WAZ veröffentlicht Konzept für die “Restrukturierung NRW”

Vorbildlich und gleichzeitig auch etwas erstaunlich: Die “WAZ Medien Gruppe” hat ihre Information über die aktuelle Geschäftsentwicklung und mögliche Konsequenzen, die sie bzw. die “Schickler Unternehmensberatung” für ihre Mitarbeiter erstellt hat, nicht im Intranet, sondern in ihrem Change-Blog veröffentlicht (PDF). Vorgestellt wurde sie am 5. Dezember, berichtet wurde auch bereits darüber.

Die Betriebsräte können das Konzept nun bis Ende Januar prüfen – da es nicht nur im Intranet, sondern auch im Internet verfügbar ist, könnten sie auch von einer möglichen öffentlichen Diskussion profitieren. Das ist ein recht bemerkenswerter Schritt der Mediengruppe. Vielleicht steckt auch die Hoffnung dahinter, das Konzept so mitarbeiterfreundlich wie möglich gestalten zu können.

Anlass ist jedenfalls die aktuelle Lage: “Die konjunkturelle Lage hat sich 2008 dramatisch verschärft,” heißt es. “Die WAZ als Titel kann die Verluste der anderen Titel nicht mehr tragen.” So hatten in diesem Jahr alle vier NRW-Tageszeitungen bis Ende September einen Verlust von 9,1 Mio. € erwirtschaftet, angesichts der Werbekrise werden nun bis Jahresende 11 Mio € erwartet. Die Aussichten für 2009 sehen etwas düster aus:

Das Konzeptpapier legt nahe, an den Mantelredaktionen anzusetzen und zeigt hierzu folgenden Kostenvergleich, der sich primär an der BZ orientiert:

Die Lösung besteht in der Einrichtung eines “Content Desks” mit 85 Mitarbeitern, der die drei Tageszeitungen WAZ, NRZ, WR sowie die Internet-Plattform “Der Westen” beliefert. Diese entscheiden dann autonom über ihre Titel. Damit könnten 68 Planstellen bzw. 7,6 Millionen Euro eingespart werden. Die Alternative bestünde unter anderem darin, die WR-Redaktion komplett zu schließen. Interessant unter anderem für freie Journalisten dürfte die Information sein, dass das Budget für eine Seite bei 300 Euro liegt. Das sei das Branchenniveau.

Nachtrag:

Einen kritischen Überblick über die “Zerlegung des WAZ-Modells” liefert das aktuelle NRW-Journal des DJV. Mit zahlreichen Details, unter anderem auch über das Dallas an der Ruhr: Die WAZ-Eignerfamilien sowie einem Kommentar: Was die Betriebsräte jetzt tun (müssen).


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  1. Wir brauchen eine kontroverse politische Öffentlichkeit. Keine subventionierten Zeitungen.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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