Strukturen zivilgesellschaftlichen Engagements

Das zivilgesellschaftliche Engagement in Deutschland ist groß. Ein Drittel der Bevölkerung setzt sich freiwillig für kulturelle, soziale und andere Zwecke ein. Wie der Engagementatlas 2009 zeigt, sind aber noch viel mehr Menschen bereit, etwas zu tun. Doch unter welchen Bedingungen könnten sie Non-Profit-Projekte umsetzen? Wie sieht das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Hauptamtlichen und Freiwilligen aus? Und wie finanziert sich die Arbeit der meist koordinierend tätigen Hauptamtlichen?

Eine der wenigen Studien, die mir dazu bekannt ist, stammt aus dem Jahr 2003. Die vom “Europäischen Sozialfonds” unterstützte Studie “Bestandsaufnahme der Finanzierungsstrukturen und Beschäftigungssituation in Not-for-Profit Organisationen unter besonderer Berücksichtigung der Beschäftigungsförderung” untersuchte im Rahmen des Projekts “Instruments & Effects” Angebote, Finanzierung und Beschäftigungslage bei Organisationen und Initiativen des Dritten Sektors für die Bereiche Soziales, Umwelt, Kultur und Sport in Göttingen.

Sie befragte 53 lokale bzw. regionale Einrichtungen und kam zu dem Ergebnis, dass das Zahlenverhältnis zwischen bezahlt und ehrenamtlich Tätigen je nach Engagementbereich unterschiedlich ist:

  • Im Kulturbereich beträgt es 1:1,25, 
  • im Sozialbereich 1:0,5, 
  • im Sport 1:6 und 
  • im Umweltbereich 1:8. 

Dabei ist das freiwillige Engagement auf verbindliche Koordinationsfunktionen seitens einer bezahlten Hauptamtlichkeit angewiesen. Dies wiederum setzt einen gewissen Mindestetat voraus:

  • Die Mehrheit der befragten Einrichtungen, nämlich 55 Prozent bzw. 27 Einrichtungen, weist eine jährliche Etathöhe von unter 100.000 Euro auf. 
  • 18 Einrichtungen (34 Prozent) steht ein Jahresetat von unter 30.000 Euro zur Verfügung. 
  • Fast die Hälfte (48 Prozent) der befragten Einrichtungen wird “überwiegend öffentlich finanziert”. Im sozialen Bereich beträgt der Anteil sogar 62 Prozent, im Kulturbereich 37 Prozent. Dabei ist “die öffentliche Förderung für die Organisationen die Basis für die Sicherung des Angebotes” gewährleistet “die Akquirierung weiterer Gelder” . 
  • Ein Fünftel aller befragten Einrichtungen finanziert sich überwiegend aus Eigenmitteln; dies trifft vor allem auf Sportvereine zu.

Quelle:

Instruments & Effects (2004): Bestandsaufnahme der Finanzierungsstrukturen und Beschäftigungssituation in Not-for-Profit Organisationen unter besonderer Berücksichtigung der Beschäftigungsförderung. Bestandsaufnahme der Finanzierungsstrukturen und Beschäftigungssituation von Organisationen aus den Bereichen Soziales, Kultur, Umwelt und Sport. Ergebniszusammenfassung I. http://www.instrumentsandeffects.de/PDF/Ergebniszusammenstellung.pdf

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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