Diskutieren und Debattieren: Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 05.Dezember 2008 • Kategorie: Zivilgesellschaft964 views • Ein Kommentar
Eigentlich müsste Peter Schaar bloggen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hatte kurz vor seiner Wiederwahl einen Aufruf zur Diskussion über eine “Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit” (PDF) gestartet:
Vorschlag fuer eine Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit
In einer durch Interaktivität geprägten Welt sind die Einzelnen nicht mehr bloß Nutzer, sondern Netzbürger mit unveräußerlichen Rechten. Als solche sind sie aber auch verantwortlich für Inhalte, die sie über sich und andere veröffentlichen. Die Gestaltung und Verwendung elektronischer Dienste sollte sich an folgenden Grundsätzen orientieren:
- Jeder hat das Recht, sich unbeobachtet und frei von Überwachung im Internet zu bewegen. Dienste müssen nach Möglichkeit auch anonym oder unter Pseudonym in Anspruch genommen werden können.
- Die Privatsphäre muss auch in der digitalen Welt beachtet werden. Sowohl staatliche Stellen als auch Unternehmen sind aufgerufen, ihr Handeln an dieser Maxime auszurichten. Datenvermeidung und Datensparsamkeit kommt dabei zentrale Bedeutung zu.
- Die Vertraulichkeit und Integrität elektronischer Datenverarbeitung ist zu gewährleisten. Einfach zu bedienende sichere Verschlüsselungsverfahren gehören zur informationstechnischen Grundversorgung.
- Jeder hat das Recht, über die Preisgabe seiner Daten selbst zu bestimmen. Dienste müssen entsprechende Einstellmöglichkeiten aufweisen. Personenbezogene Daten dürfen nur erhoben, verarbeitet oder genutzt werden, wenn die Betroffenen darin ausdrücklich einwilligen (opt in). Elektronisch erteilte Einwilligungen müssen jederzeit – auch elektronisch – widerrufen werden können.
- Transparenz beim Umgang mit persönlichen Daten ist eine Bringschuld aller verantwortlichen Stellen. Betroffene haben ein unveräußerliches Recht auf Auskunft hinsichtlich der zu ihrer Person oder zu ihrem Pseudonym gespeicherten Daten.
- Öffentliche Stellen sind gehalten, sich stärker zu öffnen. Bürgerinnen und Bürgern haben ein Recht zu erfahren, wie Entscheidungen zu Stande kommen und wie Steuergelder ausgegeben werden. Fachliche Weisungen, Dienst- und Verwaltungsvorschriften sollten über das Internet verfügbar gemacht werden.
- Zu einer offenen Verwaltung gehören einfach zu nutzende, sichere Kommunikationsmöglichkeiten mit Bürgerinnen und Bürgern. Sie erwarten zu Recht kompetente und zügige Reaktionen auf ihre Anliegen.
- Wer das Internet in Anspruch nimmt und dabei Informationen preisgibt, muss sich der Folgen bewusst sein, denn im Netz gibt es kein Vergessen. Besondere Sorgfalt ist geboten bei Bewertungen, Bildern oder sonstige Informationen über Dritte; ihre Rechte sind zu beachten.
- Die Bildungseinrichtungen – vom Kindergarten, über die Hochschule bis zur Erwachsenenbildung – sind gehalten, allen Generationen das nötige Rüstzeug für einen verantwortungsbewussten Umgang mit neuen Technologien zur Verfügung zu stellen.
- Auch in einer zunehmend von Technik geprägten Welt gibt es Menschen, die aus guten Gründen elektronische Dienste nicht in Anspruch nehmen. Ihre Entscheidung ist zu respektieren und darf nicht zu Benachteiligungen führen.
Jeder ist aufgefordert, Beiträge und Anregungen dazu an die hierfür extra eingerichtete E-Mail-Adresse: charta@bfdi.bund.de zu schicken.
Leider erfährt man so aber nicht, was andere denken und ein Diskussionsprozess kann so auch gar nicht zustande kommen. Vielleicht wäre es deshalb auch ganz sinnvoll, die Charta in den einschlägigen Datenschutz-Blogs zu diskutieren. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, in den nächsten Tagen die Charta etwas ausführlicher zu kommentieren.
Beiträge zu verwandten Themen:
Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
Eine E-Mail an den Autor bzw. die Autorin schreiben | Alle Beiträge von Christiane Schulzki-Haddouti



[...] ist nun wirklich nicht neu – und wird seit etwa einem Jahrzehnt immer wieder von mehr oder weniger prominenten Personen und Organisationen angeschoben. Das findet aber eben in bräsigen Printmedien kaum [...]