Social Media für die Zivilgesellschaft – das neue Portal “Engagiert in Deutschland”

Der Anspruch der neuen Plattform „Engagiert in Deutschland“ ist hoch: sie will zu einem „Drehkreuz der Zivilgesellschaft“ werden, zu einer „Engagement-Zentrale“, die sämtliche Möglichkeiten des Freiwilligen Engagements, die deutschlandweit von Bürgern, gemeinnützigen Organisationen, Staat und Wirtschaft angeboten werden, präsentiert.

Gesammelt werden sollen die Daten für Engagementmöglichkeiten auf örtlicher Ebene über kommunale „Engagement-Plattformen“, die in das Internet-Angebot von 2000 Kommunen integriert werden. In diese lokalen Plattformen sollen die örtlichen Vereine und Einrichtungen ihre Angebote für Freiwillige eintragen. Die vor Ort gesammelten Daten werden schließlich in der Plattform „Engagiert in Deutschland“ vereint. Der Erfolg des Bundesportals hängt somit von der Bereitschaft der örtlichen Akteure ab, Daten für die jeweilige lokale Plattform zur Verfügung zu stellen und zu pflegen.

Sollte diese Bereitschaft vorhanden sein, dann könnte das neue Bundesportal tatsächlich zu einem neuen „virtuellen Raum bürgerschaftlichen Engagements“ werden, der den  freiwilligen Helfern die Möglichkeit bietet, „sich über örtliche, institutionelle und kulturelle Grenzen hinweg aktiv zu beteiligen und zu vernetzen“ (Kummerow/Deppe 2009). Bis heute existiert ein solch gemeinsamer virtueller Raum nicht, sondern die Webseiten, Datenbanken und Offline-Angebote zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement“ der einzelnen Träger stehen unvernetzt nebeneinander. Für den Nutzer ist so ein umfassender Überblick über die vorhandenen Mitwirkungsmöglichkeiten schwierig. Wenn die neue Plattform ihre Ziele erreicht, dann können die Nutzer zukünftig in einer riesigen Datenbank, sortiert nach Themen und Orten, nach Engagementmöglichkeiten recherchieren. Und sich in Form von Zeit-, Geld- und Sachspenden in Projekte einbringen.

Das Bundesportal will aber nicht nur ein digitaler Marktplatz sein, der Engagementmöglichkeiten vermittelt, sondern über die Plattform sollen sich bürgerschaftlich Aktive untereinander vernetzen und einen „sozialen Raum zum Austausch“ erhalten. Weil das Bundesportal mit anderen Plattformen kooperiert, soll sogar eine Vernetzung über Plattformen hinweg angeboten werden.

Vorgesehen sind des weiteren Informationen und Diskussionsmöglichkeiten über gemeinnützige Organisationen und Daten über staatliche Fördermaßnahmen. Darüber hinaus ist eine Projekt-Datenbank über das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen geplant und ein Dialogangebot für die Nutzer zum Thema „Corporate Citizenship“.

Fazit: Das Bundesportal integriert alle wichtigen Akteure (Bürger, NPOs, Wirtschaft, Staat), die mit dem bürgerschaftlichen Engagement befasst sind und bietet über die bloße Vermittlung von Hilfsmöglichkeiten die Chance zur Vernetzung und zum Dialog, – vorausgesetzt, die Adressaten des Portals bringen sich engagiert ein. Ob sich daraus ein breiter öffentlicher Diskurs über die Chancen der Zivilgesellschaft und der Partizipation entwickelt, steht noch dahin.

Kritisiert werden muss, dass die Projektverantwortlichen bisher nicht den Dialog mit der Öffentlichkeit im Netz suchten und das Projekt – trotz seiner Größe und seiner Zielgruppe, nämlich der Bürgerschaft – nicht von einem Blog oder einer Twitterpräsenz begleitet wurde. Für die Netz-Öffentlichkeit kommt das Portal nun quasi aus dem Nichts, weil es im Vorfeld nur in den Zirkeln der Projektpartner besprochen und kein Feedback von außen eingeholt wurde. Diese Vorgehensweise steht im Widerspruch zum Ziel des Portals, Menschen für das zivilgesellschaftliche Engagement zu gewinnen und Teilhabe zu ermöglichen. Wer den Dialog und die Vernetzung proklamiert, sollte mit gutem Beispiel vorangehen und die Öffentlichkeit von Beginn an in ein solches Projekt integrieren. Social Media stehen genau dafür zur Verfügung, – man muss sie nur nutzen wollen.

About Brigitte Reiser

Bloggerin und Beraterin von Nichtregierungsorganisationen. Hierfür betreibt sie zwei Websites, Soziales Kapital für gemeinnützige Organisationen und Web 2.0 für gemeinnützige Organisationen, sowie ein Blog zu Stakeholder-Management und Web 2.0.
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7 Responses to Social Media für die Zivilgesellschaft – das neue Portal “Engagiert in Deutschland”

  1. Stadler says:

    Die neue Plattform ist zunächst vor allem eines, schlecht erreichbar.

  2. Immerhin macht die neue Plattform optisch einen guten Eindruck. Allerdings müsste man jetzt tatsächlich über Social Media (besser ein Blog als Twitter) versuchen, Aufmerksamkeit zu schaffen und eine (digitale) Community aufzubauen.

    Ich sehe die Gefahr, dass man hier mit viel zu großen Ambitionen ein Projekt gestartet hat, das dann mangels Resonanz in der Öffentlichkeit wieder einschläft. Besser wäre der umgekehrte Weg: Erst die Öffentlichkeit schaffen (Community Building) und dann nach und nach die Features anbieten und die Plattform aufbauen.

  3. Man hat beim Plattform-Aufbau den traditionellen Weg gewählt, d.h. die offline-Kontakte zu den Kommunen, der freien Wohlfahrtspflege, den staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren usw. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber parallel dazu hätte man durch eine offensive Berichterstattung im Netz mit Hilfe von Social Media die Voraussetzungen für ein breites Feedback in der Netzöffentlichkeit schaffen müssen.

    Volunteering-Angebote werden über die traditionellen Kanäle sicher gesammelt werden können. Nur ob später auch genügend Bürger das Portal für ihre Recherchen nutzen werden? Wie Sie richtig anmerken: man muss hierfür gezielt werben und versuchen, dem Portal online eine Community zu verschaffen.

  4. foulder says:

    Hallo zusammen! Die Idee und die Ausrichtung auf ein bundesweites “Portal” für das freiwillige Engagement finde ich gut. Toll, dass man „sich über örtliche, institutionelle und kulturelle Grenzen hinweg aktiv zu beteiligen und vernetzen“ kann doch ist die Suche auf den räumlichen Umkreis beschränkt — selbst mit der erweiterten Suche kann ich nicht nach Themen oder Engagementgebieten suchen. Schade! Das mit dem Online-Volunteering wird dann wohl doch nix.
    Klar habe ich schon über andere Kanäle von diesem Projekt gehört. Allerdings nichts konkretes. Keinen Blog, keine Umfrage, keine DAU-Tests … nichts. Echt doof. Jetzt ist die Plattform da und alle mäckeln dran rum — mich eingeschlossen.

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