Journalisten und Twitter – Nachrichten vom Medienumbruch VII

Der neueste Digest zum Medienwandel beleuchtet den aktuellsten Trend: Die Journalisten und Twitter.

Focus-Online-Chefredakteur Jochen Wegner bloggt darüber, wie Focus Online 2007 zu twittern begann und warum das nicht so wichtig ist:  

Mittlerweile melden sich immer öfter Kollegen mit tiefen Fragen zu unseren Feeds, die wir uns selbst noch nie gestellt haben, und die Abonnentenzahlen steigen. Für FOCUS Online bleibt Twitter dennoch einer von Dutzenden Kanälen, über die wir unsere Nachrichten anbieten – und gehört, was die schiere Reichweite betrifft, sicher nicht zu den bedeutenden. Während etwa alleine unserenBildschirmschoner Hunderttausende nutzen, hat focus.de in diesem Moment exakt 662 Twitter-Abonnenten.

Das Wort “Abonnenten” stieß prompt auf Kritik von denjenigen, die Twitter nicht als Push-Kanal, sondern als Kommunikationsmedium begreifen. Nach ein paar eindringlichen Worten von Nicole Simons lenkte Jochen ein: “OK, wir diskutieren den zentralen Redaktions-Account noch einmal. Vielleicht finden wir eine praktikable Lösung.”

Während Focus Online noch überlegt, hat Leander Wattig bereits eine kleine Liste erstellt, die die Twitter-Accounts von Redaktionen nach ihrer Kommunikationsdichte bewertet, nämlich nach @Antworten. Der kommunikationsfreudige DerWesten findet sich erwartungsgemäß auf Rang 1 wieder. Dabei ist eine gewisse Relation zur Anzahl der Follower nicht abzustreiten. Je kommunikationsfreudiger sich eine Redaktion zeigt, desto interessanter wird sie für die Twitterer.

Eine direkte Relation zwischen der Anzahl der Follower und der Anzahl der persönlichen Messages gibt es nicht, wie Ulrike Langer bemerkt (, die mit Nicole Simon für das “medium magazin” über das redaktionelle Twittern auch ein Interview geführt hat). Denn sonst wäre der maulfaule Spiegel-Online-Twitter-Account nicht auf Platz 1.

Wie erfolgreich wird Twitter werden? Eine Auswertung entlang der Zeitachse wird das wohl bald zeigen – wie etwa diese über US-amerikanische Zeitungen, die recht steile Zuwachsraten aufweist. Die Frage ist nur, wann eine natürliche Grenze von Followern erreicht ist. Damit meine ich nicht die Grenze, die Twitter zieht und die wohl nur diejenigen relevant ist, die sich als Push-Medium gerieren, sondern die physische Aufmerksamkeitsgrenze des Twitterers, der ja irgendwie aus seinem Stream noch einen Sinn entnehmen möchte.

Ich muss gestehen: Bei meinen 190 Followern überlege ich mir jetzt schon wieder, die Nachrichten-Twitterstreams rauszuwerfen, weil sie einfach zu viel Buzz verursachen.


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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