Studie: Zeitungen werden bloggiger
Von Christiane Schulzki-Haddouti • 25.Januar 2009 • Kategorie: Medien1,617 views • 3 Kommentare
Steffen Büffel und Sebastian Spang haben gemeinsam eine Neuauflage der Studie “Zeitungen online 2008″ vorgelegt. Die signifikantesten Änderungen in den Online-Angeboten der 100 auflagenstärksten Zeitungen gegenüber den beiden Vorjahren können folgendermaßen beschrieben werden:
- Foren und Chats haben angesichts der Einbindung von Kommentarmöglichkeiten direkt unter den redaktionellen Beiträgen deutlich verloren – obwohl es im Vorjahr in beiden Bereichen noch eine Steigerung gab: Hatten 2007 noch 58 Prozent der Zeitungen ein Forum, waren es 2008 nur noch 39 Prozent. Während 2007 noch 19 Zeitungen Chats anboten, waren es letztes Jahr nur noch 9 Zeitungen.
- Als direkte Gegenbewegung hierzu kann man die Zunahme der Kommentarfunktion zu Artikeln werten. 45 Prozent der Zeitungswebsites bieten sie inzwischen an, gegenüber 2006 bedeutet dies einen Anstieg um 35 Prozent. Dafür verlangen nun mehr als ein Drittel der Zeitungen von den Lesern eine Registrierung. In denVorjahren waren es nur 8 Prozent.
- Deutliche Zunahmen gibt es auch bei RSS: Inzwischen bieten 70 Prozent der Zeitungswebsites einen RSS-Feed an – das sind 15 Prozent mehr wie im Vorjahr. Dabei bieten 57 Prozent auch einen RSS-Feed nach Kategorien an. Nur vier Zeitungen allerdings bieten einen Volltext-Feed an. Diese experimentieren auch mit Werbung im Feed.
- Etwas überraschend ist das geringe Interesse gegenüber Audio-Podcasts. Hier blieb das Interesse nahezu gleich – derzeit bieten 9 Websites Podcasts an. Anders ist das bei den Videos: Inzwischen haben 82 Websites Videos in ihr Angebot integriert.

Basierend auf diesen Zahlen habe ich nochmal eine andere Darstellung gewählt, die die Veränderungen zum Vorjahr in Prozent anzeigt.
Es entsteht der Eindruck, dass Zeitungen sich zunehmend Blog-Techniken bedienen: Kommentar, RSS und Social Bookmarking. Entsprechend ist bei den eigenen Blog-Angeboten einen leichter Rückgang zu verzeichnen – als wären diese nur eine Vorhut gewesen, für das, was noch folgen sollte. Interessant wäre zu wissen, ob sich damit auch die Art des Schreibens etwas verändert hat. Aber das wäre eine eigene Studie wert.
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Christiane Schulzki-Haddouti ist seit 2007 auf KoopTech bloggend unterwegs, arbeitet jedoch hauptsächlich als freie IT- und Medienjournalistin.
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Danke für den Hinweis und die Zusammenfassung!
Ich muss sagen, dass die Techniken aber – zumindest dem äußeren Anschein nach – teilweise sehr … suboptimal implementiert sind. Die Süddeutsche lässt bspw. keine Kommentare zw. 19 Uhr und 8 Uhr, sowie am Wochenende zu. Zynisch könnte ich jetzt vermuten, dass in der Zeit keine Praktikanten im Büro sitzen, die Spam und unangebrachte Äußerungen rausfiltern. Pragmatisch könnte ich schlussfolgern, dass die SZ gar keine Kommentare haben will, wenn sie diese Funktion nur in den Zeiten zur Verfügung stellt, wenn Otto-Normal-Leser/in mit dem Broterwerb beschäftigt ist.
Die SZ ist ja ein Klassiker. Wobei deine Vermutung gar nicht mal zynisch, sondern realistisch ist.
So lange dieses Gerichtsurteil Bestand hat, wonach man praktisch ständig nach seinen Kommentaren sehen muss, ist es für Zeitungen doch recht riskant, 12 Stunden gar nicht zu sehen, was eigentlich läuft. Und bei Zeitungen laufen noch ganz andere Mengen ein wie in deinem Blog. Vergleichbar wäre das vielleicht damit, wenn du einige Wochen in den Urlaub fährst und niemand nach dem Blog guckt. Was würdest du machen? Es offen lassen oder es schließen?
Ich vermute mal, dass die SZ es nicht einsieht, in den Zeiten, wo sie über Vertragsauflösungen mit ihren Redakteuren verhandelt, zusätzliche Kräfte für die Leserdiskussion zu binden. Allerdings finde ich das auch etwas kurz gedacht – denn über ein gut geführtes Leserfeedback könnte man ja sich selbst auch weiterentwickeln …
[...] hat die Registrierungspflicht. Mehr dazu hier bei Steffen Büffel auf media-ocean. Gefunden bei: KoopTech, Hugo E. Martin. Mehr Reaktionen: Rivva. [...]