie doch den Verfassungsschutz.” Dabei führte das BSI just zu dieser Zeit die größte Fahndungs- und Säuberungsaktion durch, die das Regierungsnetz bis dato je gesehen hatte. 

Die Geschichte, wie es damals wirklich zuging, wurde bis heute nicht geschrieben. Es wäre langsam an der Zeit. Die dank der Offenheit der britischen Behörden fein recherchierte Reportage des ”Guardian” wäre ein gutes Vorbild.

Bild: Flickr/gutter


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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