Gerüchteküche Blogosphäre

Ist schon erstaunlich, wie sich Gerüchte in der Blogosphäre jahrelang halten. Wieder am Beispiel des SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss: Angeblich soll er für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben. Fakt aber ist, dass er bei der namentlichen Abstimmung gar nicht anwesend war. Er hat also weder für, noch dagegen gestimmt. Zu den wenigen Blogs, die hier sich selbst korrigiert haben, gehören der Telemedicus und das Datenschutz-Blog. Andere bleiben einfach bei ihrer Falschdarstellung. So viel zum Thema Debattenkultur und Recherchequalität. 

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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12 Responses to Gerüchteküche Blogosphäre

  1. Markus says:

    Das interessante ist ja, dass Jörg Tauss selber zuletzt auf einer Podiumsdiskussion erzählte, warum er für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt hat. Rena Tangens, die ebenfalls auf dem Podium sass, war darüber sehr verwundert.

    Ich weiß leider nicht mehr genau, wie das damals zustande kam mit dem Hinweis, dass Tauss für die VDS gestimmt hat. Vielleicht haben wir auch ur geschaut, wer von der SPD dagegen gestimmt hat. Aber es wurde wohl erst nach ein paar Tagen durch einen Anruf des Foebud bei Tauss seinem Büro geklärt, dass er nicht anwesend war.

  2. Christiane says:

    Das hört sich ja extrem merkwürdig an. Aber streng genommen (also aus journalistischer Sicht ;) ) müsstest du schon den Beitrag mit einem Update versehen. Bettina Winsemann jedenfalls beharrt noch heute in ihrem Forumsbeitrag auf dieser Darstellung.

  3. Markus says:

    Das hab ich gerade getan.

  4. Detlef Borchers says:

    Was ich nicht verstehe: Im verlinkten Forumsbeitrag von Twister ist doch gar nicht vom Abstimmungsverhalten die Rede, sondern nur davon, dass Tauss bei der VDS-Entscheidung nicht Verteidiger der Freiheit war, mit einem Link auf das TP-Interview. Warum sie jetzt einen Forumsbeitrag korrigieren müsste, ist mir nicht klar.

  5. Ralf G, says:

    Das ist doch reine Wortklauberei. Ein Gesetzentwurf taucht bekanntlich nicht am Tage der namentlichen Abstimmung aus dem Nichts auf, sondern hat eine parlamentarische Geschichte. Auch wenn Tauss am Tag der Abstimmung bei der letzten Lesung im Bundestag nicht anwesend war, kann man nicht ernsthaft behaupten, er hätte dem Vorratsdatenspeicherungs-Gesetzesentwurf, in Tauss’ Augen ja der “Minimalkompromiss zur Umsetzung der europäischen Richtlinie”, nicht zugestimmt.

    Tauss hat sich ja sogar in Telepolis dafür gerechtfertigt und war an der Ausarbeitung beteiligt. Es ist gängige parlamentarische Praxis, bei Terminkonflikten der tatsächlichen Abstimmung fern zu bleiben, wenn die Fraktionsstrategen die Mehrheit für gesichert halten, das weisst Du so gut wie ich. Also kann ich bei meinem Beitrag keine falsche Darstellung erkennen. Tauss war *für* diesen Gesetzentwurf, das sollte man noch einmal mal klar sagen, damit hier vor lauter überbordender “Debattenkultur” die Fakten nicht durcheinander geraten…

    Apropos: Ich finde es befremdlich, wie Du Deinen Fan-Feldzug für Jörg Tauss nicht nur in diesem Beitrag als “leuchtendes Beispiel der Debattenkultur” deklarierst und abweichende Meinungen für einen Mangel an eben jener hältst. Das steht Dir natürlich frei, das ist ja das Gute an Blogs. Sonderlich plausibel ist das aber nicht.

  6. Christiane says:

    Ich finde es erstaunlich, dass man mir nun einen “Fan-Feldzug” andichtet, da ich ja geschrieben hatte, dass ich Tauss Politik eher glücklos fand. Mir geht es nicht um abweichende Meinungen, sondern um Darstellungen, die so nicht richtig oder auch irreführend sind. Hier gibt es sicherlich noch andere Beispiele als nur Jörg Tauss, aber er ist im Moment ein sehr aktuelles, schönes Beispiel. Netzpolitik war eindeutig falsch, deine ist so irreführend, dass jeder Zweitleser hier eine eindeutigere Formulierung fordern würde. Natürlich hat Tauss das mitverhandelt, aber hat eben weder dafür, noch dagegen gestimmt – und das nicht nur aus Termingründen.
    @Detlef Und Twister formuliert auch ziemlich irreführend. Ich habe noch andere Artikel von ihr angesehen, in denen sie so argumentiert und nicht erwähnt, dass er gar nicht abgestimmt hat. Das hätte sie allerdings, meinem Empfinden nach, schon tun sollen. Sie hätte auch erwähnen können, dass die entscheidende Debatte vor der Verabschiedung der EU-Richtlinie geführt hätte werden müssen. Die fand aber kaum statt, weil man es schlicht verschlafen hat. Brüssel ist ja so weit weg. Für mich hatte die Debatte rund um die deutsche Umsetzung daher immer irgendwie den Charakter einer Scheindebatte. Wobei das Ergebnis dieser Scheindebatte, die Sammelklage für das Bundesverfassungsgericht, wiederum außerordentlich gut ist und hoffen lässt.

  7. Simon says:

    Ist vielleicht nicht so wichtig, aber: Wir haben uns bei Telemedicus nicht selbst korrigiert. Der Eintrag ist unverändert mit dem selben Inhalt online, seit er erschienen ist

  8. Pingback: Bildung.ikson » » Links for 2008-12-02 [del.icio.us]

  9. Christiane says:

    @Simon: Dann muss ich einer optischen Täuschung unterlegen sein … wenn ja, tut mir leid. Dummerweise kann ich mich erinnern, so etwas gelesen zu haben, habe aber keinen Screenshot oder ähnliches, um es auch zu belegen. Und ich habe mit jemandem darüber gesprochen, der sich auch an eine solche Formulierung erinnern kann. Nun ja.

  10. Simon says:

    Ich protestiere deswegen, weil ich den Artikel bei uns freigeschaltet habe und deshalb eigentlich weiß, was ursprünglich drinstand (bei uns gibt´s aus Qualitätssicherungsgründen eine Schlussredaktion). Wir archivieren intern außerdem ältere Versionen der Artikel, ich habe auch dort nichts gefunden.

    Christiane sagt, dass sie dem Irrtum zwar ursprünglich auch aufgesessen war, ihn aber noch vor der Veröffentlichung des Blog-Artikels bemerkt hat. Deswegen: Ganz sicher. :-) Danke für´s Korrigieren!

  11. Christiane says:

    Merkwürdig, aber so was kann passieren. Seltsam. :)