Wer braucht “echte Original-Zeitungen”?

Ich gestehe: Manchmal, manchmal klicke ich tatsächlich auf GoogleAd-Anzeigen. Heute zum Beispiel auf den Link “Echte Original-Zeitungen“. Ich war einfach neugierig. Was sind “echte Original-Zeitungen”? Haben wir die nicht jeden Tag am Kiosk?

Als ich klickte, fühlte ich mich in die Zukunft versetzt. Genauer: In das Jahr 2043. Das Jahr, in dem “der Tod der Zeitung” eintreten soll. In diesem Jahr spätestens wird man nostalgisch zurückblicken auf die Zeit, in der es noch “echte Original-Zeitungen” gab, und kein abwischbares Plastikpapier, über das man beliebig viele News abrufen kann.

Aber es gibt ja vorausschauende Geschäftsleute, die die Zukunft schon heute erproben – und Zeitungen “in edler Geschenkrolle mit Siegel und Banderolle” verticken. Ein denkbares Geschäftsmodell für Verleger bestünde also jetzt darin, immer etwas mehr Auflage zu drucken und diese sorgfältig zu konservieren. Damit irgendwann der “Jahrgang 2009″ als ganz besonderer Jahrgang (“Das Jahr, in dem nicht mehr vom Medienwandel, sondern vom Medienumbruch die Rede war.”) von Genießern besonderer Art goutiert werden kann. Vielleicht sollte man auch jetzt schon darauf achten, dass der Duft der Druckerschwärze ebenfalls erhalten bleibt. Und das Papier sollte natürlich nicht allzu vergilbt und brüchig sein. 

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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