Fallbeispiel: Öffentlichkeitsarbeit in der Literaturforschung

Ich möchte auf eine Art von Öffentlichkeitsarbeit für die Literaturforschung aufmerkam machen, die ich sehr hilfreich finde. Seit einiger Zeit erhalte ich per Mail den “Rundbrief zu Ida von Hahn-Hahn”, den Hans-Joachim Griephan vom Fritz-Reuter-Literaturarchiv Berlin seit einigen Monaten herausgibt. Anlass des Rundbriefs war der Erwerb des Brief- und Manuskript-Nachlasses von Ida Hahn-Hahn, der sich zuvor im Familienarchiv der Grafen Hahn in Neuhaus/Holstein befand.

Den Rundbrief finde ihn in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: Er richtet sich an Wissenschaftler und Personen, die sich mit Ida von Hahn-Hahn beschäftigt haben oder dies noch tun. So kam auch ich in den Genuss, da ich mich 1995 in meiner Diplomarbeit mit einem Vergleich der Orient-Reiseberichte der bürgerlichen Reisenden Ida Pfeiffer und der aristokratischen Reiseschriftstellerin Ida von Hahn-Hahn beschäftigt hatte, die Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu zur selben Zeit dieselbe Route genommen hatten. (Exkurs: Während Pfeiffer sehr nüchterne Alltagsbeschreibungen verfasste, mit denen sie ihre Reisen finanzierte, schrieb Ida von Hahn-Hahn recht leidenschaftlich, teilweise etwas überhöht über ihre Erlebnisse. Man muss wissen, dass sie zur damaligen Zeit “die deutschsprachige Bestseller-Autorin” schlechtin war, während Pfeiffer später zu “der Weltreisenden” wurde, die sogar einen Abstecher zu mutmaßlichen Kannibalen nicht scheute.) Weil meine Arbeit noch immer im Netz ist jahrelang im Netz war, wurde ich ausfindig gemacht und kontaktiert. Chapeau!

Hans-Joachim Griephan informiert den Adressatenkreis immer dann, wenn eine Arbeit oder Presseveröffentlichung zu Ida Hahn-Hahn erschienen ist. Das ist ein sehr angenehmer Service für diejenigen, die sich akut mit dem Thema befassen, da man selbst nicht immer sofort über die neuesten Publikationen kommt. Ich hatte damals über ein Jahr per Fernleihe mir sämtliche Veröffentlichungen besorgen müssen – und mich quasi nur per Fußnotenverweise durch die Literatur ge”crawl”t.

Ein solcher Rundbrief ist also eine sehr praktische, hilfreiche Sache. Besser noch fände ich es natürlich, wenn er als Blog erscheinen würde. Dann ließen sich seine Inhalte später auch besser durchsuchen. Aber so lange das Archiv nicht einmal eine Website hat, ist der Newsletter sicherlich die beste Lösung. Das Beispiel zeigt übrigens auch, dass “Social Media” noch längst nicht so verbreitet ist, wie man annehmen könnte, wenn man sich tagtäglich damit beschäftigt. Deshalb hier auch der Hinweis auf das einfache Instrument “Newsletter”, der sicherlich ein sehr schöner erster Schritt ist.

P.S. Gerade fiel mir auf, dass meine Diplomarbeit, die ich seit 1996 bei members.aol.com hatte, seit dem 31.Oktober offline ist. AOL hat, den verzweifelten User-Kommentaren zufolge, wohl ohne große Vorwarnung den kompletten Mitgliederbereich, zu dem auch hometown.aol.com gehört, einfach gelöscht. Ein Grund mehr, die Arbeit möglichst bald der Deutschen Nationalbibliothek zu melden, die wohl ein dauerhaftes Verbleiben sichern wird.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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