Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet – Open Archives als Beispiel für Operationalisierung

An Beispielen lässt sich aufzeigen, wie sich die 8 Dimensionen sowie 9 Thesen zum Medienwandel operationalisieren lassen. Hier zeige ich am Beispiel “Open Archives”, welche Herausforderungen bereits gemeistert – und welche Aufgaben noch zu bewältigen sind.

Beispiel 1 für Operationalisierung:
Open Archives

Die Bestände, insbesondere der ö/r Sender stellen ohne jede Frage einen beträchtlichen Teil des kulturellen und gesellschaftlichen Erbes in Deutschland dar. Ihre Produktion wurde zudem im Wesentlichen über Gebühren finanziert.

Durch die technische Verschmelzung [u.a. Bandloses Archiv, FESAD mit CMI-Bus beim HR, SPHINX&ABD-Systeme im ZDF etc.] von Produktion und Bestand [die Bezeichnung Archiv führt, gemessen an der Bedeutung und dem Nutzungsgrad (Sühr, WDR: 30% Re-Use für das Programm) fachlich und terminologisch in die Irre. Bestand und Media Asset geben die wahre Bedeutung der Items als einzige angemessen wieder], die Positionierung des Bestands als Produktionspool, den Aufbau von Media-Asset-Management-Systemen werden neue journalistische Items sofort nicht nur im Bestand verfügbar, sondern vor allen für die Redaktionen von da aus zum Editieren und Beitrag bauen benutzt bzw. als Hintergrundinformation verknüpft.

In beiden Fällen ist Internettechnologie der entscheidende Enabler.

Im ersten Fall ist es ein kultur- und gesellschaftspolitisches Gebot, die Bestände unter Berücksichtigung der Wahrung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten zu öffnen, wie es z.B. die BBC und der ORF es für das Fernsehen und der SPIEGEL für die Presse vorgeführt haben bzw. hatten. Die Möglichkeit zu einer technischen und juristisch wasserdichten Öffnung der Bestände wurde vor wenigen Tagen auf der fg7-Tagung im Hause des HR positiv beantwortet.

Im zweiten Fall ist es ein Gebot der Informations- und Bildungsaufgabe der ö/r Sender solches auch mit Verknüpfungen zum aktuellen Programm zu machen.

Beides bezieht internetgestützte 1:n-, 1:1- und n:m-Kommunikation in verschiedensten technischen Ausprägungen ein.

Der Drei-Stufen-Test konterkariert genau an dieser Stelle die notwendige und umfassende Erweiterung des ö/r Programmangebots in das “Internet” [vgl. dies und das als Beispiel].

Ist die Negativliste vor allem als Schutz privater Programmanbieter vor rein wirtschaftlich motivierter Aktivitäten der ö/r Sender noch gut verständlich und vermittelbar, so sind die Regelungen des Drei-Stufen-Tests, insbesondere die Möglichkeiten der direkten redaktionellen Einflussnahme durch Rundfunkräte oder deren “Verhinderungsmöglichkeit” durch “Aussitzen/Nichtbeschießen” alles andere als förderlich für den gesetzlichen Auftrag der ö/r Sender.

Es ist zu befürchten, dass die Funktionsfähigkeit der ö/r Sender in einer vergleichbaren Weise wie durch den “Public Value Test” in der BBC schon in Ansätzen geschehen nicht nur empfindlich gestört, sondern langfristig sogar unmöglich gemacht wird.

Das ist sicher das heute politisch und gesellschaftlich wichtigste Thema in der Verbindung von klassischen und Online-Medien.


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About Geribert Jakob

Professor für Medienwissenschaften an der Hochschule Darmstadt und ist erreichbar und diskussionsbereit über Geribert.Jakob *at* h-da.de oder direkt hier ... in den Kommentaren.
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2 Responses to Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet – Open Archives als Beispiel für Operationalisierung

  1. Geribert Jakob says:

    http://vimeo.com/3690668 – das ist das was ich überwiegend mache. Reinschauen – zuhören.

  2. Pingback: KoopTech » Titelgeschichte » Klassische Medien im Spannungsfeld mit dem Internet - Twittern als Beispiel für Operationalisierung

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