Teure “breaking news” – Nachrichten vom Medienumbruch V

Thomas Knüwer hat ein schönes Stück darüber geschrieben, wie Journalisten angesichts der allgegenwärtigen Krise umdenken müssen (und hat damit ausnahmsweise auch direkten Widerspruch persönlicher Art einstecken müssen). Erstaunlicherweise sind es nach seiner Beobachtung oftmals die Nachwuchsjournalisten, die sich hier verweigern. In seinem Text ist aber vor allem folgender bemerkenswerter Satz::

Die großen Medienhäuser werden ihre Angebote zusammenlegen und runterschrumpfen bis sie ein Niveau erreicht haben, das sich noch irgendwie über Werbung finanzieren lässt. Denn bezahlen mag ja heute schon kaum jemand für die Inhalte. 

Diese neuen Redaktionen werden aufklauben, was ihnen die Nachrichtenagenturen liefern und es so zurechtstutzen, dass es in den gering bemessenen Redaktionsplatz neben Anzeigen und Werbespots passt. Uniformität siegt. Für ihre Leser, Zuschauer, Zuhörer werden diese Dienste die Informationsgrundversorgung bilden. Und den Rest? Den werden sich sich bei den wenigen Spezialisten holen, die sich als hochspezialisierte Kleinsteinheiten wunderbar ernähren können, zu finden sein werden sie vor allem im Internet. Allein: Es werden nicht viele sein.

Dieses Ineinanderfallen der medialen Meinungsvielfalt ist weder wünschenswert noch zuträglich für die Gesellschaft.

Angesichts dessen könnte man meinen, den Nachrichtenagenturen ginge es glänzend. Das wäre jedoch ein Trugschluss. Peter Zschunke berichtete in seinem Blog agenturjournalismus.de in den letzten Tagen mehrfach über den geplanten Stellenabbau bei der Non-Profit-Nachrichtenagentur Associated Press. AP plant  zehn Prozent der Stellen zu streichen – angesichts der zu erwartenden Mindereinnahmen , die vor allem von den strauchelnden Zeitungen verursacht werden:

Von den  1.300 “Members” des genossenschaftlichen Non-Profit-Unternehmens haben mehr als 100 Zeitungen angekündigt, den Dienst nicht länger zu beziehen, weil sie unter wachsendem Kostendruck stehen. Zu diesen gehören die Los Angeles Times, die Chicago Tribune, The Columbus Dispatch und die Star Tribune in Minneapolis. Hinzu kommt neuer Wettbewerbsdruck – so plant etwa CNN einen eigenen Nachrichtendienst für Zeitungen.

CNN kündigte an zu einem günstigen Preis zu liefern und löst damit bei AP große Sorgen aus. Wie umfangreich bzw. wie flächendeckend der neue Dienst arbeiten wird, ist aber noch nicht klar. AP jedenfalls zeigt sich tapfer:

Der New York Times sagte AP-Vorstandschef Curley, bisher sei der CNN-Nachrichtendienst “abgrundtief schlecht” geschrieben. “Aber sie sprechen mit AP-Mitarbeitern, wie wir wissen, und dass kann geändert werden.” Angesichts der gegenwärtigen Situation in der Medienbranche “sollten wir uns freuen, dass jemand Millionen von Dollars hat, um sie in Breaking News zu investieren”, erklärte Curley und fuhr fort: “Breaking News sind sehr, sehr teuer, und wenn sie die Mittel dazu haben, begrüßen wir sie zu diesem Spiel.

Ähnliche Umsatztendenzen zeigte die dpa übrigens bereits in diesem Sommer. Die Frage ist, wie kleinere Nachrichtenagenturen mit der Entwicklung zurecht kommen werden.

P.S. Christan Geyer schreibt zu Knüwers Blogbeitrag übrigens:

Man ist gut beraten, seine eigenen Komplexe und die der anderen ruhen zu lassen, statt sie auszustellen oder gar zum Motor seines Redens und Schreibens zu machen. Man kommt sonst aus der Selbstbeunruhigung (vulgo: Paranoia) nicht heraus, die einen überall feindliche Wesen mit hässlichen großen Fratzen sehen lässt. Und verspielt so das vielleicht schönste Privileg des Journalisten: nicht zu den Getriebenen gehören zu müssen.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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