Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet – 9 Thesen zur Problemlösung

Um Lösungen anbieten zu können, sind eine Reihe von Erwartungen zu definieren und zu verifizieren, die über validierte Wenn-Dann-Beziehungen zu Handlungsempfehlungen führen. Weil wir uns in einem sozialwissenschaftlichen Umfeld befinden, sind die Folgerungen naturgemäß nicht so hart, wie in der Physik oder Mathematik.

Kernthese 1

Durch die Ergänzung klassischer Publikationskanäle mit Internettechnologie und die bis 2009 daraus entstandenen Werkzeuge befindet sich die Qualität der verfügbaren und publizierten Information auf dem höchsten jemals verfügbaren Stand.

Erläuterung:
Qualität = Grad der Übereinstimmung der implizit oder explizit vereinbarten Leistung einer materiellen oder immateriellen Sache mit den implizit oder explizit definierten Anforderungen eines Anwenders bzw. Abnehmers unter Berücksichtigung der für die Bereitstellung der Leistung akzeptierten Aufwanddeckung. {Jakob, 1993, in Anlehnung an DIN/EN/ISO 8402 und 9000}

Erkenntnis: Der Kunde bestimmt, wie hoch die Qualität ist. Qualität kann von 0 bis 100% reichen. Eine Leistung, die keinen Zweck erfüllt, wird niemals Qualität haben = was der Leser nicht lesen will, ist vielleicht eine journalistisch schöne Leistung, aber “für die Tonne”. Der Journalist muss das Interesse des Rezipienten (neudeutsch Requirement) kennen und darf sich nicht darauf verlassen, was er für den Rezipienten für wichtig hält.

Nachrichten, also Berichterstattung über Ereignisse oder Zustände, sind im innersten Informationen. Informationen werden von Abnehmern (Rezipienten) benötigt, um eine Entscheidung zu treffen oder einen Sachprozess durchzuführen.

Je höher die Qualität der Information, desto höher die Qualität der Entscheidung oder die Ergebnisqualität des Sachprozesses.

Je kleiner die Gruppe der “ungerichtet interessierten” Rezipienten, desto wichtiger ist die Kenntnis über individualisierte Anforderungen und desto unwichtiger wird eine grundlegende journalistische Berichterstattung und Kommentierung.

Folgerungen

  • Qualität der verfügbaren Information ≠Qualität der verfügbaren journalistisch publizierten Information.
  • Der qualitativ hochwertige Informationsbestand steht nur wenigen (privilegierten) Informationsexperten zur Verfügung, die ausgebildet wurden oder fähig zur Selbstakquisition in der notwendigen Expertise waren.
  • Die Allgemeinheit, darunter auch nicht wenige Journalisten, scheitert an der Auswahl der relevanten Quellen, an fehlender Rechercheexpertise und Technologieaffinität, fehlender Befähigung zur Quellenbewertung sowie fehlender Fähigkeit zur Orientierung in komplexen Strukturen.
  • Es gibt vermeintliche und echte Schranken: Surface Web, deep Web, invisible Web, hidden Web, Closed Shops (Extranet/Intranet) usw.

Kernthese 2

Primär- und Leitmedien, aber auch alle anderen professionell geführten journalistischen Medien werden künftig nicht mehr durch den Kanal identifiziert über den sie empfangen oder gelesen werden, sondern durch Branding.

(Kommunikationskanäle werden durch Branding zum Medium. Branding setzt Qualität auf hohem Niveau für die relevante Zielgruppe voraus.)

Folgerungen / Feststellungen

  • Multichannel ist keine Option, sondern ein MUSS.
  • Ein Brand in einem Kanal (z.B. TV) ist noch lange kein Brand in einem anderen Kanal (z.B. Zeitschrift, Web, Blog, RSS-Feed etc.) – nicht zu vergessen (!): SMS, MMS, DVB-H.
  • Poor branding beschädigt die Hauptmarke.
  • Nutzer erwarten auf allen Kanälen die gleiche Brand-Qualität.

Kernthese 3

Medien, die ihrer Aufgabe als vierte demokratische Macht und damit gesellschaftlicher Aufgabe nicht nachkommen, werden zu Konsumgütern, d.h. kommerzialisiert, und verschwinden als journalistische Einheit.

Folgerungen / Feststellungen

  • Der Einfluss politischer und wirtschaftlicher Instanzen gefährdet die redaktionelle Unabhängigkeit.
  • Der ö/r Bereich ist vor allem politischem Einfluss ausgesetzt, die u.a. aufgrund von Proporzkompromissen zu Schieflagen in der Meinungspluralität und Themenwichtung aller Sender führt.
  • Private Sender sind vor allem den Eigeninteressen ausgesetzt.
  • Zeitungen und Zeitschriften sind vor allem Schaltungsinteressen ausgesetzt, wie der Presserat mehrfach in schwerwiegenden Fällen festgestellt hat.
  • In der Bevölkerung fehlt es tendenziell an einer Sensibilisierung für die Aufgaben und Gefährdungen der Medien und die daraus resultierenden Konsequenzen für unsere Gesellschaft.
  • Große Teile der Gesellschaft werden nicht erreicht, weil “Sendekanäle” benutzt werden, die angesprochenen Rezipienten ignorieren (insbesondere die “junge Generation” mit ihrer neuen Medienmixnutzung) oder nicht verstehen (“Rezipientensprache”, Themenattraktivität)

Kernthese 4

Medien müssen Informationsscout und Entscheidungsunterstützer für ihre Rezipienten werden.

Folgerungen / Feststellungen

  • “Normale” Rezipienten können sich heute im Regelfall nicht mehr eigenverantwortlich und eigenbefähigt um alle sie betreffenden publizierten Informationen kümmern (um z.B. eigene gute private, wirtschaftliche, politische oder weltanschauliche Entscheidungen treffen zu können).
  • Bestehende Intransparenz muss durch die Medien aufgehellt und beseitigt werden.
  • Medien müssen dabei stärker auf ihre spezielle Klientel fokussieren, Themenfelder ggf. umgewichten oder neu aufnehmen und vor allem Kanäle und Darstellung an das Rezipientenverhalten anpassen und neben “Broadcast” auch aktive Kommunikation betreiben.

Kernthese 5

Medien müssen sich besser vernetzen.

Anmerkung:
Mir ist ein Beitrag von Sonja Mikich von “Monitor” in Erinnerung über Dumpinglöhne bei KiK. Der eigentliche Skandal ist der – soweit ich weiß – bis heute gegebenen Verzicht der deutschen Rentenversicherung auf Betriebsprüfungen, die zur Nachveranlagung der betroffenen Unternehmen führen würde. Dadurch und durch vergleichbare Tatbestände entgehen den Sozialversicherungen jährlich mindestens dreistellige Millionenbeträge an Beitragseinnahmen. Ich habe mal testweise in Lexis-Nexis nachgeschaut: kein einziges deutsches Mainstream-Medium hat das aufgegriffen.

Folgerungen / Feststellungen

  • Fernsehen ist privilegiert – egal ob ö/r oder privat. Man hat genügend Zeit (d.h. Budget) für Recherchen, um selbst komplexeste Themen adäquat zu recherchieren und verständlich vermitteln zu können. Im ö/r Radio ist es ähnlich.
  • Der non-TV-Bereich folgt den Themen oft nicht (Beispiele auf Anfrage). Der gesellschaftliche Schaden ist aufgrund der fehlenden Politisierung der Themen meist beträchtlich. (Beispiele auf Anfrage)
  • Das Internet ist das Underdog-Sprachrohr. Viele wichtige Themen werden, obwohl in den Raum geworfen und weidlich beachtet, von den Mainstream-Medien nicht aufgegriffen. (Beispiele auf Anfrage)
  • Die Initiative Nachrichtenaufklärung zeigt hier viele Ansatzpunkte.

Kernthese 6

Medien müssen die dargestellte Gegenwart um in die Zukunft gewandte Prinzipien und ihnen verfügbares kulturelles Erbe erweitern.

Folgerungen / Feststellungen

  • Bestände enthalten Wertvolles, das zum Verständnis der Gegenwart und ggf. zur Einschätzung der Zukunft wesentlich beträgt (die Öffnung des SPIEGEL-Archivs, oder die der BBC (zeitweise) oder die “Golden Archive for Parliaments”-Initiative des ORF haben Vorbildcharakter)
  • Die Verbindung und Verfügbarmachung von Aktuellem und Bestand setzt die Anwendung von Internettechnologien voraus.

Kernthese 7

Das Internet ist kein Medium, es ist eine Technologie und ein Kanal wie das Fernsehen oder Radio oder die Zeitungen und Zeitschriften.

Folgerungen / Feststellungen

  • … mit der/dem man Broadcasten kann, wie in allen traditionellen Kanälen (TV, Radio, Print) -
    hier hören die Gemeinsamkeiten auf
  • … mit der/dem man asynchron kommunizieren kann, wie beim Briefeschreiben – nur schneller. Zuschauer- und Zuhörermeldungen oder Leserbriefe sind in klassischen Medien noch “kontrollierbar”, im Internet nicht.
  • … mit der/dem man synchron kommunizieren kann, wie im persönlichen Gespräch, oder beim Telefonat; was mit Dial-In u.ä. auch in Radio und Fernsehen möglich ist, aber niemals in der Masse wie im Internet
  • asynchrone und synchrone Kommunikation auf offenen Kanälen ist für traditionelle Medien tödlich, wenn keine redaktionelle Betreuung geleistet wird – und die ist richtig teuer.
  • WAN-Netzwerke gibt es schon fast 50 Jahre, alle waren proprietär. Erst die ISO-normierte und freie Internettechnologie hat zur demokratisierten Nutzung geführt ;-)

Kernthese 8

Medien müssen, jedes auf ihrem Level – meist durch Örtlichkeit oder Provenienz definiert -, ihre spezifischen Kernkompetenzen in den Vordergrund stellen.

Folgerungen / Feststellungen

  • Lokale journalistisch geführte Medien besitzen ungeteilte lokale Kompetenz
  • Regional journalistisch geführte Medien besitzen ungeteilte regionale Kompetenz
  • National und international journalistisch geführte Medien stehen in einem Wettbewerbssumpf, in dem sie auf der überregionalen Ebene nur dann eine spezifische Kompetenz (inzwischen in altem Denglish: “Unique Selling Proposition” genannt, oder auch USP) zugesprochen bekommen, wenn sie sich in einer Zahl von definierten Ressorts die Leviten verdient haben. Alles andere ist Boulevard. Ein, zwei, vieleicht drei Ausnahmen mag es da geben.
  • Es ist erstaunlich, dass von den Printverlegern der ö/r-Rundfunk immer als Staatsfunk bezeichnet wird, aber gleichzeitig hier die meisten und wichtigsten Kooperationen in Nachrichtenaustausch und gemeinsamen Publikationsplattformen zwischen Verlegern und Landesrundfunkanstalten bestehen. Eben: Qualität zu Qualität. Ehrlichkeit würde hier bei der Rezipientenakzeptanz sehr nützlich sein. Auf der nationalen Ebene sieht das geringfügig anders aus.
  • National anerkannte Medien sind noch lange kein Garant für die Abbildung internationaler bzw. globaler Sichtweisen.
    “Wer mal im Urlaub in den USA, Südamerika, Afrika, insb. Südafrika, Japan, China, Indien, sonstwo in Asien oder in Australien war, und Meldungen über Deutschland gesucht hat, weiß wovon ich rede. Das gilt selbst für Nachrichten aus Deutschland in österreichischen, schweizer, französischen, italienischen, niederländischen, dänischen etc. pp. Medien.” – Das ist einer der wichtigsten Negativpunkte der klassischen Medien in Deutschland.
  • Wichtige Hintergründe, die im Hauptkanal kapazitiv nicht untergebracht werden können, müssen redaktionell aufbereitet und qualitätsgesichert
  • … und in Compagnon-Kanälen verfügbar gemacht
  • … und aus dem “Hauptkanal” und innerhalb des Kanalmixes deutlich sichtbar “verlinkt” werden.
    (Die Deutsche Welle ist ein Leutturmbeispiel für solche Multichannel-Angebote mit wirksamen Verweisstrukturen)

Anm.

- Kanal kann sein: Press, Hörfunk, Fernsehen, Web, Blog, Twitter, Chat, Bulletin und News Boards u.v.w., ggf. mit Podcast, Vodcast etc. pp.

Kernthese 9

Medien müssen exklusive Inhalte anbieten. Nur dafür sind Rezipienten bereit zu bezahlen.

Folgerungen / Feststellungen

  • Exklusiv heißt, hier erhältlich und nur hier.
  • Der Mantel ist für Tageszeitungen der unwichtigste Teil.
  • Das lokale Geschehen wird weit “unter Wert verkauft”.
  • Das lokale bzw. regionale Geschehen könnte unter Einbeziehung der Kapazität von Mantelredaktionen wesentlich intensiver berichtet werden.
  • Lokales und Regionales ist näher am Rezipienten und damit von höchster Relevanz.
  • Das “Übergreifende” wird von anderen Medien besser bedient (Die meisten Zeitungen übernehmen den nationalen Teil  - i.W. Politik und Wirtschaft – ehedem komplett und meitst unverändert von dpa.)
  • Mit exklusiven Inhalten sind neue tragfähige Geschäftsmodelle für Journalisten realisierbar:

Übergreifende Folgerungen: Das Spannungsfeld betrifft

  • den medialen Wettbewerb von klassischen mit Online-Kanälen et vice versa (Marktwirkung),
  • die Neugestaltung der Rollen und Beziehungen in der journalistischen Senke, Bearbeitung und Nutzung (Marktstruktur und -prozesse),
  • die systematische Nutzung von Online-Medien im redaktionellen Prozess (interne Wirkung),
  • die notwendige Erweiterung von Primärkanälen zu einem Multichannel-Mix (externe Wirkung),
  • Journalistische Qualität und mediales Branding (strategische Wirkung).

Hierzu schreibe ich bei Gelegenheit mehr.

Siehe auch die Hinführung zu den 9 Thesen:
Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet – 8 Dimensionen des Problems


Beiträge zu verwandten Themen:

  1. Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet – Twittern als Beispiel für Operationalisierung

About Geribert Jakob

Professor für Medienwissenschaften an der Hochschule Darmstadt und ist erreichbar und diskussionsbereit über Geribert.Jakob *at* h-da.de oder direkt hier ... in den Kommentaren.
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40 Responses to Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet – 9 Thesen zur Problemlösung

  1. Pingback: KoopTech » Gastbeitrag » Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet - 8 Dimensionen des Problems

  2. Kernthese 3 leuchtet mir nicht ein.
    Kostenlose Stopfzeitungen nehmen z.B. diese Aufgabe (4. unabhängige Macht durch Qualitätsjournalismus) nicht ein – und diese Printprodukte florieren seit Jahren.
    Unabhängige (also nicht die Ö/R) Qualitätsjournalisten verursachen hohe Kosten, die durch Anzeigenschaltung reinkommen müssen. Geht im Internet so nicht. Die Rolle der “4. unabhängigen Macht” steht jetzt eigentlich nur wesentlich transparenter und nüchterner bewertet zur Diskussion, solange das Geschäftsmodell zur Refinanzierung im Internet nicht gefunden wird.

    Zur 8.
    Regionale Kompetenz muss nicht in den Vordergrund gestellt werden, denn sie ist für eine Redaktion kein wesentlicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. (Eine eigenständige regionale Berichterstattung ist weitaus billiger verfügbar als eine eigenständige internationale Nachrichtenberichterstattung.)

    Regionale Kompetenz ist auch nicht ungeteilt, ganz im Gegenteil: Die Regionale Kompetenz von Redaktion und deren Qualitätsjournalismus konkurriert mit Vereinswebseiten, Rathausinfos, Polizei-, Feuerwehr-, und Rettungsdienst-Webseiten, oder den Online gestellten Schulzeitungen, und sie verliert dabei immer, wenn es um die Aktualität geht. Das Internet macht die regionale Kompetenz von Journalisten hinfällig, sobald “Internet first” ins Spiel kommt.

    Und vor allem: Die regionale Kompetenz ist für Journalisten nicht mehr glaubwürdig darstellbar, wenn es um Neuigkeiten für kleine Mikrozielgruppen geht. Den Kaninchenzüchter. Die Eltern des Sprösslings, dessen Fußballteam den Pokal der Bambiniliga geholt hat. Die Landfrauengruppe und ihre Rezepte.
    Die ungeteilte regionale Kompetenz des Journalisten geht verloren, sobald diese kleinen Interessensgruppierungen auf das Internet umstellen, anstatt ein Fax an die Zeitungsredaktion zu schicken und Google diese kleinen Webseiten für den Leser findet. Das Gleiche passiert, wenn Kommunen und ihre Kulturämter ihre Meldungen gleich ins Internet stellen, anstatt diese wie bisher an die Redaktionen zu schicken mit der Bitte um Berichterstattung.

  3. Das sind fundierte Thesen. Wenn sie jetzt auch noch lesbar geschrieben wären, würde dieser Beitrag erheblich gewinnen. Dass eine Medienprofessur nicht dazu verpflichtet, möglichst viele Substantivierungen und Abstraktionen zu verwenden, beweisen Jeff Jarvis und Jay Rosen jeden Tag. Scheint ein typisch deutsches Phänomen zu sein.

  4. Geribert Jakob says:

    … ich habe auch nie behauptet ein Journalist mit guter Schreibe zu sein. Meine Sozialisierung lässt keine anderen Formulierungen (ohne Unterstützung durch professionelles Redigieren) zu: ich habe neben Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Informatik u.a. Soziologie studiert und als vereidigter Gutachter am Landesarbeitsgericht in Sachen IT berichtet. So was prägt die Schriftsprache.

  5. Geribert Jakob says:

    … meine Antwort wird aus Zeitgründen mehrteilig:

    zu:

    “Kernthese 3 leuchtet mir nicht ein.”

    * Ich habe in der Tat einige Aspekte genannt, die einer vertieften Erläuterung bedürfen.

    “Kostenlose Stopfzeitungen nehmen z.B. diese Aufgabe (4. unabhängige Macht durch Qualitätsjournalismus) nicht ein – und diese Printprodukte florieren seit Jahren.”

    * Das sind publizistische Einheiten, keine journalistischen ;-)

    “Unabhängige (also nicht die Ö/R) Qualitätsjournalisten verursachen hohe Kosten, die durch Anzeigenschaltung reinkommen müssen. Geht im Internet so nicht.”

    * Die Onlineausgabe von u.a. Test (Stiftung Warentest) ist profitabel, weil wirklich exklusive und kostentechnisch aufwändige Inhalte geboten werden. Ich glaube auch nicht, dass das Internet die Primärplattform für Qualitätsinhalte ist (das auszuführen wäre ein eigener Aufsatz).
    Darüber hinaus ist mir die Bezeichnung Internet viel zu undifferenziert. Wir reden hier über eine hochgradig heterogene Technologie- und Kommunikationskanalfamilie mit unterschätzten Potenzialen in der Nutzung für die Refinanzierung von (journalistischen) Angeboten.

    “Die Rolle der “4. unabhängigen Macht” steht jetzt eigentlich nur wesentlich transparenter und nüchterner bewertet zur Diskussion, solange das Geschäftsmodell zur Refinanzierung im Internet nicht gefunden wird.”

    * Haben Sie schon den “Journalist” von letzter Woche gelesen, zum Thema “fünf Geschäftmodelle zum Überleben von Tageszeitungen”? Die Modelle sind mir persönlich zwar zu eindimensional, zeigen aber auf, dass es grundsätzlich Möglichkeiten zum Erhalt gibt.

  6. Geribert Jakob says:

    more precise:

    http://journalist.de/ – Heft 6 / 2009

    Aufsätze/Artikel:
    * Pro & Contra: Taugt Paid Content als Geschäftsmodell für Journalismus im Internet?
    * Zukunft der Zeitung: Fünf Szenarien zur Rettung der Qualitätszeitung

  7. Geribert Jakob says:

    zu:

    ” Zur 8. Regionale Kompetenz muss nicht in den Vordergrund gestellt werden, denn sie ist für eine Redaktion kein wesentlicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. (Eine eigenständige regionale Berichterstattung ist …”

    * Stimmt für Print (wenn auch nicht in allen Details). Regionales Wort und Bild von regional ansässigen Sendern ist “unmatched”. Das Problem ist wesentlich vielschichtiger, da wir hier über Multi-Channel und Medien-Kooperationen reden, die als vernetzter Verbund erfolgreich sein können.

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  9. Pingback: links for 2009-06-16 « Moment mal – wait a minute …

  10. Wittkewitz says:

    Zu These1:
    Durch die Ergänzung klassischer Publikationskanäle mit Internettechnologie und die bis 2009 daraus entstandenen Werkzeuge befindet sich die Qualität der verfügbaren und publizierten Information auf dem höchsten jemals verfügbaren Stand.

    Diese These ist keine. Weder sind grundlegende Axiome noch Fakten benannt. Es ist einfach eine Behauptung, noch nicht einmal eine Proposition. Die “Kanäle” Papier und Rundfunk durch einen weiteren “Kanal” Internet oder – um es mal qualifizierter Auszudrücken – ‘Hypertext’ hat keinen wie auch immer gearteten hohen Stand begründet. Ganz abgesehen davon, dass hier versucht wird Quantifikation und Qualifizierung in eine opake Relation zu setzen. Aussagenlogisch und wissenschaftstheoretisch betrachtet ist dies schlicht eine Parole, die nicht verifizierbar oder widerlegbar ist, da keine Proposition vorliegt.

    Zur These 2:
    Primär- und Leitmedien, aber auch alle anderen professionell geführten journalistischen Medien werden künftig nicht mehr durch den Kanal identifiziert über den sie empfangen oder gelesen werden, sondern durch Branding.

    Der Markenname war schon immer das größte Verkaufsargument der Verteilerindustrie wie Verlage oder Rundfunkkanäle, da sie genuin keine Inhalte produzieren sondern nur verteilen. Diese Aussage ist im Grunde eine Tautologie.

    Zu These 3:
    Medien, die ihrer Aufgabe als vierte demokratische Macht und damit gesellschaftlicher Aufgabe nicht nachkommen, werden zu Konsumgütern, d.h. kommerzialisiert, und verschwinden als journalistische Einheit.

    Tja, das hört sich ideologischer an, als es ist. Da nicht wenige Parteien, vor allem aber die SPD über die ddvg, enorme Player in der Medienlandschaft/industrie sind, ist diese These bereits obsolet. Denn eine der Grundvorraussetzungen, die diese These überhaupt ins Getriebe bringen würden, wäre eine Trennung von Beobachter und Beobachtetem. ich hoffe, Sie stimmen da zu. Ich bin zwar mitnichten Anhänger der Glaubensgemeinschaft der Objektivität, aber diese Trennung ist eine notwendige jedoch kein hinreichende Bedingung für diese Aufgabe der 4. Kraft.

    Zu These4:
    Medien müssen Informationsscout und Entscheidungsunterstützer für ihre Rezipienten werden.

    Ach ja, ich kann mit diesen Begriffen leider keinen Inhalt verbinden, der eine seriöse Diskussion über Sinn und Unsinn von Massenmedien begründen würde. Ich empfehle zum Thema Entscheidung die Lektüre “Logik des Mißlingens” von Dörner. Dort wird ganz gut klar, warum Information viele falsche Entscheidungen begründet. Grundsätzlich erscheint mir in ihren Sätzen die begriffliche Definition von Information und Entscheidung noch sehr unpräzise.

    Zu These5:

    Medien müssen sich besser vernetzen.

    Wenn Sie jetzt die Netzwerke und deren Aufgaben und Chancen klar benannt hätten, dann wäre diese These sicher diskussionswürdig. Der Begriff besser ist in diesem Zusammenhang auch nicht besonders aussagekräftig. Insgesamt der Satz, der von einer These am weitesten entfernt ist.

    Zu These6:
    Medien müssen die dargestellte Gegenwart um in die Zukunft gewandte Prinzipien und ihnen verfügbares kulturelles Erbe erweitern.

    Und nun kommen die alten Sätze der Futuristen aus dem 19. Jahrhundert wieder zum Vorschein? Also angesichts der Ergebnisse der Postmoderne würde ich den Gebrauch der Begriffe “Prinzipien” und “kulturelles Erbe” etwas relativieren. Ich verstehe den Genitiv nicht wirklich. Entweder meinen sie die Gegenwart im Nominativ oder der Genitiv ist ein Hinweis auf das Erbe der zukünftigen Prinzipien? In dem Fall habe ich den Eindruck, dass sie Chronos und Kairos durcheinanderbringen oder schlicht die Wechsstaben verbuchteln…Aber interessant, dass sie auch darauf hinweisen, dass die Gegenwart das corpus delicti ist. Ich verbringen schon Jahre damit den Zeitungen zu erklären, dass es kein Geschäftsmodell sein kann, heute die Nachrichten von gestern zu verkaufen. Und das nicht allein deshalb, weil viele Journalisten so unglaublich wenig historisches Werkzeug im Gepäck haben…

    Zu These 7:
    Das Internet ist kein Medium, es ist eine Technologie und ein Kanal wie das Fernsehen oder Radio oder die Zeitungen und Zeitschriften.

    Achja, seit der infaltionären Rezeption McLuhans Werken ist das doch keine These mehr, oder?

    Zu These 8:
    Medien müssen, jedes auf ihrem Level – meist durch Örtlichkeit oder Provenienz definiert -, ihre spezifischen Kernkompetenzen in den Vordergrund stellen.

    Diese “These” ist eine betriebswirtschaftliche Binsenweisheit, die seit 30 Jahren unter dem Begriff Alleinstellungsmerkmal Einzug in die Populärwissenschaft Einzug gehalten hat.


    Insgesamt kann ich wenig Innovatives und noch weniger Durchdachtes erkennen. Ganz nett für ein Proseminar, aber nicht ausreichend reflektiert für eine Publikation unter den beiden einführenden Sätzen über kausale Ratgeberempfehlungen…

  11. Pingback: KoopTech » Gastbeitrag » Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet - Open Archives als Beispiel für Operationalisierung

  12. Geribert Jakob says:

    … wird mehrteilig:

    zur Anmerkung zur These 1:
    es ist richtig, dass eine Hypothese eine Annahme darstellt, die nicht im Widerspruch zu allgemein anerkannten Fakten steht und im Grundsatz überprüfbar sein muss. Lassen wir die Zahlen sprechen:
    http://www.kefk.org/studien/digitalisierung/digitale.informationsmenge.explodiert.und.fliesst.in.immer.neue.formatvarianten

    Simplifiziert gesprochen: Daten werden durch alle Formen von Medieninformationsobjekten repräsentiert. Wir reden hier nicht nur über Texte, sondern auch Fotos, Audio, Video, etc. pp.
    Wenn der Bestand an Daten, sagen wir 1975 die Maßgröße 100 betrug und wir davon ausgehen, dass 1% davon einen Zweckbezug hat, damit also Information ist, dann sagen Studien, wie die o.a. dass wir heute einen Datenbestand (relativ zu 1975) von mehr als 1.000.000 haben. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass der Zweckbezugsfaktor aufgrund von vermehrten Schmutzdaten (Werbung etc.) und Doppelungen um den Faktor 100 auf 0,01 gefallen ist, steht heute mindestens die 10.000-fache Informationsmenge zur Verfügung. Meine Schätzdaten sind sehr konservativ. qed.

  13. Geribert Jakob says:

    zur Anmerkung zur These 2:

    Ich widerspreche nicht, was die historische Bedeutung von Branding angeht – zumindest seit der marktwirtschaftlichen Konvertierung von Verkäufer- in Käufermärkte in den 60ern. Meine Behauptung ist lediglich, dass etablierte Medienbrands vergessen hatten Branding in den neuen Kommunikationskanälen zu machen – den Beweis kann man durch das Studium unzähliger halbgarer Webauftritte führen. Es gibt natürlich auch positive Ausnahmen, wie das FAZ- und das Spiegelportal oder auch die Mediatheken diverser Sender.

  14. Geribert Jakob says:

    zur Anmerkung zur These 3:

    Ja. Die Vertiefung der Diskussion darüber würde aber einen eigen Diskussions-Ast erfordern.
    http://www.mitarbeit.de/uploads/media/09_06_cl_jahrestagung_mehr_demokratie_fuldatal.pdf oder http://www.hbs-hessen.de/singleview/article/447/medien-macht.html oder http://www.arte.tv/de/europa/2647906.html sind vielleicht ein guter Ort bzw. eine gute Quelle dafür.

  15. Geribert Jakob says:

    zur Anmerkung zur These 4:

    ich gebe zu, dass die Hypothese eher akademisch als dem wahren Leben zugewandt ist. Fakt ist aber, dass eine sichere, d.h. richtige Entscheidung nur bei vollständiger Information (siehe einschlägige Lehrbücher hierzu) möglich ist und realita Entscheidungen immer unter Unsicherheit getroffen werden. Diese Unsicherheit hängt positiv-korrelierend mit der Menge an verfügbaren hochwertigen Informationen zusammen: Entscheidungsqualität eq = f(Informationsqualität) mit eq’ > 0 (zur nötigen Kurvendiskussion siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurvendiskussion). Je besser die Informationsqualität, desto besser also die Entscheidungsqualität. Die “Logik des Misslingens” fokussiert offensichtlich darauf, dass trotz besseren Wissens der Bauch die Entscheidung trifft. Das ist in der Realität auch oft der Fall – Menschen haben oft den instiktiv richtigen Riecher. Aber eben nur oft und nicht immer.
    Wenn man also eine gute Informationsqualität braucht, muss man sie auch finden können. Das ist die Aufgabe professioneller Informationsvermittler, zu denen auch Journalisten gehören. Der normale Mensch ist bei verfügbaren 45 Terabyte pro Nase (siehe Quelle oben) überfordert, selbst zu finden.

  16. Geribert Jakob says:

    zur Anmerkung zur These 5:

    Ich habe das gemeinte mit meinem Beispiel zu (Mikich/Monitor, KiK-Bericht) zu konkretisieren versucht. Es sollte eigentlich für sich selbst sprechen.

  17. Geribert Jakob says:

    zur Anmerkung zur These 6:

    das ist ein Diskussionsbereich, der von Journalisten fast nicht wahrgenommen wird und trotzdem enorme Bedeutung besitzt. http://www.fg7.de . Wir reden hier über recherchierbare Hintergrundinformation.
    Dass sie Redakteure davon abhalten, die Nachricht von Vorgestern zu veröffentlichen, ist schon ok. Aber darum geht es hier nicht.

  18. Geribert Jakob says:

    zur Anmerkung zur These 7:

    Yip. Die meisten vergessen das aber spätestens fünf Minuten, nachdem sie es gehört haben. Mein Prinzip: Holzhammer, bis es sitzt.

  19. Geribert Jakob says:

    zur Anmerkung zur These 8:

    ja, ja, die gute alte USP. Ich war mal für kurze Zeit Marketingprof – liegt ja alles so dicht beieinander.
    Meine These zieht wesentlich radikalere Folgen nach sich, als sie es offensichtlich ahnen. Wenn ich das stark verengend nur auf den Bereich lokale Tageszeitung beziehe, würden sie das Produkt vermutlich als solches nicht mehr erkennen. Hier beginnt dann möglicherweise eine Privatdiskussion.

  20. Geribert Jakob says:

    … die subsumierende Bemerkung scheint mir etwas überheblich. Ich hoffe, dass ich durch die Antworten zeigen konnte, dass man ein solches Thema auch konstruktiv diskutieren kann.

  21. Geribert Jakob says:

    zusätzliche Kommentierung zur Anmerkung zur These 3:

    Der Einfluss werbeschaltender Unternehmen und Institutionen auf die Planung redaktioneller Publikationen hat auf allen Ebenen ein alarmierendes Mass angenommen. Ich würde ohne rot zu werden behaupten, dass es in weiten Bereichen keine unabhängige lokale Wirtschaftsberichterstattung mehr gibt. Die wenigen Redakteure, die sich trotzdem trauen haben wirklich Standing (meine Hochachtung) oder sind wirtschaftlich unabhängig.

  22. Wittkewitz says:

    >Simplifiziert gesprochen: Daten werden durch alle Formen von Medieninformationsobjekten >repräsentiert. Wir reden hier nicht nur über Texte, sondern auch Fotos, Audio, Video, etc. pp.
    >Wenn der Bestand an Daten, sagen wir 1975 die Maßgröße 100 betrug und wir davon ausgehen, dass 1% >davon einen Zweckbezug hat, damit also Information ist, dann sagen Studien, wie die o.a. dass wir heute >einen Datenbestand (relativ zu 1975) von mehr als 1.000.000 haben. Selbst wenn wir davon ausgehen, >dass der Zweckbezugsfaktor aufgrund von vermehrten Schmutzdaten (Werbung etc.) und Doppelungen >um den Faktor 100 auf 0,01 gefallen ist, steht heute mindestens die 10.000-fache Informationsmenge zur >Verfügung. Meine Schätzdaten sind sehr konservativ. qed.

    Daten sind codifizierte Signale. Sie verweisen zumeist auf reale Objekte (Repräsentation) oder sind Ergebnisse von formalisierten Prozessen wie z.B. Berechnungen. Sie sind immer Propositionen im Sinne eines erklärenden/sinnstiftenden Kontexts und ohne diesen ohne jede Aussage. Der Zusammenhang zwischen Daten und Informationen ist zwar in der Innformationstheorie eineindeutig. Außerhalb jedoch weitgehend ohne präzise extensionale und intensionale Bestimmung und daher kann dieser Begriff bisher noch nicht Grundlage eines wissenschaftlichen Diskurses sein, der die Grenzen der Informationstheorie verläßt.

    Ihr Begriff “Medieninformationsobjekt” signalisiert sehr klar, dass die Diskussionen über solcherlei Untersuchungsgegenstände weder der modernen noch der postmodernen Wissenschaftstheorie genügen. Der Versuch, die moderne Münze der Wahrheit namens Objektivität dadurch einzuführen, dass Zahlen und Größen in historischen Zeiträumen verglichen werden, um eine Entwicklung oder gar einen Fortschritt zu begründen, kann nur als unzureichend bestimmt werden.

    Es fehlen die Veranlassung des Untersuchungsgegenstands, eine extensionale und intensionale Bestimmung des Vokabulars und eine historische Wertung des Kontexts in dem diese Fachtermini gebraucht wurden. Auch ein quasimathematischer Jargon kann keine qualitative Bestimmung der Relation von Datum zu Information oder gar Entscheidungselementen begründen. Das Quantifizieren von unbekannten und weitgehend beliebig benutzten Begriffe wie Daten und Information hilft dabei wenig.

    Auch ein qed ist hierbei nicht möglich, da ein Axiom die Konklusionen begründen müsste. Dieses existiert nicht. Daher sind alle mathematischen Argumente in diesem Kontext ohne jegliche Relevanz.

  23. Wittkewitz says:

    Webauftritte sind Produkte. Sie müssen schon spezifizieren, ob sie von Marken- oder Produktbranding sprechen sonst werden die Argumente zum Thema beliebig. Ich kann nicht erkenne, warum der Webauftritt der FAZ oder des Spiegels mehr oder weniger zum Brandig beiträgt als der Auftritt der Süddeutsche oder der Frankfurter Rundschau. Außerdem hatte ich gedacht, dass ein Auftritt lediglich eine Erweiterung der papiernen Zeitungen darstellt. Etwas genuin Neues im Web haben ganz andere Verlage als die genannten umgesetzt. Ich verweise dazu gerne auf das aufschlußreiche Blog von Leander Wattig zu diesem Thema…

  24. Wittkewitz says:

    Sie glauben doch nicht im Ernst, dass dies zu einem gegebenen Zeitpunkt jemals anders war, oder? Unabhängigkeit ist eine Mittelstandsblasphemie hat schon George Bernard Shaw vor 100 Jahren treffsicher erkannt.

  25. Wittkewitz says:

    Na dann ran mit den radikalen Folgen. Es tönt spannend.

  26. Geribert Jakob says:

    dann sind wir uns ja einig. Die Öffentlichkeit weis es i.d.R. nicht.

  27. Geribert Jakob says:

    zur Präzsierung:

    “Webauftritte sind Produkte.”
    * wie definieren Sie Produkt?

    “Sie müssen schon spezifizieren, ob sie von Marken- oder Produktbranding sprechen sonst werden die Argumente zum Thema beliebig.”
    * Was ist mit Dachmarken?

    ” …Außerdem hatte ich gedacht, dass ein Auftritt lediglich eine Erweiterung der papiernen Zeitungen darstellt.”
    * FALSCH!

    “Ich verweise dazu gerne auf das aufschlußreiche Blog von Leander Wattig zu diesem Thema… ”
    * Danke, nehme ich gerne an – dauert halt, bis ich dazu was sagen kann.

  28. Geribert Jakob says:

    … abgesehen davon, dass ich glaube, dass wir uns inzwischen auf unterschiedlichen Argumentationsebenen befinden, folgende Anmerkungen:

    “Daten sind codifizierte Signale.”
    * Daten sind mit einem definierten Zeichensatz kodierte Sachverhalte materieller oder immaterieller Art.

    “Sie verweisen zumeist auf reale Objekte (Repräsentation) oder sind Ergebnisse von formalisierten Prozessen wie z.B. Berechnungen. Sie sind immer Propositionen im Sinne eines erklärenden/sinnstiftenden Kontexts und ohne diesen ohne jede Aussage.”
    * Daten ohne Zweckbezug sind keine Informationen. Danke für die Bestätigung.

    “Der Zusammenhang zwischen Daten und Informationen ist zwar in der Innformationstheorie eineindeutig. Außerhalb jedoch weitgehend ohne präzise extensionale und intensionale Bestimmung und daher kann dieser Begriff bisher noch nicht Grundlage eines wissenschaftlichen Diskurses sein, der die Grenzen der Informationstheorie verläßt.”
    * Leider Falsch. Dadurch, dass der Informationsbegriff und auch der Qualitätsbegriff nebulös ist/sind gibt es immer wieder grundlegende Missverständnisse. Ich hatte ja schon ausgeführt, dass eine Diskussion meist an der unterschiedlichen Interpretation, genauer gesagt Definition von Begriffen scheitert. N.m.E. sind die journalistisch geprägten Begriffe zu Information, Nachrichten und Qualität für eine saubere Diskussion ungeeignet.

    “Ihr Begriff ‘Medieninformationsobjekt’ signalisiert sehr klar, dass die Diskussionen über solcherlei Untersuchungsgegenstände weder der modernen noch der postmodernen Wissenschaftstheorie genügen. Der Versuch, die moderne Münze der Wahrheit namens Objektivität dadurch einzuführen, dass Zahlen und Größen in historischen Zeiträumen verglichen werden, um eine Entwicklung oder gar einen Fortschritt zu begründen, kann nur als unzureichend bestimmt werden.”
    * Wir reden hier über einen Merkmalsträger, der mit Atributen beschrieben werden kann und polymorphe Eigenschaften besitzt. Remember: ich komme auch aus der Informatik. Das hier ist reine Definition und hat keinerlei wertende Dimension-

    “Es fehlen die Veranlassung des Untersuchungsgegenstands, eine extensionale und intensionale Bestimmung des Vokabulars und eine historische Wertung des Kontexts in dem diese Fachtermini gebraucht wurden.”
    * ???

    “Auch ein quasimathematischer Jargon kann keine qualitative Bestimmung der Relation von Datum zu Information oder gar Entscheidungselementen begründen. Das Quantifizieren von unbekannten und weitgehend beliebig benutzten Begriffe wie Daten und Information hilft dabei wenig.”
    * Man hat mich mal gefragt, was ich den studiert hätte. Meine Antwort: ‘angewandte Mathematik auf Englisch’. Ich weis sehr wohl wie ein mathematisches Modell gebaut wird. Gegenfrage: können Sie beweisen, dass das stark vereinfachte Modell zur Abhängigkeit von Qualitäten von Entscheidungen und Informationen nicht gültig ist?

    “Auch ein qed ist hierbei nicht möglich, da ein Axiom die Konklusionen begründen müsste. Dieses existiert nicht.”
    * es handelt sich hier um die Skizze eines statistischen Beweises. Soweit es um konkrete Daten geht, nehme ich natürlich den Schutzschirm der sozialwissenschaftlichen Argumentation in Anspruch.

    “Daher sind alle mathematischen Argumente in diesem Kontext ohne jegliche Relevanz. ”
    * Das Modell ist sehr wohl relevant. Ich bin auf Ihre Antwort gespannt.

  29. Geribert Jakob says:

    wann können wir uns treffen? Ich habe keine Lust mir die Finger blutig zu schreiben.

  30. Geribert Jakob says:

    ” …Außerdem hatte ich gedacht, dass ein Auftritt lediglich eine Erweiterung der papiernen Zeitungen darstellt.”
    * FALSCH!

    Das ist die kardinale Fehleinschätzung von elektronischen Kommunikationskanälen schlechthin.
    Bitte merken.

  31. Wittkewitz says:

    > abgesehen davon, dass ich glaube, dass wir uns inzwischen auf unterschiedlichen Argumentationsebenen befinden, >folgende Anmerkungen:

    “Daten sind codifizierte Signale.”
    * Daten sind mit einem definierten Zeichensatz kodierte Sachverhalte materieller oder immaterieller Art.

    Ich nutze eigene Gedanken und daher eigene Sätze. Die Gefahr besteht, das tradierte Definitionen nicht kongruent zu meinen sind. Der Begriff “ART” suggeriert eine Eigenschaft, materiell oder immateriell sind aber entweder physikalische oder juristische Fachtermini, die in diesem Kontext keine Relevanz haben. Eine Qualität ist eine Eigenschaft, sie erhält nur durch den Kontext eine Relevanz, es gibt keine universalen Eigenschaften und damit keine globale Qualität. Der Begriff Qualität ist eine äußere Attribution, die weder die Intension noch die Extension eines Begriffs tangiert. (siehe auch als Hinweis auf alle Formulierungen zum Begriff Qualität in diesem Thread)

    >“Sie verweisen zumeist auf reale Objekte (Repräsentation) oder sind Ergebnisse von formalisierten Prozessen wie >z.B. Berechnungen. Sie sind immer Propositionen im Sinne eines erklärenden/sinnstiftenden Kontexts und ohne >diesen ohne jede Aussage.”

    * Daten ohne Zweckbezug sind keine Informationen. Danke für die Bestätigung.

    Es geht noch weiter: etymologisch bedeutet Information Bildung durch Unterricht oder Erläuterung. Es bedarf also eines Gesetzten, das erläutert wird. Das Gesetzte selbst ist ein Akt des Individuums und damit bestimmt dieser Akt die Art und Weise der Erläuterung. Das Gefasel mit dem Kontext kommt von den Kybernetischen Jüngern, die noch immer mit ihren Regelkreisen im Gehirn in Häufigkeiten eine Bedeutung erkennen. Ich kann in der statistischen Methoden keinerlei erkenntnistheoretischen Gewinn erkennen. Abgesehen von einigen epidemiologisch-historischen Untersuchungen.

    >“Der Zusammenhang zwischen Daten und Informationen ist zwar in der Innformationstheorie eineindeutig. Außerhalb >jedoch weitgehend ohne präzise extensionale und intensionale Bestimmung und daher kann dieser Begriff bisher noch >nicht Grundlage eines wissenschaftlichen Diskurses sein, der die Grenzen der Informationstheorie verläßt.”

    * Leider Falsch. Dadurch, dass der Informationsbegriff und auch der Qualitätsbegriff nebulös ist/sind gibt es immer wieder grundlegende Missverständnisse. Ich hatte ja schon ausgeführt, dass eine Diskussion meist an der unterschiedlichen Interpretation, genauer gesagt Definition von Begriffen scheitert. N.m.E. sind die journalistisch geprägten Begriffe zu Information, Nachrichten und Qualität für eine saubere Diskussion ungeeignet.

    Was ist falsch? Meine Feststellung, dass beide Begriffe nicht Grundlage eines wissenschaftlichen Diskurses sein können oder die Behauptung, dass ihr Zusammenhang nur in der Informationstheorie klar ist.
    Ich glaube nicht, dass die Diskussion an der Definition scheitert sondern einige Teilnehmer, da sie den wissenschaftlichen Sprachgebrauch nicht erlernen konnten. Es ist nicht jeder Fakultät gegeben, ihre Untersuchungsgegenstände zu begründen. Viele übernehmen sie einfach unreflektiert und inflationieren Thesen aus Dissen und Habilitationen, weil andere das auch tun. Ich nenne das Exegese aber NICHT Wissenschaft.

    >“Ihr Begriff ‘Medieninformationsobjekt’ signalisiert sehr klar, dass die Diskussionen über solcherlei >Untersuchungsgegenstände weder der modernen noch der postmodernen Wissenschaftstheorie genügen. Der Versuch, >die moderne Münze der Wahrheit namens Objektivität dadurch einzuführen, dass Zahlen und Größen in historischen >Zeiträumen verglichen werden, um eine Entwicklung oder gar einen Fortschritt zu begründen, kann nur als >unzureichend bestimmt werden.”

    * Wir reden hier über einen Merkmalsträger, der mit Atributen beschrieben werden kann und polymorphe Eigenschaften besitzt. Remember: ich komme auch aus der Informatik. Das hier ist reine Definition und hat keinerlei wertende Dimension-

    Wo in einer Zeitung befindet sich denn ein Merkmalsträger? Beispiele bitte. Was sind seine Aufgaben und Merkmale und warum führen Sie diesen neuen Begriff ein?

    >“Es fehlen die Veranlassung des Untersuchungsgegenstands, eine extensionale und intensionale Bestimmung des >Vokabulars und eine historische Wertung des Kontexts in dem diese Fachtermini gebraucht wurden.”

    * ???

    Ist Ihnen das Handwerk der wissenschaftlichen Begründung nicht geläufig? Ich würde gerne mal Ihre Habilitation wissenschaftstheoretisch untersuchen. Vielleicht genügt sie auch nicht diesen Grundanforderungen an akademisches Arbeiten….um es mal polemische zu formulieren, dass ich diese Fragzeichen nicht wirklich freundlich deuten kann…

    >“Auch ein quasimathematischer Jargon kann keine qualitative Bestimmung der Relation von Datum zu Information >oder gar Entscheidungselementen begründen. Das Quantifizieren von unbekannten und weitgehend beliebig benutzten >Begriffe wie Daten und Information hilft dabei wenig.”

    * Man hat mich mal gefragt, was ich den studiert hätte. Meine Antwort: ‘angewandte Mathematik auf Englisch’. Ich weis sehr wohl wie ein mathematisches Modell gebaut wird. Gegenfrage: können Sie beweisen, dass das stark vereinfachte Modell zur Abhängigkeit von Qualitäten von Entscheidungen und Informationen nicht gültig ist?

    Ich gehe gerne auf Ihr Modell ein. Das ist mal eine konkrete Aufgabe!

    Bitte beschreiben Sie folgende Schritte bei Ihrer Modellbildung:

    Welche Phänomene haben zur Klasenbildung geführt
    Ihr Vorgehen bei der Reduktion
    Ihre Begündung für die Schritte der Dekomposition
    Welche Funktionen und Maßnahmen haben zur Aggregation geführt

    >“Auch ein qed ist hierbei nicht möglich, da ein Axiom die Konklusionen begründen müsste. Dieses existiert nicht.”
    * es handelt sich hier um die Skizze eines statistischen Beweises. Soweit es um konkrete Daten geht, nehme ich natürlich den Schutzschirm der sozialwissenschaftlichen Argumentation in Anspruch.

    Sie kennen meine Meinung zur Erkenntnisfähigkeit der Statistik.

    “Daher sind alle mathematischen Argumente in diesem Kontext ohne jegliche Relevanz. ”

    * Das Modell ist sehr wohl relevant. Ich bin auf Ihre Antwort gespannt.

    Dann erklären sie doch wenigstens das System, das dieses Modell abbildet.

  32. Geribert Jakob says:

    … ich stelle mal fest:
    1) Sie äußern eine beachtliche Zahl von Behauptungen, die nicht belegt sind.
    2) Sie versuchen eine eine realweltliche Diskussion in eine wissenschaftstheoretische zu drehen. Dem will ich gar nicht aus dem Wege gehen – dieser Blog ist dafür sicher nicht die richtige Plattform
    3) in allen Beiträgen habe ich keinen einzigen substanziellen Beitrag Ihrerseits gesehen, der uns inhaltlich, also zur Frage der Zukunft der Medien, weiter gebracht hätte.
    4) ich gestehe zu, dass mir einige Ihrer Fragen Gelegenheit gegeben haben, meine Thesen exakter zu spezifizieren.

  33. Wittkewitz says:

    1. Das ist genau der Sinn eines geistes/sozialwissenschaftlichen Diskurses. Beweise gibt es in den Naturwissenschaften nur deshalb, weil es Meßinstrumente gibt, die Objektivität simulieren. Die Deutung der Meßwerte ist und bleibt unbeweisbar. Ich verweise nur auf die Teilchen/Wellentheorie des Lichts oder die Quanten hin. Insofern ist keine Satz der bisher in irgendeiner Wissenschaft geschrieben wurde final bewiesen. Belege finden sich immer zu allen Hypothesen und Sätzen. Die Frage ist aber genau, ob diese aus der Lebenswelt kommen sollen, einer transzendentalen Betrachtung oder eben aus der Statistik, also der Erhebung von Reihenmessungen, die wie oben ausgeführt denselben deutenden Maßnahmen unterliegen wie die eigene Lebenspraxis. Es geht ja hier nicht nur um Subjektmodelle, die sich unterhalten sondern um den Versuch, in Kontakt zu treten (siehe die Diskussion um Ryles Mannschaftsgeist). Kontakt braucht keine Belege sondern Zuhörer, die nachvollziehbar vortragen. Ein Mensch, der verbal Kontakt sucht, ist Beleg genug.

    2. Ich habe nicht in die einführenden Sätze zu ihren Thesen die verlockenden Termini “Wenn-Dann-Beziehungen”, “verifizieren”, “definieren” und “validierte” als dies sind wissenschaftstheoretische und aussagenlogische Fachtermini, die sicher nicht auf eine lebensweltliche Diskussion hinweisen sollten. Und wenn, liegt ein Kategorienfehler vor, den ich nicht initiiert habe.

    3. Das ist richtig. Ich bin sehr schlecht in der Spekulation. Weder das Extrapolieren noch das Kaffeesatzlesen beherrsche ich wirklich so gut, dass ich darüber berichten möchte.

    4. Ich würde mich auf einen Bezug zur aktuellen Situation freuen. Da könnte ich auch substanziell mitreden..

  34. Wittkewitz says:

    ach ja, was Substanzielles zu Medien angesichts des angehimmelten Beitrags von Glaser bei der republica 2009:

    http://www.digitalpublic.de/failblatt-irgendwas-mit-inhalt-medien-presse-publikation-content-gehalt

  35. Pingback: Ich und eine Community « Angelegenheiten

  36. Ich formuliere nur einen ersten Eindruck: Mir fehlt in diesen Thesen das Web. Im Web werden Informationen oder Inhalte nicht einfach übermittelt, sondern als Antworten auf Anfragen oder “Requests” erzeugt. Und das geschieht hypermedial oder verlinkt: Fast jeder Antwort dient als Ausgangspunkt neuer Anfragen. Vielleicht verhindern Begriffe wie “Medium” oder “Kanal” es, die Besonderheiten des WWW zu erkennen: Dort kontrollieren die bisherigen “Empfänger” die Botschaft in einem anderen Ausmaß und in ganz anderen Weisen als bei den “Massenmedien”. Sie verwenden Software, intelligente Technologie, um zu finden, was sie interessiert, und sie vernetzen sich untereinander. Die “9 Thesen” sind nicht falsch – sie formulieren m.E. sehr gut Ansprüche der Benutzer an mediale Angebote – aber sie erfassen nicht, was das Web zu einer neuen “Umwelt” für die Medien macht. Die Megaphänomene im Web sind Plattformen und Tools für vernetzte User – Google, die Wikipedia, die Blogs, Facebook, Twitter. “Thesen zur Problemlösung” sollten sich vielleicht noch mehr darauf konzentrieren, ob und wie die “Medien” in dieser Umgebung Nutzen stiften können

  37. Wittkewitz says:

    Um den Gedanken von Herrn Wittenbrink noch weiter zu spinnen. Die klassischen Medien basierten auf dem Verteilermonopol der Verlage. Dieses existiert im Web nicht. Darüberhinaus hat die Entwicklung um Web 2.0 nicht nur die Distributionssituation radikal verändert sondern auch die Entkopplung von Autor und Verleger. Es gibt “die Medien” also nur noch in den einkanaligen Technologien wie Radio, TV und Print. Im Web gibt es keine Mediendiskussion, da es dort nur direkte Kommunikation gibt, also n:n. Jeder Versuch, die alten Strukturen aus der alten Welt im Web zu installieren wird unterlaufen durch das riesige Angebot. Neben jedem walled garden gibt es 200 offene Angebote mit vergleichbarem Inhalt. Soziale Netzwerke oder Crowdsourcing sind gänzlich andere Mittel, um Demokratie direkt darzustellen, wie bei jedem Aufstand offenbar wird – siehe aktuell twitter im Iran. Keines der klassischen Medien kann so etwas auch nur im Ansatz leisten. Insofern muss konstatiert werden, dass die elitäre Klasse der “bezahlten Besserwisser” (Journalisten) entweder da mitmacht wo alle mitmachen oder einfach übergangen wird.

  38. Geribert Jakob says:

    Prüfungszeit hat begonnen – ich klinke mich wieder intensiver ein, wenn ich Luft habe.

  39. Wittkewitz says:

    Eine gewöhnliche Tür bedankt sich sich für einen debattenlosen Austausch keiner Argumente. Es ist schade, dass sich die Erfahrungen mit den Lehrern an Unis und Schulen immer nach dem gleichen Schema wiederholen. Die Wochenarbeitszeit einer C4-Stelle oder eines Oberstudienrats ist ja nun wirklich überschaubar…

    Es erklärt aber auch, warum das Web 2.0 in der deutschen akademischen Welt auf soviel Unverständnis stößt.
    Das vermeintlich kostenlose Web 2.0 frisst Zeit.
    Das ist auch einer der Gründe, warum ich so gerne und oft in amerikanischen Foren diskutiere, da Amis fast immer täglich mehr als drei Stunden im Pendlerverkehr verbringen, ist es normal, dass man sich auch für den Rest des Lebens viel Zeit läßt…

  40. Pingback: KoopTech » Gastbeitrag Titelgeschichte » Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet - Twittern als Beispiel für Operationalisierung

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