Wie misst man den Erfolg von Web-Projekten?
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 04.November 2008 • Kategorie: Methode1,240 views • 2 Kommentare
Eine kleine Frage an meine verehrte Leserschaft: Wie misst man einigermaßen zuverlässig den Erfolg von Web-Projekten, wenn man nicht über interne Daten wie UV (Unique Visitors) und PI (Page Impressions) verfügen kann? Wenn hinzu kommt, dass die Projekte eher klein und teilweise nicht mehr aktiv sind, so dass auch eine Nutzerbefragung wenig aufschlussreiche Daten ergeben würde? Bei den Projekten handelt es sich nicht um Blogs, deren Erfolg man über Parameter wie die Technorati-Autority oder die Rivva-Leitmedien messen könnte.
Dass Alexa nur Trendhinweise hinsichtlich Visits liefern kann, ist bekannt. Vor einiger Zeit bin ich über eine wissenschaftliche Publikation gestolpert, die für die Gewichtung von Websites einfach den Google-Backlink hergenommen hat. Als ich das selbst für zahlreiche Websites durchführte, merkte ich, dass sich die Links im Laufe weniger Wochen stark verändern. Man müsste also alle Backlinks an einem Tag erheben, um eine vergleichbare Datenbasis zu erhalten.
Problematisch ist, dass Google offenbar nicht alle Backlinks anzeigt, und dass man nicht wirklich abschätzen kann, ob die unvollständige Anzeige die Websites in gleichem oder unterschiedlichem Maße betrifft [1]. Gleichwohl stellt Google mit dem Webmaster-Tool [2] ein Werkzeug zur Verfügung, das die Verlinkung einer Website umfassend darstellen kann – genutzt werden kann es aber nur durch diejenigen, die die Website selbst betreiben.
Wie akzeptiert ist jedoch der Backlink als externe Messgröße überhaupt? Und welche Alternativen gibt es?
Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
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Da habe ich zwei Gedanken:
1. Dass man den Erfolg eines Projektes nur messen kann, wenn man seine Ziele kennt. Wer soll erreicht werden? Was soll erreicht werden etc.? Kann ja sein, dass nur eine ganz kleine, eher passive (= nur lesende) Zielgruppe erreicht werden soll. So Dinge wie Verlinkungen sagen IMO deshalb wenig über die Wirkung / das Erreichen eines Kommunikationsziels aus (Ausnahme: bei Blogs). Damit muss man aber zum Schluss kommen, dass man von außen betrachtet mit den genannten Verfahren wenig Hilfreiches über den Erfolg eines Webprojektes erfahren kann.
2. Dass man von außen betrachtet aber sehr wohl untersuchen kann, ob ein Projekt dem Stand der Kunst bzw. den Erwartungen der User entspricht. Beispiel: Wenn ich anhand von Journalistenbefragungen konstruiere, wie der ideale Pressebereich einer Unternehmenswebsite aussieht, kann ich durch eine Inhaltsanalyse messen, inwiefern ein bestimmter Pressebereich diese Kriterien erfüllt. Oder ich befrage direkt die Zielgruppe – wenn die sich so einfach erschließt wie im genannten Beispiel.
Aber heute den Erfolg nicht mehr aktiver Projekte zu messen, erscheint mir seltsam. Denn das Netz und seine Nutzer verändern sich so rasend schnell, dass man höchstens noch herausbekommen kann, wie groß die Eisscholle heute noch ist, aber unklar bleibt, wie viel davon schon geschmolzen ist bzw. wie groß sie mal war.
Oder unterliege ich da jetzt einem Denkfehler?
Nein, ganz und gar nicht. Das Schweigen hier im Kommentarbereich spricht auch Bände…
Letztlich habe ich ein Sample von über 100 Websites und ich weiß auf ein paar Monate genau, wann sie an den Start gegangen sind. Da immer etwa 6 bis 10 Projekte im selben Zeitraum gestartet sind, kann ich diese durchaus gruppenweise mit Backlinks vergleichen. Das geht aber dann nicht mehr, wenn das Projekt von vornherein befristet war. Ich sehe als0 mit Hilfe von Backlinks nur, welche Projekte auch heute noch gut rezipiert werden und kann daher sagen, welche Projekte auch heute noch erfolgreich sind. (NB: Google scheint da, anders wie Yahoo, sehr restriktiv zu sein, denn ältere Links werden meiner Beobachtung nach nur noch bereinigt angezeigt, während Yahoo wesentlich mehr Backlinks anzeigt.) Für eine grafische Darstellung wiederum ist mir die Aussagekraft der Backlinks zu dünn. Sie sind letztlich nur eine Hinweishilfe, die man dann qualitativ ergänzen muss – durch eine Beschreibung dessen, was man selbst sieht, sowie einem Vergleich des ursprünglichen Projektziels und des Ergebnisses. Natürlich gibt es noch die Selbsteinschätzung der Projektbetreiber (die aber nicht unbedingt zuverlässig sein muss). Aber die Zielgruppen zu befragen ist bei 100 diversen Projekten irgendwie nicht drin.
Ein vorläufiges Ergebnis kann ich schon sagen: Ich habe alle Projekte zunächst qualitativ beschrieben und so eine gewisse Einschätzung hinsichtlich ihres Erfolgs erhalten. Es gab daher nur eine Handvoll von Projekten, deren Backlinks mich wirklich überrascht haben. Insofern waren die Backlinks auch ein Hinweis, sich diese Projekte noch einmal genauer anzusehen. Insofern sehe ich die Backlinks schon als wertvolle Hinweisgeber.
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