“Das Immer-Fertige, das auf den Fingerdruck Auslösbare und Abrufbare rechtfertigt seine Existenz nicht, weder aus seiner theoretischen Herkunft noch aus den Bedürfnissen und Antrieben des Lebens, dem zu dienen es vorgibt. Es ist legitimiert, indem es bestellt, abgenommen, übernommen und in Betrieb gesetzt wird; Vorhandensein hat nicht sinngebende Bedürfnisse zur Voraussetzung, sondern es fordert und erzwingt seinerseits Bedürfnisse und Sinngebungen. Dazu muss unter Umständen eine ganze Schicht von Motiven und Geltungsfiktionen erst künstlich erzeugt, ihrerseits mit technischem Aufwand hergestellt werden. Das Ideal solcher Manipulation ist die Umkleidung des künstlichen Produkts mit Sebstverständlichkeit; sie lässt alle Fragen verstummen, ob das notwendig, sinnvoll, menschenwürdig, irgendwie zu rechtfertigen sei. Die künstliche Realität, der Fremdling unter den vorgefundenen Dingen der Natur, sinkt an einem bestimmten Punkte zurück in das ‘Universum der Selbstverständlichkeiten’, in die Lebenswelt.”
Hans Blumenbergs Bemerkung aus “Wirklichkeiten in denen wir leben” (Stuttgart 1986: 37) lese ich als kritische Definition für Hype-Zyklen-lange bevor Gartner den Begriff “Hype-Zyklus” überhaupt kreiiert hat.
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Danke für das Zitat! Ich glaube, dass Blumenberg in Bezug auf soziale Medien/kooperative Technologien noch völlig unerschlossen ist. Dabei gäbe es so viele Ansatzpunkte: die Rolle des Beobachters, den Wirklichkeitsbegriff, die Schere zwischen Lebenszeit und Weltzeit…
Als ich das gelesen hatte, dachte ich mir nur “Twitter”! Wie oft gab es da am Anfang die Frage, zu was das gut sein soll … Und inzwischen ist es doch für einige eine “Selbstverständlichkeit” geworden. Der ganze Abschnitt drumherum übrugebs eignet sich auch ganz gut, um einiges zu illustrieren …
Nachtrag Zitat Rahel Jaeggi: “Man kann über Entfremdung reden, ohne dass man das wahre Ich definiert oder sagen muss, was die Natur des Menschen oder das richtige Leben ist. Es gibt diesen kulturkritischen Standardeinwand – von linker wie von konservativer Seite -, dass uns Bedürfnisse aufgeschwatzt werden, etwa von der Werbung. Dieser Paternalismus stört mich. Die Bedürfnisse des Menschen sind dynamisch und veränderbar. Man muss also versuchen, über “Entfremdung” zu sprechen, ohne dabei immer besser zu wissen als die Individuen selbst, was diese eigentlich wollen und was für sie gut ist.”