Das Unternehmen Userfulhat gestern eine Pressemitteilung veröffentlicht, wonach es im Auftrag das brasilianischen Bildungsministeriums alle Schulen in allen 5560 Gemeinden mit 356.800 virtualisierten Computer-Arbeitsplätzen auf Linux-Basis ausstatten wird. Damit sollen die 2,7 Mio. Schulkinder in Brasilien Zugang zu einem PC erhalten. Das soll damit die weltweit größte virtuelle Desktop-Installation sowie der weltweit größte Linux-Desktop-Einsatz sein.
Userful setzt hierbei mit dem so genannten Multiplikator ein Produkt zur Desktop-Virtualisierung ein, das die Funktionen eines Standard-PCs bietet. Ein Computer kann bis zu zehn unabhängige Computer-Workstations bedienen, indem ungenutzte Rechenleistung über die PC-Sharing- und Virtualisierungstechnik virtuellen Desktops zur Verfügung gestellt wird. Das bedeutet, dass an einen PC bis zu 10 Monitore, Mäuse und Tastaturen angeschlossen werden, über die Endnutzer auf ihren virtuellen, jeweils individuellen Desktop zugreifen. Die Low-Cost-PCs mit der PC-Sharing-Hard- und Software sollen weniger als $ 50 pro Arbeitsplatz kosten – Monitore und Tastatur nicht eingerechnet.
Das brasilianische Bildungsministerium soll nach Angaben von Marketingmanager Sean Rousseau „bei der Anschaffung dieser neuartigen PC-Arbeitsplätze im Vergleich zu traditionellen PC-Arbeitsplätzen 60 Prozent bei den Anschaffungskosten sowie den Verwaltungs- und Supportkosten und weitere 80 Prozent an Energiekosten einsparen“. In einer ersten Phase wurden knapp 19.000 Computer-Arbeitsplätze in ländlichen Schulen installiert. Als Vorteil insbesondere für den Einsatz auf dem Land gilt, dass Virtualisierungslösungen erheblich weniger Strom benötigen als herkömmliche Lösungen.
Kommentar: Eine Virtualisierungslösung auf Linux-Basis ist sicherlich auch eine interessante Option für deutsche Schulen. Zum einen sind die Anschaffungskosten relativ niedrig, zum anderen dürften auch Updates wesentlich kostengünstiger zu bewerkstelligen sein. Bekannt ist mir jedoch eine solche Lösung hier noch nicht. Für den Anschluss von 2 Monitoren an einen PC gibt es übrigens eine kostenlose 2-User-Version.



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Ich befürchte, es liest sich besser als es dann wird. Meine Erfahrungen mit brasilianischer Bildungspolitik (Disclaimer: mit einigen Freunden und Familie finanzieren wir und leiten auch teilweise eine “ergänzende Halbtagsschule” http://www.villasocial.de in einem brasilianischen Armenviertel).
Das Problem in Brasilien: der Zugang zu wirklich hochwertiger Bildung ist stark vom Einkommen der Eltern und von der Situation der Gemeinde abhängig. Dabei findet man dann aber alles in Brasilien: es gibt Schulen, bei denen die Kinder froh sein müssen, wenn sie nach einigen Jahren das Alphabet können und es gibt Schulen, die an Technik, Ausstattung und inhaltlicher Qualität locker alles, was ich in Deutschland kenne, übertreffen. So war ich bspw. mal in Sao Paulo in einer Schule, die Virtuell-Reality-Simulatoren haben, um die sie viele grosse Unternehmen in Deutschland beneiden dürften. Mit der Möglichkeit, selbständige VR-Reisen in die Ursprünge unseres Universums oder ins Innere von Zellen zu machen. Dort zu Schule gehen zu dürfen, ist aber eben teuer.
Es wäre zu hoffen, dass die Rechner auch an den Schulen ankommen, an denen sie wirklich notwendig wären. Zusammen mit Lehrern, die den Umgang lehren können. Allein, mir fehlt leider der Glaube.
LG
Christoph
Natürlich ist eine gewisse Skepsis angebracht – andererseits heißt es ja, dass ALLE Schulen damit versorgt werden sollen …