Bloggen als Fulltime-Job – Interview mit “Stylespion” Kai Müller

Kai Müller widmet sich seit kurzem den ganzen Tag seinem sehr erfolgreichen Blog Stylespion – und hat dafür seinen Job als Webdesigner aufgegeben. Anlass, für ein paar neugierige Nachfragen.
Christiane Schulzki-Haddouti: Es ist etwas ungewöhnlich, in Zeiten der Krise einen festen Job aufzugeben, um sich seinem Blog hundertprozentig widmen zu können. Warum ist das Bloggen denn für dich der sicherere Job?

Kai Müller: Gegenfrage: wann ist denn die richtige Zeit, sich selbständig zu machen?
Meine Entscheidung fiel schon vor längerem. Dass es aus finanzieller Sicht sicherer ist, habe ich nie behauptet. Geld ist zwar wichtig, aber Entscheidungen die nur darauf beruhen, waren bisher nicht unbedingt die besten in der Geschichte.

Ich musste abwägen, ob ich die investierte Zeit in StyleSpion.de zurückschraube, oder ob ich das Projekt noch weiter voran treiben will. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Ich denke, viele unterschätzen den Aufwand, den ein funktionierendes Blog mit sich bringt. Wenn man von Recherche über Design, technische Umsetzung bis hin zur Beantwortung aller Mails und Kommentare alles selbst macht, ist das durchaus ein Fulltime-Job. Und in der Aufzählung fehlt noch das Schreiben der Beiträge…

Christiane Schulzki-Haddouti: Wenn es so gut läuft, scheint es auch mit den Werbeeinnahmen gut zu klappen. Was ist dein Erfolgsrezept?

Kai Müller: Ich habe kein Erfolgsrezept. Auf StyleSpion.de geht es oft um Dinge die man kaufen kann. Das ist etwas anderes, als ein Schäuble-Watchblog, oder ein Blog, das sich mit Start-Ups beschäftigt (OK, Start-Ups kann man auch kaufen). Dadurch hatte ich eigentlich fast von Anfang an Anfragen von Werbetreibenden, die Banner schalten wollten. Bisher war keine Akquise notwendig.

Christiane Schulzki-Haddouti: Wie hat sich dein Blog entwickelt? Was war deine ursprüngliche Idee? Und wo waren starke “Aha!-Erlebnisse?

Kai Müller: Die ursprüngliche Idee war eine Website, die bezahlbare Einrichtungsideen vorstellt. Eine Anlaufstelle für Leute, die ein normales Einkommen haben und mit diesem Budget hübsche Sachen für ihre Wohnung möchten. Ich habe von Anfang an Wert darauf gelegt, nicht einfach alles zu veröffentlichen, was mir in die Finger kommt – sondern ausschließlich Ideen und Produkte untergebracht, die mir selbst gefallen. Mit der Zeit habe ich auch meine anderen Hobbys wie etwa Musik, Design und Fotografie integriert. Das Hauptkriterium ist geblieben: nur Sachen vorzustellen, die mir selbst gefallen.
Was mir selbst an StyleSpion.de gefällt ist die Tatsache, dass die Seite etwas unter dem Radar der üblichen “Blogosphäre” läuft. Dadurch habe ich trotz hoher Reichweite meine Ruhe. Meine Themen werden nicht von vielen Blogs in Deutschland bedient.

Christiane Schulzki-Haddouti: Wie sieht deine Vision heute aus?

Kai Müller: Meine Vision? Ich habe keine Visionen.

Christiane Schulzki-Haddouti: Welche Themen oder Formate laufen bei dir am besten?

Kai Müller: Wenn ich das vorher wüsste. Prinzipiell funktionieren Beiträge gut, die eigenständigen Inhalt haben. Beispielsweise die Serie “15 + 1 Fragen”, die sich mit Menschen und der Art, wie sie leben, beschäftigt.

Christiane Schulzki-Haddouti: Welche neuen Formate möchtest du demnächst ausprobieren?

Das möchte ich noch nicht verraten.

Christiane Schulzki-Haddouti: Wird es irgendwelche Spin-Offs geben?

Ja, also ich meine “könnte sein”.

Christiane Schulzki-Haddouti: Wie stark planst du deine Postings?

Kai Müller: Ich plane nicht sehr lange, da mir schlicht und einfach die Zeit dafür fehlt(e). Ich halte nicht viel von langen Beiträgen. Man sollte sich im Netz möglichst kurz fassen, die Dinge auf den Punkt bringen.
Ich kann über Musik viele Absätze schreiben, und dabei nichts sagen. Ich kann aber auch schreiben “Hey, die Band ist der Wahnsinn – hört euch das mal an”, und 90 Prozent der Leser werden sich zumindest kurz das eingebettete Video ansehen und sich dadurch ihre Meinung bilden.

Christiane Schulzki-Haddouti: Du zeigst viele Bilder – wie klärst du die Rechte ab?

Kai Müller: Das, was in der Regel Probleme mit sich bringt, mache ich nicht: Beiträge veröffentlichen, die nur zum Schmuck mit einem Foto garniert werden. Hierfür nutze ich ausschließlich eigene Fotoarbeiten.
Wenn ich Produkte, Designs oder Ähnliches vorstelle, erfolgt der Credit durch dieVerlinkung im Beitrag, Brands und Namen werden ebenso im Beitrag hinreichend genannt.
Wenn ich Fotografen vorstelle, dann verweise ich innerhalb des Beitrages logischerweise auf das Portfolio des Fotografen. Die zur Veranschaulichung eingebundenen Arbeiten stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit dem vorgestellten Fotografen. Oftmals schreibe ich gerade unbekannteren Künstlern eine kurze Mail, dass ich sie auf StyleSpion.de vorgestellt habe – bisher hat sich noch niemand beschwert, und ich wüsste auch keinen Grund dafür.

Christiane Schulzki-Haddouti: Schon mal eine Abmahnung erhalten?

Kai Müller: Nein. Ist es nicht schade, dass man bei Blogs automatisch an Abmahnungen und Copyright-Verletzungen denkt?

Christiane Schulzki-Haddouti: Auf jeden Fall! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und weiterhin gute Ideen!

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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4 Responses to Bloggen als Fulltime-Job – Interview mit “Stylespion” Kai Müller

  1. Schön Bodeständig ist der Kai Müller geblieben und das ist auch gut so. Lese seinen Blog seid gut Einem Jahr und kommentiere hin und wieder, wenn ein Artikel mich interessiert. Blogs solcher Art sollte es mehrere geben…

  2. Pingback: Warum 2008 cool war, und 2009 bestimmt noch besser wird - StyleSpion

  3. ColaOase says:

    Schulzki-Haddouti ist freie Journalistin?! Dafür sind die Fragen im Interview relativ dürftig.

  4. Die Kritik ist mir etwas dürftig. Welche Fragen haben Sie denn vermisst?

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