Begrenzter Journalismus: Was beeinflusst die Entfaltung eines Qualitätsjournalismus

Schon kürzlich hatte ich erwähnt, dass Geribert Jakob mich Anfang Oktober bat, mit ihm eine Analyse für den 14. MainzerMediendisput zu erstellen, die sich mit den Faktoren beschäftigt, die guten Journalismus beeinflussen. Auch Miriam  Bunjes hat an dem Werk mitgearbeitet und wurde mit mir in das ad hoc gegründete Autorenteam der ebenso ad hoc ins Leben gerufenen Forschungsgruppe Medien aufgenommen. Die Analyse ist heute online erschienen und wird in ihrer Druckfassung den Teilnehmern am Montag übergeben.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an meine InterviewpartnerInnen, die sehr kurzfristig sich für ein Gespräch Zeit genommen hatten – und die zahlreichen Zitate sehr zügig frei gegeben haben. Die Arbeit lebt jetzt davon, dass man weiß, wer was gesagt hat. Danke an:

  • Domenika Ahlrichs, Chefredakteurin der Netzeitung
  • Annette Bolz, freie Wissenschaftsjournalistin und Dozentin an der Akademie für Publizistik, Hamburg
  • Regine Bönsch, Ressortleiterin „Elektronik“ der Wochenzeitung VDI-Nachrichten
  • Ulrike Kaiser, stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands und Mitbegründerin der Initiative Qualität im Journalismus
  • Dr. Volker Lilienthal, Professor für Praxis des Qualitätsjournalismus am Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg
  • Dr. Peter Ludes, Professor für Massenkommunikation, School of Humanities and Social Sciences, Jacobs University Bremen
  • Ulrike Maercks-Franzen, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) und Mitbegründerin der Initiative Qualität im Journalismus
  • Matthias Spielkamp, freier Journalist und Dozent unter anderem bei der ARD.ZDF-Medienakademie
  • Dr. Thomas Pleil, Professor für Public Relations an der Hochschule Darmstadt in den Studiengängen Online-Journalismus und Wissenschaftsjournalismus
  • Hardy Prothmann, freier Journalist sowie Gründer und Betreiber von Heddesheimblog.de
  • Marcel Schilling, Redakteur beim Südwestrundfunk, HA Chefredaktion Fernsehen, RP aktuell
  • Dr. Peter Zschunke, stellvertretender Chefredakteur von Associated Press Deutschland

Und was ist zum Ergebnis zu sagen? Wir sind sehr zufrieden. Geribert Jakob schreibt es im Vorwort so:

Für eine umfassende Studie hätte der Vorlauf bis zur Veröffentlichung sicher ein halbes Jahr oder mehr erfordert, mehr forschende Autoren und sicher auch weitere Ressourcen. Andererseits sind wir als Ad-Hoc-Forschungsgruppe Medien stolz, hiermit eine umfassende, konsolidierende, nach relevanten Faktoren geschichtete und fundierte Analyse vorlegen zu können.

Hier die heutige Pressemitteilung:

Die neue Studie zum 14. MainzerMedienDisput nennt Faktoren, die den Journalismus zukünftig noch stärker in seine Grenzen weisen werden. Das Autorenteam der Forschungsgruppe Medien (TU Darmstadt) erwartet, dass die Krise der Zeitungen sich weiter verschärfen wird. Prof. Geribert Jakob: „Die Betriebswirte haben längst die Herrschaft in den Redaktionen übernommen.“

„Journalismus ist Teil unserer Kultur und deshalb in seinem Bestand durch die Gesellschaft schützenswert“, lautet eine der Kernthesen, die der Darmstädter Professor in der neuesten begleitenden Studie aufstellt, die der MainzerMedien-Disput (MMD) druckfrisch zu seinen Veranstaltungen am 9. und 10. November vorlegt. Darin werden die Faktoren, die den Journalismus ständig weiter be- und eingrenzen und sich auch auf die zukünftige weitere Entwicklung des Journalismus auswirken können, zusammengestellt und analysiert – von der Selbsteingrenzung der Journalisten, gemeinhin Selbstverständnis genannt, bis zur einschränkenden Begrenzung durch die Finanzierung des Journalismus.

Wie die Studie feststellt, ist der Journalismus extrem Mittelschicht-verhaftet, was auch erkennbar auf die Themenzugänge Auswirkungen hat. Auch der Migrantenbereich, so ein weiteres Argument, sei nur schwer auffindbar – dies sowohl bei den Themen und bei den Journalisten. Journalismus müsse sich um seine Verankerung in der Gesellschaft sorgen, lässt sich als eine der Folgerungen herauslesen. Schließlich warnt die Studie davor, dass zunehmend Betriebswirte in Sendern und Verlagen Einfluss auf den Journalismus und dessen inhaltliche wie auch formelle Ausgestaltung gewinnen werden.


Beiträge zu verwandten Themen:

  1. Studie: Polizeifreundliche Berichterstattung über G8-Gipfel

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
This entry was posted in Medien and tagged , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Begrenzter Journalismus: Was beeinflusst die Entfaltung eines Qualitätsjournalismus

  1. Pingback: Wird Google zum Datenschutz-Paulus? / Debatte um Qualitätsjournalismus | Think 2

  2. Pingback: In eigener Sache: Berichte über das heddesheimblog | Das heddesheimblog

Comments are closed.